16-jähriger Krefelder bundesweit auf Plakaten: Felix, der Eroberer fährt nach Frankfurt

16-jähriger Krefelder bundesweit auf Plakaten: Felix, der Eroberer fährt nach Frankfurt

Felix Odendahl aus Krefeld-Hüls ist das Gesicht des bundesweiten Down-Sportlerfestivals am 28. April in Frankfurt. Ein Besuch bei einer energiegeladenen Familie.

Stillstand ist für Claudia Odendahl keine Option. Die blonde Frau ist gerne in Bewegung. "Ich bin eigentlich schon immer gelaufen, auch in der Schwangerschaft", sagt die 47-Jährige. Sohn Felix läuft auch gerne. Wie viel Freude er daran hat, können zurzeit alle sehen, die das Plakat des Down-Sportlerfestivals anschauen. Der 16-jährige Hülser ist in diesem Jahr das Gesicht des bundesweiten Festes.

Auch in der Hülser Robert-Jungk-Gesamtschule, die Felix und seine Schwester Hannah besuchen, hängt ein solches Plakat. Fast alle Schüler dort haben beim Online-Auswahlverfahren für Felix gestimmt. Vater Ralph Odendahl erklärt: "Jedes Jahr werden Fotos von den Sportlern mit Down Syndrom beim Festival gemacht. Eine Jury sucht sechs dieser Aufnahmen heraus, die für das Plakat des kommenden Jahres in Frage kommen. Online kann man dann für seinen Favoriten stimmen."

Der Krefelder Felix Odendahl ist das Gesicht des Sportlerfestivals, das am 28. April in Frankfurt am Main ausgetragen wird. Foto: Hexal

Felix schlug sie alle. Mit einem enormen Vorsprung und der Unterstützung der gesamten Schule wurde er der "Plakat-Junge" 2018. "Ein toller Erfolg. Wir haben uns sehr darüber gefreut. Es zeigt uns, dass Felix trotz seiner Einschränkungen ein Teil der Schulgemeinschaft ist und viele Freunde hat. Das tut gut", sagt Mutter Claudia.

Aufgeben ist keine Option

Mit viel Energie und zeitlichem Aufwand macht sie ihren Sohn fit fürs Leben. Stillstand ist auch bei Felix' Entwicklung für sie keine Option. Denn: geht nicht, gibt's nicht. "Es ist bisher immer weiter gegangen, wenn zum Teil auch nur in ganz kleinen Schritten. Manchmal braucht man viel Geduld, doch dann tut sich auf einmal was, und am Ende ist man selbst und das Kind natürlich stolz auf den Erfolg", erklärt Claudia Odendahl.

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Ein solcher Erfolg war das Radfahren. Monatelang ist Mutter Claudia neben ihrem Sohn hergelaufen und hat ihn gehalten, wenn er umzufallen drohte. Oft hat sie den gut gemeinten Ratschlag bekommen: "Lass gut sein. Das kann er einfach nicht." Claudia Odendahl machte trotzdem weiter, blieb in Bewegung und glaubte an die Fähigkeiten ihres Sohns. Heute fährt Felix gut Rad und träumt sogar davon, auf dem Mountainbike den Hülser Berg hinabzufahren. "Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht weiß, ob ich die Kraft gehabt hätte, Felix so zu fördern wie meine Frau. Aber sie macht es toll und hat Erfolg damit", sagt Ralph Odendahl. Schwimmen war auch so eine Hürde, die Felix erst im zweiten, dritten oder sogar vierten Anlauf genommen hat. Heute schwimmt er wie ein Fisch, sagen die Eltern und sind mächtig stolz auf ihren Sohn, der außerdem Tennis spielt und Schlittschuh läuft - als echter KEV-Fan am liebsten gepanzert wie die Eishockey-Spieler.

Schwester Hannah unterstützt ihren großen Bruder dabei, Stück für Stück die Welt zu erobern. Beim Down-Sportlerfestival werden die Geschwister wieder als Team gegen andere Sportler mit Down-Syndrom und ihre Geschwister antreten. Außerdem gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm, auf das sich die Hülser freuen. "Wir sind schon zum elften Mal dabei. Der Spaß am Sport steht in Frankfurt klar im Vordergrund. Das finden wir gut", erklärt Ralph Odendahl. Mit Opa Günther trainiert Felix fleißig für den Wettbewerb. Im zügigen Tempo machen die beide ausgedehnte Spaziergänge am Hülser Berg. Über fünf Kilometer geht's dann rauf und runter. Auch sonst ist der 16-Jährige viel in Bewegung. Er geht alleine einkaufen und fährt auch selbstständig Bus. Dank moderner Technik wissen seine Eltern jedoch immer, wo sich ihr Sohn gerade aufhält. Außerdem können sie sich auf die Hilfe der Nachbarn verlassen. "Felix ist in Hüls bekannt. Seine freundliche Art kommt gut an. Wenn er Probleme hat, kann er immer jemanden fragen", sagt Claudia Odendahl. Und ihr Mann ergänzt: "Felix hat einen ausgezeichneten Orientierungssinn. Das macht natürlich vieles leichter."

Sorgen machen sich die Eltern trotzdem. Was ist, wenn Felix in den falschen Bus steigt? Was machen wir, wenn er nicht zurückkommt? Wird er morgens rechtzeitig das Haus verlassen, um seinen Bus zu erreichen? Claudia und Ralph Odendahl mussten wie alle Eltern erst lernen, ihrem Sohn in Teilen ein selbstständiges Leben zuzutrauen. Es ist eine Freiheit mit Netz und doppeltem Boden.

Da beide Eltern vor Felix das Haus verlassen müssen, schaut eine Nachbarin, ob der 16-Jährige daran denkt, die Tür zu schließen. Den Strom haben die Odendahls vorsichtshalber vorher abgestellt. "Man weiß ja nie, auf welche Ideen Felix kommt. Da kann es schon mal passieren, dass er versucht, seinen Lieblingsfilm nachzustellen. Was im Film vielleicht lustig aussieht, ist es in der Realität aber nicht", wissen die Eltern und sagen augenzwinkernd. "Aber wir sind ja kreativ und können vorbeugen." Mit viel Humor und noch mehr Bewegung meistert Familie Odendahl das etwas andere Familienleben - das am Ende dann doch nicht so viel anders ist. Denn es funktioniert wie immer nur als Team. Und Team Odendahl hat einen wichtigen Joker, sagt Mutter Claudia: "Wir haben Hannah. Sie ist unsere Felix-Flüsterin. Wenn er auf uns nicht mehr hört, bei seiner kleinen Schwester kann er einfach nicht nein sagen."

(bk)
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