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Gartenserie: In Wersten ist Peru zum Greifen nah​

Gartenserie So grünt Düsseldorf : In Wersten ist Peru zum Greifen nah

Gemüse aus Südamerika macht den Garten von Klaus-Peter Heussler und Ana Gutierrez aus. Der Hobbygärtner gibt einen Einblick in die Arbeit von rund zwei Jahren.

Gepflegte Gemüsebeete sind inzwischen dort zu sehen, wo noch vor zwei Jahren Bauschutt, Müll und Brombeerranken dominierten. Seit 2020 hat Klaus-Peter Heussler das rund 600 Quadratmeter große Grundstück gepachtet. Seitdem haben der Informatiker und seine Frau Ana Gutierrez hier einiges vollbracht. „Und alles in Handarbeit. Einen Strom- oder Wasseranschluss haben wir hier nämlich nicht“, erzählt Heussler und vermutet, dass sich darum auch lange kein Pächter für die Fläche gefunden hat.

Er jedoch ist zufrieden damit. Eine kleine Hütte hat er sich gezimmert; alles ohne Leim und mit unbehandeltem Naturholz aufgebaut. So kann er alles wiederverwenden und bei Bedarf wieder abbauen. Über das Dach sammelt er Regenwasser in einem großen Wassertank. „Rund die Hälfte des benötigten Wassers muss ich aber mit hierher bringen“, erklärt Heussler. Mit einem Lastenrad transportiert er fünf Kanister mit insgesamt 100 Litern pro Fahrt. Einen Kilometer entfernt wohnt er in einem kleinen Reihenhaus. Dort gibt es auch einen kleinen Garten, aber es sei für viele Pflanzen zu schattig, um gut zu wachsen.

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Ein Schwerpunkt des Gartens liegt auf peruanischem Gemüse. Er selbst verbrachte zehn Jahre seiner Kindheit in dem südamerikanischen Land und Ana Gutierrez stammt von dort. „Wir lieben daher peruanisches Essen, aber einige Zutaten bekommen wir oft nur im Versandhandel“, erklärt er. Deshalb bauen die beiden schon seit rund fünf Jahren Chili selbst an. „Inzwischen wächst der so gut, dass wir ihn im Sommer frisch verwenden und für den Rest des Jahres einfrieren können.“

Im Kräuterbeet wächst neben Oregano und Koriander auch Muña, die peruanische Andenminze. Ein Beet weiter wachsen Kartoffeln. Auch diese Sorten sind eigentlich in Peru heimisch und blühen gerade mit zartvioletten Knospen. Weitere besondere Pflanzen aus Südamerika sind die Inkagurke, eine peruanische Kürbissorte und violetter Mais, den Heussler in diesem Jahr erstmals anbaut. „Es ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn man sein eigenes Gemüse ernten kann“, freut er sich schon.

Dahinter steckt jede Menge Arbeit. Der Kürbis beispielsweise lässt sich nur schwer befruchten. Weil er rankend wächst, kann es passieren, dass männliche und weibliche Blüten zu weit voneinander entfernt sind und sie nicht von Insekten bestäubt werden. Ana Gutierrez kümmert sich daher selbst darum: Die Blütenstempel werden von Hand aufeinandergepresst, nachdem die männliche Blüte abgebrochen wurde. Dann können die Insekten ihre Arbeit leichter und mit höherer Erfolgsquote durchführen.

Ein besonderer Teil des Gartens fällt auf den ersten Blick gar nicht so richtig auf: Direkt hinter dem kleinen Schuppen ist ein kleines Wäldchen. „Das war schon vorher so da. Ich darf es nicht fällen und auch nicht erweitern“, sagt Heussler. Das möchte er aber auch gar nicht. Die efeuumrankten Bäume bieten einen natürlich überdachten, schattigen Platz. Schmale Wege führen in den hinteren Teil des schmalen Gartens hinein. Dort findet sich eine kleine Blumenwiese, „da ist aber inzwischen mehr Unkraut als Blumenmischung“, sagt Heussler und lacht. Ganz am Ende des lang gestreckten Geländes hat er die wilde Brombeerhecke so belassen, wie er sie vorfand – und ihr eine Rankhilfe gebaut.

Fast alle Bauten auf dem Grundstück hat er mit Material gemacht, das er schon hier gefunden hat. „Die kleine Treppe hinter dem Tor ist aus Steinen, die ich im Bauschutt gefunden habe.“ Aus dem Holzschnitt macht er Rankstäbe für die Chilis. Alles, was er nicht verwenden kann, sammelt er auf kleinen Haufen, sodass Insekten und andere Tiere hier einen Lebensraum finden. „Wir haben auch etliche Marienkäfer hier. Darum gibt es keine Probleme mit Blattläusen.“ Sein eigener Kompost, den er durch den Rasenschnitt des Nachbarn und eigens dafür angebaute Lupinen gewinnt, nutzt er für seine Gemüsebeete als Humusschicht. Durch das Upcycling und den puristischen Anspruch muss er neben der Pacht kaum Geld in sein Gartenreich stecken.

„Es ist ein hervorragender Ausgleich für unsere Schreibtischarbeit“, sagt er. Die Pacht wird immer jährlich verlängert – und Klaus-Peter Heussler hofft, noch lange hierbleiben zu können, die Früchte seiner Arbeit zu genießen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein peruanisches Gemüsebeet in Wersten