Heroin-Ambulanz: Suche stockt

Heroin-Ambulanz: Suche stockt

In Bonn läuft bereits die kontrollierte Abgabe von Heroin an Abhängige erfolgreich. Seit 2010 ist beschlossen, dass es auch eine Heroin-Ambulanz in Düsseldorf geben soll. Immer noch scheitert das Projekt an der Standortfrage.

Seit Juli 2010 ist es beschlossene Sache: Die kontrollierte Abgabe von Heroin an Abhängige soll in Düsseldorf realisiert werden. Doch während die Pläne für die Aufnahme des Betriebs seitens der Gesundheitsverwaltung bereits vorliegen, kommt das Amt für Immobilienmanagement mit der Klärung der Standortfrage nicht in Gang. So gibt es bislang nach der gescheiterten Idee der Unterbringung der so genannten Heroin-Ambulanz in Flingern keine Alternative. Jetzt soll das Thema erneut im Rat diskutiert werden. Die Grünen-Fraktion will per Antrag die Verwaltung dazu auffordern, Stellung zu beziehen, wie es um die Vergabe von Heroin – auch Diamorphin genannt – steht.

365 Tage im Jahr geöffnet

Gesundheitsdezernent Wilfried Kruse verdeutlichte auf Anfrage der RP erneut, wie aufwändig das Projekt sei. "Die Ambulanz muss 365 Tage im Jahr geöffnet sein, drei qualifizierte Kräfte arbeiten im Schichtbetrieb, und auch die Lagerung des Stoffs und die Vergabe muss hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen", sagt der Dezernent. Um den geeigneten Standort dafür zu finden, seien viele Beteiligte gefragt – neben Politik und Stadt etwa auch die Polizei. Warum jedoch bislang kein neuer Standort im Gespräch ist, das habe das Amt für Immobilienmanagement zu verantworten, so Kruse. Dort heißt es indes: "Es ist etwas Neues in Aussicht. Wir sind noch in der Prüfung und können daher noch nicht sagen, wo. Aber wir sind hoffnungsvoll", erklärt Amtsleiterin Doreen Kerler.

Der Grünen-Ratsfraktion ging das alles bislang nicht zügig genug und will im Rat heute vor allem erfahren, wann es nun endlich losgehen wird. Dazu die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Antonia Frey: "Falls die Verwaltung das immer noch nicht darlegen kann, stellt sich die Frage, ob sie handlungsunfähig oder handlungsunwillig ist. Weitere Verzögerungen werden wir nicht hinnehmen."

Die Statistik belegt indes, dass die Zahl der Drogentoten rückläufig ist (siehe Info). Dazu erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP): "Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass immer weniger Menschen an ihrem Drogenkonsum sterben und das Durchschnittsalter der Drogentoten ansteigt." Dies belege, dass es durch die Angebote zur Überlebenshilfe gelungen sei, Drogenabhängige gesundheitlich zu stabilisieren, ihr Überleben zu sichern und ihnen einen Ausstieg zu ermöglichen.

So gab es für eine gezielte Heroin-Abgabe in Düsseldorf seitens des Bundes grünes Licht. Die Gründe: Nicht alle Süchtige vertragen Methadon und sollen deshalb durch kontrolliert verabreichtes Heroin den Weg zurück in ein geregeltes Leben finden. Zudem soll durch die Abgabe die Beschaffungskriminalität minimiert werden. Ein Vorbild für Düsseldorf ist Bonn. Dort wird bereits erfolgreich mit einer Heroin-Ambulanz gearbeitet.

(RP)
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