Moers: Dienstfahrzeug auf zwei Rädern

Moers: Dienstfahrzeug auf zwei Rädern

Nicht nur für die vielen schönen Fahrradtouren am Niederrhein bieten sich Rennrad, Mountainbike oder Pedelec an, auch für die Fahrt zur Arbeit werden Zweiräder immer mehr genutzt. Seit einiger Zeit ist Fahrrad-Leasing ein Thema.

Dienstwagen war gestern. Wer heute auf sich hält und die Umwelt im Blick hat, entscheidet sich immer häufiger für ein gutes Rad, um damit zum Job zu kommen. Der Heimweg dient dann übergangslos dem Freizeitvergnügen, denn das Zweirad kann auch privat und für den Sport genutzt werden. "Fahrrad-Leasing" ist ein Trend, der bei örtlichen Händlern seit einigen Jahren eine wachsende Rolle spielt. Carlo Lörper in Goch zum Beispiel erzählt der Rheinischen Post, dass er auf diese Weise pro Jahr Fahrräder "im vierstelligen Bereich" an die Frau oder den Mann bringt. Statt 3000 oder mehr Euro über die Ladentheke zu schieben, ist es beim Leasing nur ein eher geringer Monatsbeitrag, der aufzubringen ist. "50 bis 70 Euro fallen da meist an. Das hat der Kunde selbst in der Hand - je nach Preis des Fahrrades, für das er sich entscheidet."

Die Finanzbehörden akzeptieren Fahrradkilometer ebenso wie mit dem Auto gefahrene Strecken - der Arbeitnehmer kann sie steuerlich geltend machen. Was natürlich bedingt, dass auch der Arbeitgeber sich mit der Materie beschäftigt und das Fahrrad-Leasing, das er seinen Angestellten ermöglich, steuerlich berücksichtigt. Joachim Beisel, Generalbevollmächtigter bei der Volksbank Kleverland und auch fürs Personal verantwortlich, berichtet, dass die Voba einen Rahmenvertrag mit Lörper geschlossen habe und rechtlich für die Dauer des Leasingvertrages Eigentümer des Rades bleibe. Über eine Gehaltsverrechnung werde dem Mitarbeiter dann das Fahrrad, für das er selbst die Leasingrate zahle, überlassen. "Anfangs musste sich die Personalabteilung einmal intensiv mit der Materie befassen und alles in die Lohnbuchabteilung eingeben, seitdem läuft die Sache problemlos." Zehn Kollegen im Haus nutzten inzwischen das Angebot. Die Volksbank möchte ein guter Arbeitgeber sein und den Mitarbeitern nette Extras bieten - zum Beispiel ein tolles Fahrrad zu günstigen Konditionen. "Außerdem tun die Angestellten damit etwas für ihre Gesundheit und schonen die Umwelt. Hinzu kommt die Verkehrs- und Parksituation in Kleve. Unseren rund 100 Mitarbeitern können wir keine 100 Parkplätze zur Verfügung stellen. Da freuen wir uns über jeden, der mit dem Rad kommt. In der Tiefgarage halten wir eigens für sie Stellplätze vor." Ein Umkleideraum ermöglicht es den Fietsern, die Bequemschuhe und die Freizeitkleidung gegen formelle Banker-Garderobe zu tauschen.

Auch in Goch nutzen immer mehr Berufstätige die Möglichkeit, für wenig Geld zu einem hochwertigen Rad zu kommen. Kristina Derks von den Stadtwerken sagt, das Unternehmen wolle die Mitarbeiter durch das Fahrrad-Leasing dabei unterstützen, sich fit zu halten. "Wir finanzieren auch Betriebssport durch Beiträge zum Fitnessstudio", erzählt sie. Carlo Lörper zählt diverse weitere Firmen auf, die sich beteiligen, durchaus auch in der weiteren Region. Für den Arbeitgeber sei die Sache abgesehen vom kleinen Aufwand in der Personalabteilung kostenneutral.

Die Kunden, die sich bei ihm umsehen, können aus 1200 ständig vorrätigen Rädern auswählen, wobei Jugendräder und sehr günstige Fahrräder fürs Leasing nicht infrage kommen. Interessant wird's für hochwertige Fahrzeuge, zumal der Bikeleasing-Partner dafür sorgt, dass in der Monatsrate auch eine umfassende Versicherung und die Wartung des Rades enthalten sind. "Das ist zu vergleichen mit dem Voll-Leasing eines Autos", sagt Beisel. Wenn der Akku des E-Bikes nicht mehr gut sei, tausche der Kunde ihn einfach im Fahrradgeschäft um, auch Reparaturen sind im Leasingbeitrag inbegriffen. Und nach drei Jahren kann das Rad gegen ein neues eingetauscht werden. Durch die größere Stückzahl, die Lörper an die Unternehmen vermittelt, kann er die einzelnen Fahrräder übrigens deutlich günstiger abgeben. Noch ein starkes Argument für das System.

(RP)