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Ausflugstipps in NRW: Radtour von Kloster zu Kloster im Rhein-Kreis Neuss

Tipps für den Urlaub nebenan : Erst Kloster, dann Kuchen, und dann wieder Kloster – eine Radtour im Rhein-Kreis Neuss

Mit dem Rad geht es im Rhein-Kreis Neuss über 55 Kilometer zu drei Klöstern. Dort warten auf Besucher sakrale Architektur, besondere Gärten und Leckeres zur Rast. Ein Erfahrungsbericht unserer Autorin.

Als Freddie Mercury 1978 das Lied „Bicycle Race“ schrieb, ging es ihm weniger um das Fahrradfahren als sportliche Betätigung, sondern viel mehr um die damit verbundene Freiheit – ziemlich romantisch vom legendären Queen-Frontmann. Dabei ist eine Fahrradtour eine ernste Angelegenheit – zumindest, wenn man sich so wenig auskennt wie ich. Welch ein Glück, dass es Apps gibt, die den Weg weisen. Denn auch Mercury wusste: „Bicycle races are coming your way, so forget all your duties, oh yeah.“ Alle Pflichten soll ich im Sattel vergessen.

Das funktioniert, wenn man die richtige Route auswählt, Stationen zum Ausruhen und Innehalten einplant und – am allerwichtigsten – mit guter Verpflegung radelt. Meine Strecke startet am Neusser Hauptbahnhof und führt zu mehreren Klostern durch den Rhein-Kreis Neuss: über das Kloster Knechtsteden bei Dormagen, nach Grevenbroich zum Kloster Langwaden und das Nikolauskloster in Jüchen wieder zurück nach Neuss. 55,6 Kilometer gibt mir die App vor, knapp drei Stunden und 45 Minuten soll der Ausflug dauern – eine ordentliche Strecke. Der Rucksack ist vollgepackt mit geschmierten Broten, Keksen und Obst und genügend Wasser. Die App, die radfahrerfreundliche Straßen ausweist, führt vom Hauptbahnhof entlang am Alten Stadtgarten über die Bergheimer Straße. Deren Verlauf folge ich für mehrere Kilometer, bis ich die Stadt hinter mir lasse und mich zwischen grünen Feldern wiederfinde. Die Stimme der App sagt „noch 2,9 Kilometer“, was ein Wohlklang ist: Nicht weil mir schon die Puste ausgeht, sondern ich nicht mehr alle 50 Meter höre, ich müsse bald halb-rechts abbiegen. Schnell gewöhne ich mich aber an die sekundengenauen Angaben und habe keine Sorge, mich zu verfahren.

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Über die Landstraße durch die Örtchen Speck, Wehl und Gohr erreiche ich nach knapp 19 Kilometern hinter einem Waldstück gelegen mein erstes Ziel: das Kloster Knechtsteden in Dormagen. Idyllisch und ruhig liegt das Missionshaus des Spiritanerordens. Ein Spaziergang über das gesamte Gelände lohnt sich. Herausgeputzt steht die im romanischen Stil errichtete Stiftskirche da. In zwei Abschnitten wurde sie erbaut, von 1138 bis 1151 und dann weiter zwischen 1151 und 1181. Inmitten des zweiten Abschnitts ist auch das wertvolle Christus-Fresko in der Westapsis fertiggestellt worden. Der Klosterhof vor der Klosteranlage mit Biergarten und kühlen Getränken ist Mittwoch bis Sonntag ab 12 Uhr geöffnet. Hier besonders: Das „Knechtstedener Schwarze“, ein exklusiv durch den Klosterhof vertriebenes Schwarzbier.

Dann geht es weiter. Um nicht über die viel befahrene Hauptstraße fahren zu müssen, führt mich die App ein kurzes Stück zurück durch den Wald, aus dem ich hergekommen war. Es folgen Land- und Feldwege zwischen Getreide- und Obstfeldern. Einige Höhenmeter muss ich auf diesem Stück bezwingen. Also ist zwischenzeitlich kräftiges Strampeln angesagt.

Der nächste Zwischenstopp ist das Grevenbroicher Kloster Langwaden mit prächtiger Grünanlage. Fast zwölf Kilometer vom Kloster Knechtsteden entfernt liegt das Kloster, das vom Orden der Zistersiener bewohnt wird, hier und da huscht ein Glaubensbruder in Kutte über die Anlage. Für Besucher ist die von einem französischen Diplomaten angelegte Grünanlage zugänglich – allerdings nur teilweise. Weitere Bereiche des Parks werden von den Mönchen als Nutzgärten verwendet. Im Biergarten direkt vor dem Kloster werden saisonale Gerichte serviert sowie das hauseigene Klosterbräu. Für die besondere Überraschung gibt es hier jeden Tag einen wechselnden Mittagstisch. Geöffnet ist von 11.30 bis 22 Uhr (dienstags und donnerstags nur bis 15 Uhr, Montags ist Ruhetag).

 Das Kloster Langwaden in Grevenbroich ist ein beliebtes Ziel für Radfahrer.
Das Kloster Langwaden in Grevenbroich ist ein beliebtes Ziel für Radfahrer. Foto: Melanie Zanin

Die Weiterfahrt führt durch Tüschenbroich, über Feldwege und durch das Örtchen Damm. Nach knapp zehn Kilometern erreichte ich das kleinste der drei Klöster, das Nikolauskloster bei Jüchen. Der Oblatenorden ist dort seit 1905 heimisch. Und wie es so kommen musste, fängt es an zu regnen. Zum Glück finde ich einen Ort zum Unterstellen, bis das Schlimmste vorüber ist. Im Kloster oder – wenn das Wetter mitspielt – davor auf einer Terrasse vor dem weitläufigen Grün der Klosteranlage gibt es von Donnerstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr Kaffee und selbst gebackenen Kuchen für Radfahrer und Wanderer. Ein besonderes Andenken ist der prämierte Klosterhonig, den Imker Ulrich Reipen in der hauseigenen Klosterimkerei herstellt.

 Der Letzte Stopp: das Nikolauskloster in Jüchen.
Der Letzte Stopp: das Nikolauskloster in Jüchen. Foto: Melanie Zanin

Nun heißt es zurück nach Neuss. Zwar ohne Sonnenbrand, aber leicht nass beende ich die Radtour, auch mit dem Gefühl, zur Ruhe gekommen zu sein und den Alltag und meine Pflichten nach meinem „Bicycle Race“ eine Weile hinter mir gelassen zu haben.