Gastronomie in Dormagen Gaststätten im Wandel der Zeit

Dormagen · Die Gastronomie hat sich vor allem im letzten Jahrhundert stark verändert. Wir werfen einen Blick in die Geschichte und schauen, welche Gaststätten es früher in Dormagen gab und was von ihnen geblieben ist.

 Der Gertrudenhof an der Hauptstraße in Dormagen wurde ehemals von Anton Pesch betrieben und hieß auch so. Er wurde abgerissen, als die Kölner Straße zur Fußgängerzone umgestaltet wurde.

Der Gertrudenhof an der Hauptstraße in Dormagen wurde ehemals von Anton Pesch betrieben und hieß auch so. Er wurde abgerissen, als die Kölner Straße zur Fußgängerzone umgestaltet wurde.

Foto: E. Breimann

In vielen Orten gibt es sie nicht mehr: die Kneipe oder das Wirtshaus, in dem sich die Dorfbewohner versammeln. Früher – selbst vor mehr als hundert Jahren – gab es kaum eine Gemeinde, egal wie klein sie war, ohne eine „Kneipe“. Mindestens eine solche, vielerorts aber auch eine „Restauration“ gehörte zu jedem Ort so selbstverständlich wie die Kirche im Dorf. Und oft genug lag dann dieses „Wirtshaus“ sehr nahe beim Gotteshaus – so wie der Dormagener „Gasthof Zur Krone“, der gegenüber von St. Michael lag. Das war auch für die frommen Messebesucher sehr praktisch, weil sie nach dem abschließenden Segen direkt zum sonntäglichen Frühschoppen eilen konnten – natürlich nur die Männer, versteht sich.

Im Laufe der Jahrhunderte – und besonders in den letzten Jahrzehnten – gab es in der Gastronomie immer wieder einen Wandel, der die Funktion dieser Betriebe teilweise gravierend veränderte. Manche Gastronomiebetriebe verschwanden, einige erinnern bis heute durch ihre historischen, sogar denkmalgeschützten Gebäude. Auch die Bezeichnungen veränderten sich: Aus einer „Restauration“ – wie bei der Ückerather „Restauration Zur Waidmannsruh“ – wurde später ein „Restaurant“, aus einer „Gastwirtschaft“ wurde verkürzt eine „Wirtschaft“. Locker, flockig wurde dann die „Wirtschaft“ zum „Lokal“ und irgendwann, wenn die Jugend im Ort für ihre Events diese „Wirtschaft“ erobert hatte, wurde sie zur „Kneipe“. Und die beim Abrocken besonders beliebten Kneipen, die wurden sogar zur „Kultkneipe“.

 Noch einmal der Gertrudenhof, der zwischenzeitlich Gasthof „Zum Rathaus“ genannt wurde.

Noch einmal der Gertrudenhof, der zwischenzeitlich Gasthof „Zum Rathaus“ genannt wurde.

Foto: E. Breimann

Im 19. und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Betriebe mit dem Namen des Eigentümers verbunden. So hieß etwa der Vorgänger vom Dormagener Ratskeller „Gasthof Nussbaum“, nach dem Eigentümer Heinrich Nussbaum. Genau so war es mit dem Gasthaus am südlichen Dormagener Dorfeingang, das im Besitz von Settchen und Nettchen Lommertz war und somit „Gasthof v. Geschw. Lommertz“ hieß. Nach dem Besitzerwechsel zu Peter Schnorrenberg im Jahre 1931 wurde es selbstverständlich in „Gasthof Schnorrenberg“ umgetauft.

 Die Gaststätte „Dünnwald“ lag etwa gegenüber der „Alten POst“. Im 19. Jahrhundert war sie der kulturelle Mittelpunkt von Dormagen.

Die Gaststätte „Dünnwald“ lag etwa gegenüber der „Alten POst“. Im 19. Jahrhundert war sie der kulturelle Mittelpunkt von Dormagen.

Foto: E. Breimann

Die Gastronomie spielte im 19. Jahrhundert also eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen Leben von Dormagen. Die zahlreichen Gasthäuser und Restaurants waren nicht nur Orte der Verpflegung, oder des Bierkonsums, sondern auch der Begegnung und Geselligkeit und wurden während der Industrialisierung im 20. Jahrhundert auch zu wichtigen Treffpunkten für Geschäftsleute, Durchreisende, Kunden, Arbeiter und Handwerker. Oft wurde auch gefeiert, getanzt und gegessen - und das bis spät in die Nacht hinein.

Im Restaurant „Zur Traube“, das diese Postkarte aus dem Jahr 1911 zeigt, wurde tatsächlich Wein angebaut.

Im Restaurant „Zur Traube“, das diese Postkarte aus dem Jahr 1911 zeigt, wurde tatsächlich Wein angebaut.

Foto: E. Breimann

Die Dormagener Jugend traf sich an den Wochenenden auf den Tanzböden bei „Throns“ und „Siemes“, der Gaststätte „Zum Gambrinus“ – später „Päfgen“, bei „Dünnwald“ oder bei „Meisens Püff“ und seiner Gaststätte „Zur Krone“. Da spielte an den Wochenenden die „Dorfmusik-Kapelle“, natürlich von den Gastwirten engagiert, denn damit zog man ja die Gäste an.

In allen Ortsteilen gab es solche Gaststätten. Dormagen selbst war ein „Straßendorf“, ohne die vielen heutigen Nebenstraßen. Die Zahl der Gastronomiebetriebe, die sich an der Hauptstraße, der heutigen Kölner Straße, und der Neußer Straße, der heutigen Krefelder Straße, befanden, war schon erstaunlich. Etliche von ihnen sind verschwunden, manche sind unter neuem Namen und in anderer Art und Weise noch da, wie etwa der„Gasthof zur Krone“, der nun als Kultkneipe „Street Live“ existiert. Jetzt ganz anders genutzt werden die Gebäude des „Em Stüffge" an der Kölner- und des „Römerkrug“ an der Krefelder Straße.

Gänzlich verschwunden sind etwa die ehemalige „Gaststätte Dünnwald“, genauso wie die „Gaststätte Gertrudenhof“, oder das Gasthaus „Im Lämmchen“ – Geburtshaus von Johann Peter Delhoven –, alle an der damaligen Hauptstraße gelegen. Auch der Wandel zur Kultkneipe war keine Garantie für das Überleben. Das „Restaurant zur Traube" stand damals an der „Unteren Dorfstraße“, der heutigen Krefelder Straße, Haus-Nr. 44. Daraus wurde 1979 "Auras Pinte", die Ende der 1980er Jahre geschlossen wurde.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort