Früchte Krings in Wermelskirchen Der Großhändler, dem die Gastronomen vertrauen

Serie | Wermelskirchen · 22 Jahre lang war Früchte Krings für die Wermelskirchener die erste Adresse, wenn es um frisches Obst und Gemüse ging – bis der Familienbetrieb 2006 sein Stammgeschäft aufgab und sich auf Restaurants als Kunden konzentrierte.

 Matthias Krings hat vor 20 Jahren den Familienbetrieb als Geschäftsführer von seinem Vater übernommen.

Matthias Krings hat vor 20 Jahren den Familienbetrieb als Geschäftsführer von seinem Vater übernommen.

Foto: Guido Radtke

200 Quadratmeter groß war das 1984 eröffnete Ladenlokal an der Kölner Straße 4, das die Älteren in Wermelskirchen in guter Erinnerung behalten haben. „Hier habe ich früher immer mein Obst und Gemüse gekauft“, bekommt Matthias Krings oft zu hören. Und meist wird bedauert, dass es das Geschäft von „Früchte Krings“ nicht mehr gebe. Und der Geschäftsführer des Familienbetriebs stellt sich dann die rhetorische Frage: „Wenn alle bekunden, dass sie damals regelmäßig bei uns eingekauft haben, warum haben wir uns dann für die Aufgabe des Ladenlokals entscheiden müssen?“

2006 wurde das Stammgeschäft geschlossen – zwei Jahre, nachdem Matthias Krings das Unternehmen als Geschäftsführer von seinem Vater übernommen hatte. „Der Einzelhandel verlagerte sich immer mehr in Richtung Supermärkte und Discounter“, blickt der 44-Jährige zurück. Die damalige „Kaufpark“-Filiale am heutigen „Woolworth“-Standort an der Kölner Straße oder der heutige „Rewe“-Vollsortimenter an der Viktoriastraße zog Kunden in so großer Zahl ab, dass die Umsätze deutlich zurückgingen.

Parallel aber vertrauten in Wermelskirchen schon damals die ersten Gastronomen auf die Qualität und den Service von „Früchte Krings“ und ließen sich mit frischer Ware für ihre Küchen beliefern. Das Café Wild oder das Hotel-Restaurant „Zur Eich“ zählten zu den Kunden der ersten Stunde. „Zunächst kam die Gastro auf uns zu“, erzählt Matthias Krings. Die kontinuierlich wachsende Nachfrage eines zuverlässigen Lieferservice-Angebotes machte aus einem Einzelhändler einen Fachgroßhändler, der heute rund 200 Kunden beliefert – bis nach Bergisch-Gladbach, Wuppertal, Solingen oder Köln.

 18 Mitarbeiter arbeiten am Firmensitz, der eher unscheinbar zwischen Grünestraße und Friedrichstraße gelegen ist.

18 Mitarbeiter arbeiten am Firmensitz, der eher unscheinbar zwischen Grünestraße und Friedrichstraße gelegen ist.

Foto: Guido Radtke

Im Durchschnitt werden von montags bis samstags täglich mit vier Fahrzeugen acht bis zehn Tonnen an Obst und Gemüse ausgeliefert. Im Fokus: die gehobene Gastronomie bis Sterne-Restaurants. In Wermelskirchen vertrauen neben dem Café Wild das Hotel-Restaurant „Zum Schwanen“, die „Rausmühle“ oder Daum und Eickhorn auf die Dienste des Unternehmens mit dem eher unscheinbaren Sitz zwischen Friedrichstraße und Grünestraße. Auch das Heldmann-Restaurant in Remscheid oder der „Altenberger Hof“ in Odenthal verlassen sich auf „Früchte Krings“. Bis zur jeweiligen Geschäftsaufgabe kamen Bestellungen auch aus dem „Spatzenhof“ in Wermelskirchen oder dem „Pfaffenberg“ in Solingen.

„Die Gastrobetriebe brauchen uns sechsmal die Woche“, sagt Matthias Krings. „Manchmal auch an Sonn- oder Feiertagen nach unerwartet hohen Nachfragen in einem der Restaurants.“ Die Notfall-Bestellungen stellt der Chef dann oft selbst zusammen und fährt sie aus. „Unser großer Vorteil ist der enge Kontakt zu den Kunden, den ein Großmarkt nicht bieten kann“. Bis 2020 gab es einen telefonischen 24-Stunden-Bestelldienst, der inzwischen fast komplett von einer Handy-App abgelöst worden ist. „Auch wenn es die Bearbeitung erleichtert, trauert ein Teil der Belegschaft der Leidenschaft und dem engen Kontakt nach, mit dem früher in der Gastronomie gearbeitet wurde“, erklärt der ausgebildete Großhandelskaufmann.

Über die vielen Jahre ist ein großes Netzwerk gewachsen, über das das Obst- und Gemüse beschafft wird. In den vergangenen Jahren wurde das regionale Geschäft verstärkt. „Die größte Herausforderung ist jeden Tag, in der Taktung und in der Frische alle Bestellungen parat zu haben“, sagt Krings. Dabei reiche es nicht, Standardware wie Kartoffeln, Tomaten oder Paprika auf Lager zu haben, sondern auch saisonale Spezialitäten wie derzeit Spargel oder Erdbeeren in ausreichender Menge. „Die beste Ware ist die, die morgens reinkommt und direkt wieder das Lager verlässt“, lautet das Geschäftsprinzip.

 Eine Bestellung für einen der rund 200 Kunden in der Region wird zum Transport vorbereitet.

Eine Bestellung für einen der rund 200 Kunden in der Region wird zum Transport vorbereitet.

Foto: Guido Radtke

Gearbeitet wird bei „Früchte Krings“ im Schwerpunkt nachts und am frühen Morgen, wenn die Lieferungen vorbereitet und ausgefahren werden. So liefert ein Blick in die fast leeren Regale bei einem Besuch zur Mittagsstunde ein eher trostloses Bild. „Alles auf dem Weg zum Kunden – so wie es im optimalen Fall sein soll“, verrät Matthias Krings.

Etwas anders sieht es in einem weiteren Bereich der Kühlhäuser aus. Hier lagern mehrere Tonnen an Nüssen und Trockenfrüchten. Ware, die von Wermelskirchen aus deutschlandweit an Großkunden wie die Supermarkt-Ketten „Edeka“ oder „Hit“ geliefert wird und in den Filialen in offenen Snackbars zum Verkauf angeboten wird. 2006 wurde die Firma „Sunnyday“ als zweites Standbein von „Früchte Krings“ gegründet.

„Corona bedeutete hier einen extremen Dämpfer.“ Von heute auf morgen sei das Geschäft eingebrochen. „So langsam wacht es aber wieder auf“, sagt Matthias Krings, der im Übrigen am Eröffnungstag des neuen „Hit“-Marktes am Loches-Platz einen Aktionsstand plant und sich als Wermelskirchener Unternehmen präsentieren will.

Womöglich bekommt er an diesem Tag wieder häufig zu hören, dass das Angebot von „Früchte Krings“ vermisst werde. Einen erneute Rückkehr nach einem zwischenzeitlichen Exkurs in den Einzelhandel von 2014 bis 2018 mit Geschäften in der Telegrafenpassage beziehungsweise Kölner Straße 33 schließt Matthias Krings zum jetzigen Zeitpunkt jedoch aus.

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