Hermann Deuster aus Mönchengladbach: Platt ist seine Heimatsprache

96-Jähriger aus Mönchengladbach: Plattdeutsch ist seine Heimatsprache

Der 96-jährige Hermann Deuster singt in zwei Chören. Und er gehört zum Ensemble "Kölsch-Katholisch". Bei den Auftritten liest er Texte auf Platt vor. Der Senior ist viel gereist. Demnächst will er seinen Enkel in New York besuchen.

Hermann Deuster führt oft Zwiegespräche mit dem "lieben Herrgott". Und dann bittet er ihn: "Gib mir noch ein paar Jahre, ich habe so viel Spaß am Leben und noch so viel vor." Der 96-Jährige sprüht vor Energie. Dafür ist er dankbar. "Dass ich so gesund bin und so fit, das ist ein Geschenk." Und dafür bedankt er sich auf seine Weise.

Er singt im Münsterchor und im Männergesangverein Melodia Hardt. Einem großen Publikum ist er bekannt, weil er zum Ensemble "Kölsch-Katholisch" von Pfarrer Harald Josephs gehört - und das von Anfang an. "Im nächsten Jahr haben wir die 20 voll." Der Senior liest zwischen den Gesangdarbietungen Texte auf Plattdeutsch. "Das ist meine Heimatsprache", sagt er. Sohn Herbert singt auch mit im Ensemble. Er gibt seinem Vater die Texte, die der dann ins Platt übersetzt. "Anschließend gebe ich sie Herbert zur Korrektur", sagt Hermann Deuster. "Der ist ja schließlich Lehrer."

Und darauf ist er ziemlich stolz. "Ich wollte immer, dass es mein Sohn mal besser hat als ich." Hermann Deuster wurde am 7. März 1922 geboren. Mit acht Geschwistern wuchs er an der Weiherstraße im Schatten des Münsters auf. "Zu Hause wurde Platt gesprochen", sagt er. Nach der Schule bekam er zunächst keine Lehrstelle. Erst als er seinen Widerstand aufgab und der Hitler-Jugend beitrag, durfte er arbeiten - im Lager von Knops & Co. Einen Lehrvertrag bekam er nicht. Es folgten der Reicharbeitsdienst, dann das Militär. "Ich wurde in Tunesien eingesetzt." Erst 1947 kehrte er nach Hause zurück. Seine Mutter verordnete ihm vier Wochen Ruhe.

Hermann Deuster wurde Bügler in einem Textilbetrieb an der Neuhofstraße. Und er heiratete seine große Liebe: Käthe. Die hatte er schon im zarten Alter von 15 Jahren kennengelernt. Die beiden trafen sich wieder. "Und da wussten wir endlich, worum es ging und was werden sollte." Käthe Deuster ist 2006 gestorben. Seitdem wohnt der Witwer allein in seiner großen Wohnung.

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Sohn Herbert machte sein Abitur am Stiftischen-Humanistischen Gymnasium. "Da habe ich zu ihm gesagt: Jetzt steht dir die Welt offen." Herbert Deuster studierte Mathematik und Musikwissenschaften in Münster. Er unterrichtet am Albertus-Magnus-Gymnasium in Dülken. Herbert Deusters Sohn Christoph geht in Kürze zur UNO nach New York. "Seitdem ich das weiß, spare ich", sagt Hermann Deuster. Denn New York ist sein anvisiertes nächstes Reiseziel. Fehlende Unternehmungslust kann man ihm tatsächlich nicht unterstellen.

Und das war immer so. Hermann Deuster ist sein Leben lang gern gereist und er hat immer gesungen - zeitweise auch im Extrachor des Theaters. Und Kölsch-Katholisch ist und bleibt seine Leidenschaft. "Wenn wir auftreten, kommt immer eine super Stimmung auf, es wird geklatscht und gejohlt, viele singen die Lieder mit - und ich muss mich konzentrieren." Denn er will ja, dass seine Texte fehlerlos rüberkommen und auch verstanden werden. "Die jungen Leute verstehen heute kein Platt mehr, das sind nur noch die älteren."

Im kommenden Jahr wird der 20. Geburtstag des Ensembles gefeiert. Da will der Senior natürlich mitmischen. Deshalb muss er gesund und munter bleiben. "Aber einmal kommt der Tag, wir sterben schließlich alle mal." Und dann lacht Hermann Deuster und sagt "Vielleicht auch ich."

(isch)