Frauen im Kirchenstreik: „Maria 2.0“ wird zum Selbstläufer

Frauen im Kirchenstreik : „Maria 2.0“ wird zum Selbstläufer

Frauen in der katholischen Kirche streiken für mehr Rechte. Die Bewegung greift bundesweit immer mehr um sich. In einer Online-Petition wird nun der Zugang zu allen kirchlichen Ämtern und das Ende des Zölibats gefordert.

Die bundesweite Bewegung für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche stößt nach Einschätzung der Initiatoren auf große Resonanz. „Unsere Aktion ,Maria 2.0’ ist zum absoluten Selbstläufer geworden“, sagte Mit-Initiatorin Lisa Kötter in Münster. Wie viele Menschen sich an dem einwöchigen Kirchenstreik beteiligen, sei schwer einzuschätzen. Es hätten sich jedoch Hunderte Gruppen, zum Teil ganze Kirchengemeinden, mit der Bewegung solidarisiert.

Bundesweit sind bis zum 18. Mai Aktionen geplant. Anhänger von „Maria 2.0“ wollen in dieser Zeit keine Kirchen betreten, ihre ehrenamtlichen Ämter ruhen lassen und Gottesdienste ohne Priester bewusst im Freien feiern. Die am Streik beteiligten Gläubigen, laut Kötter Frauen und Männer, wollen in den nächsten Tagen weiter gegen Machtstrukturen in der Kirche und die Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Amtsträger protestieren. In einer Online-Petition an Papst Franziskus fordern sie Zugang nicht nur zu allen Ämtern der Kirche, sondern auch die Aufhebung der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester.

In ihrer Gründungsstadt Münster startete die Initiative am Samstagabend, Dutzende Frauen versammelten sich dort zu einem Gottesdienst im Freien. Am Sonntag  hatten die Gründer zu einem Gottesdienst und einer Mahnwache auf den Domplatz geladen, zu der mindestens 500 Frauen kamen. Bei einem Wortgottesdienst ohne Kommunionfeier prangerte Initiatorin Kötter die „unzeitgemäße und ungerechte Benachteiligung der Hälfte der getauften Kinder Gottes" in der katholischen Kirche an. Am Ende zogen die Teilnehmer zum nahen Bischofshaus und baten singend um das Kommen des Heiligen Geistes.

„Unsere Geduld ist am Ende", sagte die frühere KDFB-Vizepräsidentin und heutige stellvertretende Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Lücking-Michel, dem ZDF. „Wir haben nicht mehr viel Zeit." Ihre Kinder und Freunde fragten sie, wie sie einer Organisation angehören könne, die Frauen ausschließe.  

Die Deutsche Bischofskonferenz zeigte sich gesprächsbereit, lehnte aber den Kirchenstreik ab. Konservative Internetportale und Gruppierungen wie das Forum Deutscher Katholiken übten massive Kritik an dem Streik. Die Forderung von „Maria 2.0" widerspreche dem Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" von Papst Johannes Paul II. Dort sei endgültig festgelegt, dass die Kirche keine Vollmacht habe, Frauen zu Priestern zu weihen.

Die deutschen Bischöfe hatten zuletzt beschlossen, die Frage des Zölibats zur Diskussion stellen zu wollen. Eine baldige Aufhebung weltweit, die der Papst verfügen müsste, gilt aber als unwahrscheinlich.

(dpa/kna)
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