Bonn: Gefahr durch Wildschweine

Bonn : Gefahr durch Wildschweine

Eine Wildschweinrotte wurde gestern Früh einem Pkw-Fahrer bei Swisttal zum Verhängnis. Er rammte eine Wildsau, nachfolgende Fahrzeuge fuhren auf. Vor allem in der Dämmerung ist das Risiko derzeit hoch, Wildtieren zu begegnen. Im Schutz der Dunkelheit gehen sie auf Nahrungssuche.

Sieben Menschen wurden verletzt, sechs Autos teils schwer beschädigt, und ein Wildschwein wurde getötet. Das ist die Bilanz eines Massenunfalls, der gestern Früh durch eine Wildschweinrotte bei Swisttal verursacht wurde. Der 54-jährige Fahrer aus Euskirchen war gegen 6.15 Uhr auf der Bundesstraße 59 zwischen Bonn und Euskirchen unterwegs, als mehrere Wildschweine die Straße kreuzten. Der Autofahrer versuchte vergeblich, den Zusammenstoß zu verhindern. Das Auto kollidierte mit einer ausgewachsenen Wildsau. Der Fahrer wurde durch den Zusammenstoß leicht verletzt. Das Tier blieb tödlich verletzt am Straßenrand liegen. Der Rest der Rotte lief weiter. Der Kollision folgten mehrere Auffahrunfälle, an denen insgesamt fünf Fahrzeuge beteiligt waren.

Unfälle wie diese häufen sich derzeit. Die Gründe sind vielfältig: Die Zeitumstellung vom vergangenen Wochenende trägt ihren Teil dazu bei. Pendler sind nun in der Dämmerung unterwegs. Zu dieser Zeit sind auch die meisten Wildtiere in Bewegung. Nun kreuzen sich plötzlich die Lebensräume von Mensch und Tier. Außerdem zwingt Futterknappheit die Tiere, ihre Nahrungssuche auszudehnen. 2010/11 habe es deutlich mehr Bucheckern und Eicheln gegeben als in den vergangenen Monaten, sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdschutzverband (DJV). Das lasse die Tiere nachts agiler werden. "Wildschweinrotten wandern bis zu 15 Kilometer pro Nacht", so Reinwald.

Der Landesbetrieb Wald und Holz registrierte zwar im Jagdjahr 2011/12 weniger Schwarzwild als im Jahr zuvor und dementsprechend auch weniger Unfälle mit den Tieren. Doch der Bestand der Borstentiere schwankt ohnehin massiv, je nachdem, wie gut die Futterlage oder wie kalt der Winter ist – strenger Frost ist der einzige natürliche Feind der Tiere. Insgesamt nimmt der Bestand seit Jahrzehnten stetig zu. Laut Wildunfall-Statistik sind im Jahr 2010/11 rund 1800 Wildschweine bei Verkehrsunfällen in NRW getötet worden, im Jahr 2011/12 waren es 1350.

Wie groß die Gefahr für Autofahrer ist, belegen aktuelle Zahlen des ADAC: Demnach werden in Deutschland jährlich rund 2500 Menschen durch Wildunfälle verletzt, 20 starben im vergangenen Jahr. 205 000 Rehe, knapp 26 000 Wildschweine und mehr als 200 000 Hasen und Kaninchen sind dabei 2011 unter die Räder gekommen, so der DJV. In Berlin attackierte gestern ein Wildschwein nach einem Autounfall vier Menschen, biss sie und verletzte sie dabei schwer.

Selbst Unfälle mit kleinerem Wild können schwerwiegende Folgen haben – wenn das Tier den Fahrer zu einer Ausweichreaktion verleitet. "Wild kann Fahrzeuge, die schneller als 80 km/h sind, gar nicht mehr wahrnehmen", warnt Jaqueline Grünewald vom ADAC. Deshalb sei es wichtig, an Landstraßen besonders aufmerksam zu fahren – auch dann, wenn keine Schilder auf den Wildwechsel hinweisen. Vorsicht ist auch auf neuen Straßen durch Wald geboten, da die Tiere ihre angestammten Wege kaum ändern. Taucht Wild am Straßenrand auf, sollte man es durch Hupen aufmerksam machen, rät Grünewald. Scheinwerfer aufzublenden bewirke das Gegenteil: Das Licht verwirrt die Tiere und nimmt ihnen jede Orientierungsmöglichkeit.

(RP)
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