Moers: Wanderrouten entlang der Sehenswürdigkeiten am Niederrhein

Sehenswürdigkeiten am Niederrhein: Das Wandern ist des Moersers Lust

Der ehemalige Bergmann Werner Gröll entdeckt seit 43 Jahren verborgene Pfade in seiner linksrheinischen Heimat. 2005 konzipierte er mit den Berg- und Wanderfreunden eine Strecke mit allen Sehenswürdigkeiten am Niederrhein.

Über die Holzbrücke an den Nieper Kuhlen wandert Werner Gröll besonders gerne. Wenn er die überquert und aufs Wasser blickt, kommen Erinnerungen wieder hoch. Erinnerungen an unbeschwerte Kindertage, als er mit der Familie eine Bekannte der Oma besuchte, mit seinen Freunden Fangen und Verstecken am Wasser spielte. "Es war ein Gefühl von Freiheit und Glück", beschreibt der 66-Jährige diese Zeit. Heute empfindet er diese Gefühle beim Wandern: wenn er wieder mit seinem Hund Moritz loszieht, um eine Strecke für die Niederrheinischen Berg- und Wanderfreunde zu testen, oder wenn er vier Mal im Jahr ins Salzburger Land fährt, um "richtige Berge" zu bezwingen.

Dass es die in seiner Heimat nicht gibt, findet der gebürtige Homberger nicht tragisch: "Am Niederrhein sind die Strecken auf eine andere Weise wunderschön. Der Rhein, das Kloster Kamp, die Wälder und Feldwege - es gibt hier so viele verborgene Pfade, die sogar schneller zum Ziel führen als die Landstraßen. Die gilt es immer wieder zu entdecken", erklärt Gröll. 2005 hat er einmal mit seinem guten Freund Karl Brand Fußgänger in Kamp-Lintfort gefragt, welcher der kürzeste Weg zum Kloster sei. "Dass es einen schönen Trampelpfad an der Großen Goorley entlang gibt, wussten die wenigsten", sagt Gröll. Er und Brand dagegen kennen ihre Umgebung durch die Wandertouren beinahe in- und auswendig.

Die Wanderlust hielt sich bis zu Grölls 23. Lebensjahr jedoch in Grenzen. "Ich bin viel spazieren gegangen und fühlte mich mit der Natur verbunden, doch das Wandern habe ich in meiner Kindheit und Jugend noch nicht für mich entdeckt. Als ich dann zum ersten Mal mit meiner Frau ins Salzburger Land fuhr, war es um mich geschehen: Ich habe mich mit anderen Wanderern zusammengetan, wir haben jeden Abend besprochen, welche Strecken am nächsten Tag dran sind und uns gut unterhalten", erzählt der 66-Jährige. Bis heute kehrt das Ehepaar Gröll in derselben Wanderpension ein. Und während er das Gebirge erklimmt, geht seine Frau Annegret mit der Wirtin shoppen.

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Am Niederrhein steht jeden Sonntag eine Wandergruppe aus zehn bis 20 Gleichgesinnten seines Vereins bereit. "Seit 2003 wandere ich bei den Niederrheinischen Berg- und Wanderfreunden mit. Zunächst eine Interessengemeinschaft, wurden wir 2005 zu einem Verein. Damals sind wir mit 18 Mitgliedern gestartet, heute sind es 105. Das ist das Beste, was mir passieren konnte", sagt Gröll, der die Gemeinschaft beim Wandern schätzt. Strecken von 17 bis 20 Kilometern werden wöchentlich zurückgelegt, jeder unterhält sich mit jedem, in den Pausen liegen die Wanderfreunde bei gutem Wetter gerne mal im Gras und machen ein kleines Picknick.

Und weil es auf der linken Rheinseite so schöne Orte gibt, an denen man verweilen kann, hat die Gruppe 2005 einen Niederrheinwanderweg konzipiert, der in neun Etappen von 13 bis 15 Kilometer eingeteilt ist. "Vom Moerser Schloss über das Kloster Kamp, den Traarer Flugplatz, die Mühle am Egelsberg, den Rheindeich oder das Bergwerk in Kamp-Lintfort ist alles dabei", sagt Gröll. "Insgesamt ist es eine Strecke von 125 Kilometern, die wir jedes Jahr an Karfreitag starten. In einer Woche laufen wir alle Etappen ab."

Den Weg von Moers nach Traar liebt der Vater von zwei erwachsenen Töchtern besonders. Zu dem gehört die Holzbrücke aus seiner Kindheit.

(jma)