Düsseldorf: Gelber Staub – was Sie wissen müssen

Düsseldorf : Gelber Staub – was Sie wissen müssen

Er klebt auf Autoscheiben und Fensterbänken, liegt auf Bürgersteigen und Straßen: der gelbe Blütenstaub. Allergiker sind besonders stark belastet, für Autofahrer ist er lästig. Der (Früh-)Sommer macht zwar eine kleine Pause, doch der Staub bleibt laut Experten erst einmal liegen.

Sonnenschein und blauer Himmel – das Wetter am Osterwochenende hätte schöner kaum sein können. Doch Heuschnupfen-Allergikern wird der Spaß am Frühsommer gründlich verdorben. Der derzeit überall sichtbare, gelbe Blütenstaub reizt Augen und Atemwege. "Seit dem die Belastung mit dem Blütenstaub so hoch ist, haben sich zahlreiche Patienten mit allergischen Symptomen in unserer Klinik vorgestellt", sagt Cécile Mühlhoff, Allergologin am Universitätsklinikum in Aachen. Aus welchen Bestandteilen setzt sich der gelbe Staub zusammen?

Der Staub ist eine Mischung aus Blütenpollen und Ausscheidungen von Insekten. "Derzeit blühen vor allem Birke, Fichte und Raps. Der Raps ist für die gelbe Farbe des Staubs verantwortlich", sagt Karl-Heinz Nottrodt, Diplom-Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in Essen. Er hat einen deutlichen Anstieg der Belastung im Vergleich zu den Vorjahren ausgemacht. Warum gibt es momentan soviel Staub?

Durch die hohen Temperaturen blühen derzeit viele Pflanzen früh- und gleichzeitig. "Zudem haben wir einen sehr trockenen Wind aus Osten. Der ist nicht nur für die sommerlichen Temperaturen verantwortlich, sondern treibt den Staub aus Russland, Polen und Ostdeutschland bis zu uns", sagt Meteorologe Nottrodt. Welche gesundheitlichen Folgen haben diese Staubbelastungen?

Die Symptome reichen von klassischen Beschwerden, wie tränenden Augen oder Fließschnupfen bis zu asthmatischen Problemen. Insbesondere die momentan fliegenden Birkenpollen belasten die Patienten stark, berichtet Rodrigo Mota von der Hautklinik der Uni-Klinik Düsseldorf. "Die Birke löst bei Kindern Neurodermitis aus, die später auch zu Asthma werden kann. Bei Erwachsenen äußert sich die Birke meist in Form von Heuschnupfen." Darüber hinaus ist es möglich, dass Betroffene jetzt auch auf bestimmte Lebensmittel anders reagieren als sonst. "Zu diesen Kreuzreaktionen kommt es, wenn die Pflanze, die die Allergie auslöst, und Nahrungsmittel eine ähnliche Molekularstruktur haben", so Mota. Im Fall der Birke gelte das zum Beispiel für Sellerie.

Was können Betroffene tun?

Grundsätzlich gilt: Je weniger Kontakt mit den Allergenen, desto besser. "Innerstädtisch sollten etwa die Fenster vor allem abends, auf dem Land eher morgens geschlossen werden", rät Cécile Mühlhoff. Bei Erstpatienten können auch die in Apotheken frei erhältlichen Antihistaminika helfen. Aber: "Nach der Erstversorgung sollte sich eine allergologische Beurteilung und die Abwägung einer längerfristigen Behandlung anschließen", so Mühlhoff, "etwa eine Immuntherapie."

Was müssen Autofahrer beachten?

Der gelbe Staub nimmt auf den Scheiben die Sicht und kann den Lack angreifen. Darum rät der ADAC, mit der nächsten Autowäsche nicht mehr zu lange zu warten.

Wann verschwindet der gelbe Staub?

"Ab heute Abend ist im Westen von Deutschland mit Schauern zu rechnen. Dadurch wird der Staub von den Straßen gewaschen", sagt Wetterexperte Karl-Heinz Nottrodt. "Allerdings bleibt es bei einem Ostwind, und die Regenfälle sind nur schwach. Bis zum Wochenende ändert sich an der Belastung also wenig." Laut Pollenflugkalender blühen Raps und Birke noch bis in den Mai hinein, die Fichte bis Juni.

(RP)