Wie Horst Hellerling aus Hückeswagen ein Hallenbad rettete

IG Frühschwimmer aus Hückeswagen: Wasser ist sein Element

Horst Hellerling bezeichnet sich selbst nicht als Vereinsmensch - dennoch engagiert er sich in mehreren Vereinen der Schloss-Stadt. Als Mitbegründer der IG Frühschwimmer hat er zur Rettung des Hückeswagener Hallenbades beigetragen.

Für Horst Hellerling ist Heimat das, was für Schiffe der Heimathafen ist - nämlich der Ort, an dem man zuerst ins Register eingetragen wurde. Für den 89-Jährigen ist das sein Geburtsort Berlin. "Heimat ist da, wo man geboren ist. Aber mein Zuhause ist Hückeswagen - da wo ich lebe und mich wohlfühle", sagt Hellerling.

Seit 1967 lebt der Berliner in seiner Wahlheimat Hückeswagen. In der Schloss-Stadt hat er sich verschiedenen Vereinen angeschlossen. Er engagierte sich zunächst im Verein der Kriegsversehrten - später die Rehabilitation- und Behinderten-Sportgemeinschaft (RBS) -, dessen Vorsitzender er von 1992 bis 1999 war, und im ATV, in dessen Vorstand er ebenfalls zeitweise mitarbeitete.

Ganz besonders am Herzen liegen ihm aber das Bürgerbad Hückeswagen und die Interessengemeinschaft der Frühschwimmer. Als regelmäßiger Badbesucher hat er sich für den Erhalt des Willi-Daume-Bads, wie das Hallenbad früher hieß, eingesetzt, als im Jahr 1993 die Schließung drohte. Der ehemalige Stadtdirektor Hans-Jürgen Pauck und die damalige Badleiterin Andrea Poranzke waren auf den regelmäßigen Badegast zugekommen und hatten um Rat zur Rettung des Bades gebeten. "Es mussten in erster Linie Personalkosten eingespart werden", erinnert sich Hellerling. 1993 war das Bad noch ganztägig geöffnet. Also musste versucht werden, die Betriebszeiten zu kürzen.

Um das Schwimmen am Vormittag weiter zu ermöglichen, wurden die Frühschwimmer gegründet, die das Bad seither in den Vormittagsstunden von der Stadt mieten. Die Aufsicht übernehmen sie selbst. Hellerling hatte dafür selber noch die Prüfung für die Rettungsbefähigung abgelegt. Die Idee sei aus einer Diskussion heraus geboren und der Verein mit gerade einmal 23 Mann gegründet worden. "Damals hat man mich noch ausgelacht, heute haben wir fast 2000 Mitglieder", sagt der Mitbegründer und Ehrenvorsitzende der Frühschwimmer, Hückeswagens größtem Verein.

Foto: Moll Jürgen
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Als 2008 erneut die Schließung im Gespräch war, gründeten Stadt, Frühschwimmer und Stadtsportverband die Bürgerbad gGmbH. Doch nur wenn das Bad häufig und viel genutzt wird, bleibt es auch in Zukunft überlebensfähig. Der 89-Jährige geht daher mit gutem Beispiel voran. "Freitags ist mein Wellnesstag", sagt der begeisterte Wassersportler. Sechs Stunden verbringt er dann im Bürgerbad: Der Tag beginnt mit Wassergymnastik, danach folgt eine gemütliche Kaffeerunde zusammen mit den Frühschwimmer-Freunden, und zum Abschluss gibt es Sauna und Massage.

Mitglied ist der 89-Jährige auch in der Wandergruppe des ATV, obwohl er nicht mehr die Wanderschuhe schnürt. "Da machen die Knochen nicht mehr mit", sagt er. Dafür genießt Hellerling die Gemeinschaft beim abschließenden Essen nach den Touren. Sein Kalender ist gut gefüllt mit Terminen. Und auch in seinem gemütlichen Eigenheim mit Wintergarten kommt keine Langeweile auf. "Ich habe jetzt ein Smartphone und höre sehr gerne Blasmusik über YouTube", berichtet er schmunzelnd.

Beruflich war der Diplom-Ingenieur für die Weltfirmen AEG, Elotherm, ASEA und ABB auf der ganzen Welt unterwegs. "Ich habe dabei viele Kulturen und Religionen kennen und schätzen gelernt", sagt er. Die Hückeswagener sind ihm in den 51 Jahren, die er in der Schloss-Stadt lebt, ans Herz gewachsen. "Sie sind stur, grob und kantig - aber ehrlich", fasst Hellerling zusammen, der seinen Berliner Dialekt noch immer charmant einzusetzen versteht.

Der Wassersport begleitet den aktiven Pensionär schon fast sein ganzes Leben. Groß geworden ist er im Kanu-Sport. "Ich war mal Berliner Meister im Einer-Kanadier. Aber nur, weil zwei von drei Booten gekentert sind", berichtet er und lacht. Gekentert ist seine Idee zur Rettung des Bürgerbads hingegen nicht. Als Ehrenvorsitzender der Frühschwimmer nimmt der 89-Jährige noch immer an den Vereinssitzungen teil. "Ich übernehme keine Verantwortung mehr für Andere. Aber ich kann meine Meinung äußern, wenn ich um Rat gefragt werde", sagt der Hückeswagener aus Überzeugung. "Und das tue ich gerne."

(RP)