Lebensmittel retten So funktioniert „Too good to go“ im Erkelenzer Land

Erkelenzer Land · Wege, um die Lebensmittelverschwendung zu minimieren, gibt es viele. Einer ist die App „Too good to go“. Dort können Restaurants und Bäckereien Essen zu einem niedrigen Preis anbieten, das sonst in der Tonne gelandet wäre. Wir haben den Test gemacht.

Die Mitarbeiterinnen der Kantine im Erkelenzer Finanzamt meinten es gut mit uns.

Die Mitarbeiterinnen der Kantine im Erkelenzer Finanzamt meinten es gut mit uns.

Foto: Marvin Wibbeke

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel – so viel landet in der Bundesrepublik Deutschland pro Jahr im Müll. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2020 hervor. Wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf seiner Website mitteilt, stammt der größte Anteil aus den privaten Haushalten, insgesamt werden rund 78 Kilogramm pro Person und Jahr in den Privathaushalten weggeworfen, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Doch auch in Restaurants und in Supermärkten fällt am Ende eines jeden Tages viel Essen an, das nicht mehr verkauft werden kann. Und oftmals handelt es sich dabei um Lebensmittel, die man noch gut und gerne essen könnte, die aber entsorgt werden müssten, weil sie am nächsten Tag nicht mehr hätten verkauft werden dürfen oder weil sie den Ansprüchen der Kundschaft nicht mehr genügen. Wege, um derartige Lebensmittelverschwendung einzudämmen, gibt es zahlreiche. Viele Märkte oder Gastronomiebetriebe spenden übrig gebliebene Lebensmittel an karitative Einrichtungen oder an die Tafel.

Doch auch über das Internet kann jeder einen Teil dazu beitragen, solche Lebensmittel auf den Teller statt in die Tonne wandern zu lassen, beispielsweise über die App „Too good to go“, was frei übersetzt soviel wie „Zu schade zum Wegwerfen“ bedeutet. Ursprünglich kommt diese App aus Kopenhagen in Dänemark, inzwischen ist sie in 17 Ländern in Europa und Nordamerika aktiv. „Das Ziel war eine App, die Lebensmittelunternehmen mit Konsumenten verbindet und Menschen so den Zugang zu guten Lebensmitteln zu einem ermäßigten Preis und mit einem positiven Effekt auf das Klima ermöglicht“, schreibt das Unternehmen auf der Homepage.

Das Herunterladen der App und das Registrieren sind kostenlos. Privatpersonen können auf der Plattform sehen, welche Restaurants und anderen Anbieter in ihrer Nähe übrig gebliebene Lebensmittel anbieten. Dabei handelt es sich stets um Überraschungspakete, die in einem festgelegten Zeitraum zu einem kleinen Preis abgeholt werden können. Manche Anbieter bitten darum, eine Dose dafür mitzubringen, andere stellen Verpackungen zur Verfügung. Durch diese Plattform erhalten die Betriebe noch etwas Geld für Lebensmittel, die sonst in der Tonne gelandet wären, und tragen so mit dazu bei, weniger Lebensmittel zu verschwenden. Die Kunden erhalten so für kleines Geld Essen, das eigentlich deutlich mehr kosten würde – sie wissen aber nicht, was genau sie erhalten.

Wir haben in Erkelenz und Umgebung den Test gemacht. Zunächst fällt auf, dass das Angebot in der ländlichen Region deutlich abgespeckter ist als in Großstädten wie etwa in Düsseldorf, wo sich unzählige Restaurants an dem Projekt beteiligen. Trotzdem ist es möglich, auch im Erkelenzer Land Lebensmittel zu retten.

Einige Tankstellen, die auch ein Angebot an Backwaren im Sortiment haben, sind auf dieser Plattform gelistet. Bei der Aral-Tankstelle an der Roermonder Straße in Hückelhoven bekommen wir in den Abendstunden für 3,50 Euro eine Tüte im Warenwert von 11 bis 12 Euro. Dort sind mehrere belegte Brötchen und Baguettes enthalten, dazu ein Croissant und eine Geflügelrolle in Blätterteig. Das mag vielleicht nicht unbedingt jedermanns Geschmack treffen, doch die Menge und Vielfalt überzeugen für den Preis allemal, sodass eigentlich für jeden was dabei sein dürfte. Für eine Person ist die Tüte mit den geretteten Backwaren für einen Abend aber schon zu viel. Die Angebote bei den Tankstellen sind oft auch noch kurzfristig am selben Tag buchbar.

Deutlich schneller muss man sein, wenn man das kleine Angebot der Kantine des Erkelenzer Finanzamts wahrnehmen möchte. Die „Überraschungstüte vom Buffet“, die in der App beschrieben wird, ist stets binnen weniger Augenblicke ausgebucht. Einmal haben wir es aber auch geschafft und sind mit mitgebrachten Dosen zum Finanzamt spaziert. Dort meinten es die Servicekräfte mehr als gut mit uns und füllten die Dosen randvoll mit Reis, Gemüse und vegetarischen sowie Schweineschnitzeln. Für gerade einmal 4 Euro konnte die an diesem Tag dreiköpfige Redaktionsbesetzung ein leckeres und reichhaltiges Mittagessen genießen, wobei noch eine Menge Reis und Gemüse für den Abend übrig geblieben ist.

Das China-Restaurant Wan Hao in Erkelenz, das für sein reichhaltiges All-you-can-eat-Buffet bekannt ist, ist eines der wenigen Restaurants im Erkelenzer Land, das sich ebenfalls auf der Plattform registriert hat. Sowohl eine Mittagstüte bietet Wan Hao an als auch eine Abendtüte. Letztere ist wegen der späten Abholzeit um 22 Uhr wahrscheinlich weniger beliebt als die Tüte am Mittag. In der abgeholten Überraschungsbox warteten neben Pommes frites auch zahlreiche verschiedene frittierte Fleisch-Angebote vom Buffet. Alles ganz lecker, doch wer auf etwas Gesundes wie Gemüse gehofft hat, wird hier enttäuscht. Trotzdem vom Preis-Leistungs-Verhältnis wie überall anders auch eine gute Wahl.

 Belegte Brötchen, ein Croissant und eine Geflügelrolle in Blätterteig gab es in der Aral-Überraschungstüte.

Belegte Brötchen, ein Croissant und eine Geflügelrolle in Blätterteig gab es in der Aral-Überraschungstüte.

Foto: Marvin Wibbeke
Pommes frites und frittiertes Fleisch vom Buffet gab es bei Wan Hao.

Pommes frites und frittiertes Fleisch vom Buffet gab es bei Wan Hao.

Foto: Marvin Wibbeke

Es gibt auch Läden, die dort ihre Waren anbieten, bei denen es sich nicht um schnell verderbliche oder bereits zubereitete Lebensmittel, sondern um verpackte und eingeschweißte Leckereien handelt. So zum Beispiel Bepi’s Candy World aus Wegberg, wo in unserer Tüte alle enthaltenen Chips und Süßigkeiten bereits das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hatten.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort