Düsseldorf/Freiburg: Helferin würde wieder so handeln

Düsseldorf/Freiburg: Helferin würde wieder so handeln

Antonia Dicke (21), damals RP-Praktikantin, wurde auf dem Heimweg Augenzeugin des Angriffs. So geht es ihr heute.

Am 9. März gegen 20.50 Uhr bin ich auf dem Weg nach Hause von der Redaktion. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof steige ich in die S 28 nach Mettmann. Plötzlich bricht Panik aus, denn ein mit einer Axt bewaffneter Mann schlägt auf Menschen ein, verletzt sie zum Teil schwer. So werde ich an diesem Abend Zeugin eines Amoklaufs. Da ein Terroranschlag zu Beginn nicht auszuschließen ist, gibt es ein riesiges Polizeiaufgebot. Ein Ausmaß, wie ich es noch nie erlebt habe.

Dieses Erlebnis ist für mich heute, ein Jahr später, weit weg, ich vergesse es zeitweilen sogar. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon kurz nach dem Vorfall, nach Abschluss meines Praktikums Ende März, nach Freiburg zurückgegangen bin und das Geschehene dadurch auch räumlich weit von mir entfernt ist.

Ein Jahr später nun hoffe ich, dass sich vor allem die Opfer wieder weitgehend erholt haben und das Erlebte verarbeiten konnten.

Nachdem sich herausstellte, dass der damals 36-jährige Täter unter einer paranoiden Schizophrenie leidet, glaube ich, dass er keine bewusst bösen Intentionen hatte, Menschen zu verletzen. Manchmal denke ich mir, dass, wenn ihm einmal bewusst wäre, was er getan hat, er seines Lebens bestimmt nicht mehr froh würde, er seine Tat bereuen würde. Am 22. September war es dann so weit: Der als schuldunfähig eingestufte Mann kam lebenslang in eine geschlossene Psychiatrie. Ich hoffe, dass ihm dort geholfen werden kann.

Ansonsten hat sich in meinem Leben eigentlich nichts geändert. Die anfängliche Aufregung in Bezug auf den Angriff hat sich verlaufen, das Leben geht weiter. Auch wenn ich Bahn fahre, spielt das Erlebte keine Rolle mehr. Eines steht für mich aber fest: Mein Handeln von damals würde ich heute definitiv genau so wiederholen.

(RP)