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Hafen nach Schiffsunfall gesperrt

Hafen nach Schiffsunfall gesperrt

Die "Destiny I" lief am Samstag mit 3270 Tonnen Kohle an der Hafeneinfahrt auf Grund. Der Hafen konnte erst wieder öffnen, als Teile der Ladung auf ein anderes Schiff verladen waren. Der Rhein führt seit Wochen Niedrigwasser, die Verantwortlichen fürchten Umsatzverluste für die Binnenschiffer.

Die "Destiny I" hatte ihr Ziel am Samstagabend fast erreicht. 26 Stunden zuvor war der niederländische Schubverband in Rotterdam gestartet, wo er rund 3270 Tonnen Kohle geladen hatte. Doch an der Einfahrt zum Düsseldorfer Hafen war die Fahrt dann plötzlich zu Ende. Am Samstag gegen 19.15 Uhr lief der Transporter mitten in der Zufahrt zu den Hafenanlagen auf Grund. Da in der Folgezeit kein anderes Schiff mehr an der festgefahrenen "Destiny I" vorbeikam, musste die Wasserschutzpolizei den Düsseldorfer Hafen komplett sperren. Erst nachdem am frühen Sonntagmorgen ein Entladeschiff die Unglücksstelle erreicht hatte sowie einen Teil der Fracht der "Destiny I" aufnahm, konnten die Niederländer ihre Fahrt in den Hafen fortsetzen. Die Sperrung wurde um 12 Uhr wieder aufgehoben.

"Endlich geht es weiter", sagte gestern Mittag ein Besatzungsmitglied der "Destiny I" unserer Zeitung. Inwieweit der Kapitän des im südholländischen Zwijndrecht gemeldeten Schubverbandes die Verantwortung für den Unfall trägt, ist noch unklar. Nach der Trockenheit der zurückliegenden Wochen führt der Rhein seit langem Niedrigwasser. Der Pegel Düsseldorf lag zum Unfallzeitpunkt bei etwas mehr als 80 Zentimetern, was im Hafen einer Wassertiefe von rund 2,20 Meter entspricht. Das Manövrieren großer Binnenschiffe wie der "Destiny I" ist bei diesen Bedingungen eine anspruchsvolle Aufgabe, die allerdings zu bewerkstelligen ist, wie die Wasserschutzpolizei gestern erklärte. "Beim Beladen in Rotterdam hätte man bereits den später in Düsseldorf zu erwartenden Pegelstand einberechnen müssen", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Da aber viele Binnenschiffer unter finanziellem Druck stünden, zähle jede zusätzlich geladene Tonne. Rainer Schäfer, Geschäftsführer der Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH), beurteilte die Frage nach der Verantwortung hingegen zurückhaltender. Fest stehe bislang nur, dass der Schiffsführer zu viel geladen hatte, sagte Schäfer unserer Zeitung. "Die Wasserstände können sich schnell ändern", so Schäfer.

In den nächsten Tagen werden die NDH die Wassertiefe im Hafenbereich ein weiteres Mal per Echolot bestimmen, nachdem dies bereits vor einigen Wochen geschehen war. Angesichts des derzeitigen Niedrigwassers wächst die Sorge, die Binnenschifffahrt könne Marktanteile an die Bahn verlieren. "In Seehäfen wie Rotterdam kann Ware auch direkt auf die Schiene verladen werden", sagte NDH-Geschäftsführer Schäfer.

Der wirtschaftliche Schaden des Unfalls vom Wochenende ist gering. Während der Sperrung wollten lediglich zwei Schiffe den Düsseldorfer Hafen ansteuern. Eines wich in den Neusser Hafen aus, das ebenfalls aus den Niederlanden kommende Containerschiff "Saluté" wartete, bis der Düsseldorfer Hafen gestern Mittag wieder befahrbar war.

(RP)