Prowein in Düsseldorf 2019: Neue Trends im Glas

Messe ProWein in Düsseldorf: Wein wird lässiger

Ab Sonntag trifft sich bei der Fachmesse ProWein in Düsseldorf die Weinwelt. Dabei geht es um den neuen Jahrgang, aber auch um neue Trends. Die Wein-Szene ist jung wie nie.

Das hätte es noch vor wenigen Jahren niemals gegeben: Dass der Sommelier in einem schicken Restaurant nicht nur bunt tätowiert ist, sondern auch noch in coolen Turnschuhen zum Gast kommt. Kein schwarzer Anzug, kein weißes Hemd, keine Krawatte. „Ist heute alles möglich“, weiß Nils Lackner. Der Sommelier, Wein-Berater und Moderator mit Wohnsitz auf Sylt reist durch ganz Deutschland, um selbst auf unkomplizierte Art und Weise vor Porsche-Besitzern, Reiseagenten oder Hoteldirektoren über Wein oder Champagner zu reden. Seine Kompetenz spricht ihm dabei niemand ab, der ihm einmal zugehört hat. Wein sei zum Lifestyle-Produkt geworden, hat Lackner beobachtet. „Wein wird nicht mehr als elitär angesehen, sondern wird immer lässiger.“ Damit meint er eine neue Winzer-Generation, aber auch Endverbraucher.

Die junge Generation  Einer der jungen deutschen Winzer, der erst seit 2012 ein eigenes Weingut hat, ist Olli Six (32). Er hat mit 2500 Flaschen und weniger als einem Hektar Anbaufläche im ersten Jahr angefangen, jetzt sind es vier Hektar und zehnmal so viele Flaschen. Der Franke tritt leger in Jeans und Karohemd mit Käppi auf dem Kopf auf, spricht die gleiche Sprache wie seine junge Zielgruppe und erzählt keinen Schwurbelkram über filigranen Wein, seine blumigen Aromen oder herbe Abgänge. „Ich bin selbst ein lockerer Typ, und das kommt an“, beschreibt er sich. Groß Werbung muss er gar nicht machen.

Seine Weine finden über Mund-zu-Mund-Propaganda neue Käufer, viele Gastronomen sind bereits auf ihn aufmerksam geworden. Soziale Medien helfen auf alle Fälle, das bestätigt auch Nils Lackner, mit dem Six ebenfalls zusammenarbeitet. Nur ein Beispiel: Sommelier Toni Askitis aus Düsseldorf betreibt einen eigenen Instagram-Account, auf dem er abends live mit einem Winzer, der bei sich im Weingut sitzt, Fragen der Weinfreunde beantwortet. Und den Wein verkostet natürlich. Askitis Credo: „Wein ist unkompliziert.“

Festivals Junge Endverbraucher sind auch Zielgruppe der zahlreichen Wein-Festivals, die in vielen Städten stattfinden. Martin Schäfer organisiert sie zum Beispiel in Nürnberg, Bonn und Düsseldorf. Das nächste Wine-and-Taste-Festival findet am 29. und 30. März im Boui-Boui Bilk und seinem Industrie-Ambiente statt. Mit Streetfood, urbaner Musik und in entspannter Atmosphäre will Schäfer seinen mehreren tausend Besuchern keine große Hemmschwelle setzen. „Wir machen auch Einsteigerseminare, für die die Leute überhaupt keine Ahnung haben müssen und in denen sie wirklich alles fragen können.“ Oft sei ja schon die Wortwahl entscheidend, ob man junge Leute gewinnt. Das bestätigt Peer Holm, Präsident der Sommelier-Union. „Ein Riesling, der Ching-Chang-Chong heißt, verkauft sich besser als ein schlichter Grauburgunder.“ Heute müsse man als Winzer einfach mehr bieten als Muschelkalk, Lößboden und Schiefergestein. Die Kunden würden mehr wissen wollen, freuen sich über Geschichten und Anekdoten aus dem Weingut. „Das Storytelling ist wichtig geworden.“

Trends im Glas Bei der Weinmesse und den vielen Veranstaltungen, die drumherum in der Region stattfinden, werden auch immer mal wieder neue Weine, neue Rebsorten, neue Anbaugebiete vorgestellt. In diesem Jahr  sind zum Beispiel Weine aus osteuropäischen Ländern wie Slowenien, Tschechien oder Ungarn gefragt, sagt Weinhändler Klaus  Wählen aus Düsseldorf. Beispiel: Die slowenische Rebsorte Zelen aus Slowenien begeistere gerade, weil sie fruchtbetonte Weine hervorbringe. Sie gilt – ähnlich wie Furmint in Ungarn – als so genannte autochthone Rebsorte, also eine einheimische Frucht, die nur dort wächst. Fruchtige Weine passen sowieso gerade in den Zeitgeist-Geschmack, sagt Dorina Sill aus der Eiskellerbar in der Düsseldorfer Altstadt. „Zurzeit sind vor allem gereifte Rieslinge gefragt, die nicht mehr knalltrocken sind, sondern eher Restsüße haben.“ Dazu passt ein weiterer Trend: „Rosé ist zu einem Ganzjahreswein geworden“, hat  Sill beobachtet. Vor allem Rosé-Weine, die kräftig ausgebaut sind, seien auch im Winter und nicht nur als leichter Sommerwein gefragt.

Der passende Wein Und wie findet man nun genau den Wein, der einem schmeckt? Auch da hat Experte Peer Holm von der Sommelier-Union eine eindeutige Antwort: „Viel trinken, immer wieder probieren, sich im Fachhandel beraten lassen.“ Man könne sich noch so viel theoretisch über Wein informieren: „Lesen hilft nicht, aber trinken schon.“

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