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Messe Jagd & Hund 2019 in Dortmund: Mehr Frauen gehen auf die Jagd

Messe Jagd & Hund in Dortmund : Die Jagd wird weiblich

Immer mehr Frauen gehen auf die Pirsch. Der Grund: Nirgendwo ist die Natur näher und der Kontakt zum Hund enger. Und: Wildbret ist als echtes Bio-Fleisch beliebter denn je. Auf der Messe Jagd & Hund, die am Dienstag in Dortmund beginnt, ist das ein großes Thema.

Auf der am Dienstag beginnenden Messe Jagd & Hund ist es mit Blick auf die Besucher wieder unübersehbar – die Jagd wird weiblich. Laut einer Studie des Deutschen Jagdverbandes (DJV) sind derzeit 24 Prozent aller Teilnehmer an Jagdkursen Frauen, ihr Anteil an der Gesamtjägerschaft beträgt sieben Prozent – Tendenz steigend. In Deutschland gibt es rund 385.000 Frauen und Männer mit Jagdschein. In NRW sind es 88.000, zehn Prozent davon sind Frauen, womit das Land erheblich über dem Bundestrend liegt, sagt Andreas Schneider vom Landesjagdverband NRW (LJV).

Auch an Rhein und Ruhr steigt ihre Zahl. Auffallend: Hat sich eine Frau entschieden, zum Grünrock zu werden (hier passt das Bild, obwohl aus praktischen Gründen nur Hosen getragen werden) ist sie besonders engagiert bei der Sache. Und damit ist keineswegs das Töten der Tiere gemeint. Gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen kämpfen die Frauen gegen das in Teilen der Bevölkerung immer noch verbreitete Bild des Jägers als schießwütiger Bambi-Killer. Denn, so betonen Jäger immer wieder: Dieses Bild ist weit von der Realität entfernt.

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Der Imagewandel hat begonnen, und er läuft über mehrere Ebenen. Besonders die Frauen entdecken das Interesse für Wald und Wild. Viele sagen, dass ihnen klargeworden ist, wie nahe sie dort der Natur sein können. Victoria Tüllmann (30), Tierärztin in Lummen (belgisch-deutsche Grenze) und Jägerin seit mehreren Jahren, sagt: „Nirgendwo sonst kann ich die Natur so direkt spüren wie beim Ansitz am frühen Morgen, wenn die Sonne aufgeht. Das zu erleben, die Tiere zu beobachten, ist wunderbar und schwer zu beschreiben.“ Aber auch wenn Probleme oder knifflige Entscheidungen sie belasteten, setze sie sich auf den Hochsitz. Nach ein paar Stunden Ruhe habe sie dann immer eine Lösung. „Oder in einer eiskalten Winternacht draußen zu sein, im Licht des Mondes bei Schnee auf Sauen zu warten – das ist wunderschön. Auch wenn man nichts schießt!“

 Victoria Tüllmann ist Tierärztin und Jägerin und geht besonders gerne mit ihrem Münsterländer „Kuno“ auf die Jagd.
Victoria Tüllmann ist Tierärztin und Jägerin und geht besonders gerne mit ihrem Münsterländer „Kuno“ auf die Jagd. Foto: Tüllmann

Denn: Die meiste Zeit seines Lebens wartet der Jäger vergebens, heißt es. Auf dem Hochsitz muss man viel Geduld haben und geht oft ohne Beute zurück ins Warme. Die Zahlen zeigen: Das schreckt offenbar nur wenige ab. Zu vielfältig sind offenbar die Motive, einen Jagdschein zu erwerben.

Dennoch: Es geht auch darum, Tiere zu erlegen. Gesetzlich bindende Abschusspläne verlangen Mindestzahlen an Rot- oder Rehwild, die erfüllt werden müssen, weil sonst die Wildschäden an Bäumen zu groß werden oder Tiere bei allzu viel Konkurrenz verhungern. Vielerorts wird Schwarzwild inzwischen zur Plage, und außer den Jägern gibt es mangels Wölfen, Bären oder anderen Raubtieren keinen, der ihre Bestände regulieren kann.

Dafür liefern Wildschweine äußerst schmackhaftes Wildbret. Und das ist ein weiterer Grund für den Imagewechsel von Jagd und Jägern: Wild als Bio-Nahrungsmittel hat ein hohes Ansehen. Das Bewusstsein in der Bevölkerung für unbelastete Lebensmittel wächst rapide. Massentierhaltung, grausame Transporte von Schlachtvieh – das wollen immer mehr Menschen nicht länger durch den Kauf von Billigfleisch im Supermarkt fördern. Jedenfalls nennen viele junge Jägerinnen das als Grund für ihr Interesse an der Jagd: Die Chance, Fleisch aus artgerechten Umständen zu bekommen, zudem unbelastet und fettarm.

Victoria Tüllmann sieht das ebenfalls so: „Wenn ich ein Stück Wild erlegt habe, es mit meinem Hund nachsuche, finde und berge, am Ende selbst ausweide und schließlich koche und esse, empfinde ich automatisch eine viel höhere Wertschätzung für das Tier.“ Als Jägerin weiß sie: Will ich Fleisch essen, muss ein Tier sterben. Weil das hohe Ansehen dieses Bio-Fleischs zum Trend wurde, gibt es in diesem Jahr auf der Messe Jagd & Hund erstmals eine komplette Halle, die ausschließlich das Thema Wild präsentiert.

Ein weiterer Grund für den Zuwachs bei den weiblichen Jägern: Ein ungewöhnlich hoher Anteil der Frauen erklärt, über den Hund zur Jagd gekommen zu sein. Weil sie festgestellt haben, dass viele Rassen einen starken Jagdtrieb haben, kam irgendwann der Entschluss, mehr darüber zu lernen. Victoria Tüllmann sagt: „Eine engere Bindung kann man zu seinem Hund nicht haben, als dieses Erlebnis, den Hund und sich selbst auszubilden.“ Der Hund macht seine Gebrauchsprüfungen, das Frauchen den Jagdschein.

Hier geht es zur Infostrecke: 7 Fakten zur Jagd