Heimat in Düsseldorf: Superfood aus der Region

Heimat in Düsseldorf: Superfood aus der Region

Auf den rheinischen Bauernmärkten kann man Produkte kaufen, die es im Supermarkt nicht gibt. Ein Besuch auf dem Kolpingplatz.

Als Monika Hüskes Ende der 90er Jahre mit anderen Landwirten aus der Region auf die Idee zu einem Bauernmarkt in der Stadt kam, galt sie als Vorreiterin. Überzeugt von dem Konzept waren zur Jahrtausendwende längst nicht alle. Öko-Landbauer galten als eine kleine Gruppe von Weltverbesserern, die einem Idyll hinterherjagten, das in die moderne Industriegesellschaft so nicht mehr zu passen schien.

Heute kaufen auf dem rheinischen Bauernmarkt auf dem Kolpingplatz Wohlhabende und Sparsame, Stadt-Muttis mit Kinderwagen, Seniorinnen mit Gehhilfe, Ernährungsbewusste und Genießer ein. Frisches Obst und Gemüse aus der Region ist schon lange im Mainstream angekommen. Auch wenn sich so mancher Einkäufer noch immer wundere, dass man im Winter auf dem Markt keine Zitrusfrüchte einkaufen kann, erzählt Monika Hüskes.

Zehn Erzeuger bieten auf dem Bauernmarkt frisches Obst aus dem Rheinland an. Darunter etwa der St. Töniser Obsthof. Foto: Jana Bauch

Ganz klar: Was keine Saison hat, gibt es auf den vier Bauernmärkten in der Stadt auch nicht zu kaufen. So das Konzept. Dafür aber viel Gutes aus der Region. Alte Tomatensorten, Bio-Blumen, Spargel, Rhabarber, Salate, das Superfood Aroniabeeren und auch Honig, Säfte, Marmeladen, Kartoffeln, Käse und Hähnchenfleisch. Und deutschen Knoblauch, den gibt es auf dem Bauernmarkt eben auch, erzählt Verkäuferin Hiltrud Hilgenfeld vom Spargelhof Van den Broek in Brüggen-Bracht. Und auch das ist eine Besonderheit.

Auf den Bauernmärkten gibt es Produkte, die ein konventioneller Supermarkt nicht im Sortiment hat. Bei jungen Frauen besonders beliebt seien die regionalen Wildkräuter, erzählt Inge Breitmar von der Kräutergärtnerei Thees aus Willich - für grüne Smoothies, die ja derzeit besonders gerne getrunken und und teuer verkauft werden. Man kann sie aber auch ganz einfach und auch billiger selbst machen. Dazu braucht man etwa Brennesseln oder auch Löwenzahn. Und die gibt es auf dem Bauernmarkt. Auch die Salat- und Kräutermischungen kämen besonders gut an, sagt Inge Breitmar. An diesem Markttag hat der Kräuterstand 17 verschiedene Sorten im Angebot. Ein gemischtes Bund Kräuter kostet drei Euro.

Die Produzenten verkaufen auf dem Markt auch die Ware ihrer Kollegen. Wichtig aber ist ihnen, ihre Kunden genau zu informieren, wo was herkommt. Foto: Jana Bauch

Den Bummel auf dem Markt hat auch der 31-jährige Franzose Julien genossen, der mit einer vollen Einkaufstasche nach Hause geht. Im Gepäck: Eier, eine Tomate, eine Gurke, Paprika, Salat. "Ich komme gerne auf den Markt", erzählt der Franzose, der in Düsseldorf lebt. In Frankreich seien die Produkte nicht so frisch wie auf dem Düsseldorfer Bauernmarkt, sagt er. Und teuerer als der Einkauf im Supermarkt sei der Kauf auf dem Wochenmarkt auch nicht.

Die Marktbetreiber genießen vor allem die lockere Atmosphäre auf dem Markt. "Die Leute haben hier noch Zeit zum Einkaufen", sagt Ingrid Kernbach, die bereits seit 13 Jahren Geflügel von der Wegberger Putenfarm Alexander Ritte verkauft. Über die Jahre habe sie eine deutliche Veränderung bei den Verbrauchern bemerkt: "Es wird heute bewusster eingekauft", erzählt sie.

Diese Wurst stammt vom Geflügelhof Ritter. Jeder, der möchte, könne sich auf dem Hof auch umschauen, sagt Verkäuferin Ingrid Kernbach. Foto: Jana Bauch

Auch die 90-jährige Helene Schmüle kauft auf dem Bauernmarkt ein. Und lässt sich gerne von Verkäuferin Ursula Frost vom St. Töniser Obsthof überzeugen, weniger Äpfel einzukaufen, denn, um den großen Sack kühl zu lagern, habe sie nicht genügend Platz. Auch das sei typisch Marktgeschehen, sagt Ursula Frost: "Wir wissen, was die Kunden wollen." Der Einkauf auf dem Markt sei viel persönlicher.

Den ersten Spargel bietet im April der Spargelhof Van den Broek in Brüggen-Bracht an. Foto: Jana Bauch

Die Rheinischen Bauernmärkte gibt es an vier Standorten in der Stadt. In Heerdt an der Schiessstraße 1 (freitags von 9 bis 13 Uhr), in Oberbilk am Lessingplatz (donnerstags 8 bis 13.30 Uhr), in Pempelfort am Kolpingplatz (mittwochs 9 bis 13 Uhr und samstags 8.30 bis 13.30 Uhr)sowie in Unterbilk am Friedensplätzchen (dienstags 8 bis 13 und freitags 10 bis 18 Uhr).

Die Rosen aus der Erlebnisgärtnerei Hüskes sind so wenig wie möglich behandelt. Die Rosenblätter kann man also auch in der Küche verarbeiten. Foto: Jana Bauch
(RP)
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