Älteste Kneipe Hildens Kleines Haus ganz groß

Serie | Hilden · Das „Hochhaus“ ist Hildens älteste Kneipe. Seit jeher ist das urige Gasthaus bei Alt und Jung beliebt – allen gesellschaftlichen Wandlungen zum Trotz. Was macht seinen Reiz aus?

Das "Hochhaus" in Hilden hat eine lange Geschichte
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Das „Hochhaus“ in Hilden blickt auf bewegte Zeiten zurück

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Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Irgendwie ist das „Hochhaus“ schon von außen eine Einrichtung zum Liebhaben. Klein, schnuckelig und kompakt steht das weiß getünchte Haus mit den hellblauen Fensterläden an der Walder Straße. Dezente Bierwerbung und ein Schild Richtung Biergarten weisen auf seine Bestimmung hin, die es seit 1853 erfüllt. So, wie das „Hochhaus“ in seiner baulichen Umgebung etwas aus dem Rahmen fällt, ist auch die Institution Kneipe in letzter Zeit mehr und mehr in Bedrängnis geraten. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz: Das „Hochhaus“ steht noch, und es wird stehen bleiben. Verantwortlich dafür ist – neben einer treuen Stammkundschaft – derzeit in erster Linie ein Mann. Gastwirt Frank Becker, der das Geschäft seit Februar vergangenen Jahres führt.

Seitdem hat er hier und da ein paar Stellschrauben gedreht: ein neuer Gastraum hier, ein paar warme Speisen dort. Doch das grundlegende Erfolgsrezept des „Hochhaus“ ist seit Jahrzehnten dasselbe: die gute, alte Kneipengemütlichkeit. Wer hierhin kommt, für den gibt es nicht nur das Feierabendbierchen, sondern vor allem gute Gesellschaft. Und die ist auch noch schön durchmischt. Hierhin kommt ebenso eine ältere Klientel wie Zwanzigjährige.

Frank Becker kennt die meisten seiner Gäste. Er beschreibt das fröhliche Treiben in seinem Lokal: „Im ,Hochhaus‘ steht man an der Theke und trinkt sein Bierchen. Man spielt Skat oder knobelt. Man führt lustige Gespräche oder erlebt Live-Musik.“ Eng und gemütlich geht es zu in der Kneipe, die innen Platz für 60, im Außenbereich für weitere 35 Gäste bietet. Frank Becker zählt fünf bis sechs Stammtische mit jeweils bis zu zehn Mitgliedern, die im „Hochhaus“ beheimatet sind. Ein separater Raum steht Vereinen und anderen Gruppierungen zur Verfügung, die dort in behaglicher Atmosphäre ihre Besprechungen abhalten können. Einen Ritterschlag erhielt das „Hochhaus“ in diesem Jahr, als es dem Hildener Prinzenpaar als Stammquartier diente.

Bei der Gewissensfrage „Helles oder Dunkles?“ gibt sich das „Hochhaus“ salomonisch und verzapft ebenso Altbier (Bolten, Füchsen) wie Pils (Krombacher, Flensburger). Darüber hinaus gibt es in regelmäßigen Abständen meist unter der Woche „bierbegleitende Speisen“. Die müssen sehr gefragt sein, denn in den Sozialen Medien (facebook.com/hochhausfrank) kündigt Becker sie an und bittet um Voranmeldung. Diese Woche Mittwoch zum Beispiel: Schnitzel „Wiener Art“ oder Jägerschnitzel in selbst gemachter Sauce mit Pommes und Salat. Der moderate Preis: 15,50 Euro. An anderen Tagen gab es Currywurst mit Pommes für 7,20 Euro oder Gyros Pita für 4,50 Euro.

Geöffnet hat das „Hochhaus“ montags bis samstags ab 17 Uhr, mittwochs sogar ab 11 Uhr. Und besondere Anlässe verlangen nach besonderen Aktionen. So hatte das „Hochhaus“ am vergangenen Vatertag bereits ab 11 Uhr mit einer Grillparty im Terrassenbereich geöffnet. Nackensteaks, Krakauer, selbstgemachte Salate, dazu als Special unter anderem: 1 Meter (= 10 Gläser) Bolten für 14 Euro. An Samstagen treten des öfteren DJs oder regionale Bands auf, die die Bereiche Schlager, Rock oder Soul abdecken – ohne, dass die Gäste dafür extra Eintritt bezahlen müssten. An solchen Tagen braucht Frank Becker die Unterstützung von einem oder zwei Mitarbeitern. Personalsorgen hat er – eine Seltenheit in der Gastronomie – aktuell keine.

Bei rechtzeitiger Anmeldung können für einen Tag geschlossene Gesellschaften das „Hochhaus“ mieten. Auf Wunsch übernimmt Frank Becker dann auch das Catering. Diese Termine, die oft auf einen Samstag fallen, werden rechtzeitig kommuniziert und sollen nicht öfter als ein- bis zweimal pro Monat stattfinden, um die Stammgäste nicht zu vergraulen. Schwer genug hat es das „Hochhaus“ ohnehin schon aufgrund seiner Lage außerhalb der Innenstadt, die wenig Laufpublikum mit sich bringt.

„Wir sind stolz, dass wir diesen Standort traditionsgemäß weiterführen. Das ,Hochhaus‘ läuft sehr gut“, stellt Becker fest. Er beklagt das Kneipensterben ringsherum und nennt das Rauchverbot, rückläufigen Alkoholkonsum sowie die Pandemie als mögliche Ursachen. Dabei sei die Kneipe als zentraler Kommunikationsort so wichtig: „Es ist alles ein bisschen dunkel, die Möbel sind alt – aber man fühlt sich zu Hause.“

Gibt es eine besondere Geschichte, die sich im „Hochhaus“ zugetragen hat? Becker lacht: „Was im ,Hochhaus‘ passiert, das bleibt im ,Hochhaus’“. Eine von wohl unzähligen Begebenheiten dann doch: „Ein Freund von mir aus dem Erzgebirge hat seiner Freundin hier an Silvester einen Heiratsantrag gemacht. Die beiden sind immer noch verheiratet und wohnen in seiner Heimat. Wenn sie in Hilden zu Besuch sind, schauen sie auch im ,Hochhaus‘ vorbei.“

Frank Becker betreibt seit 2023 das „Hochhaus“. Für die Zukunft der Kultkneipe ist er optimistisch.

Frank Becker betreibt seit 2023 das „Hochhaus“. Für die Zukunft der Kultkneipe ist er optimistisch.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Selbst langjähriger Stammgast, übernahm Becker die Leitung von seinen Schwiegereltern Chris und Richi Günter, die eine Ära prägten und – mit einer Pause von 2014 bis 2019 – im „Hochhaus“ seit 1981 hinter dem Tresen standen. Die beiden sind natürlich auch nach ihrem Ausscheiden als Gastwirte gern gesehene Gäste. Und sie haben etwas mit der letzten offenen Frage zu tun: Woher stammt der merkwürdige Name der Kneipe? Frank Becker: „Den haben sich meine Schwiegereltern ausgedacht, als sie das Lokal 1981 übernommen haben: eine selbstironische Bezeichnung, weil man bei diesem Haus sozusagen aus der Dachrinne trinken kann.“

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