Fotokunst im Kunstverein

Fotokunst im Kunstverein

"Die zeitgenössische Kunst kennzeichnet ein bemerkenswerter Mangel an handwerklichem Können", glaubt der Kunsthistoriker Camiel van Winkel. Auch der Leiter des Kunstvereins Hans-Jürgen Hafner greift in seinem Text zur laufenden Ausstellung die Frage nach der "Könnerschaft", also dem Beherrschen handwerklicher Fähigkeiten in der aktuellen Kunstproduktion auf. Kein neues, aber ein spannendes Thema. Hafner räumt immerhin ein, dass "Nicht-Können" oder Inkompetenz wohl nicht genügten, um eine künstlerische Karriere zu legitimieren. Das macht ja wieder Hoffnung.

Auch der abgeleierte Ausspruch von Beuys ("Jeder Mensch ist ein Künstler") wird wieder einmal wörtlich genommen, obwohl Beuys ihn nie wörtlich meinte. "Bäcker ist doch auch ein schöner Beruf!" erklärte er einst einem seiner Studenten, dem es sichtlich am notwendigen Talent mangelte. Gemeint war also: Jeder Mensch kann schöpferisch, kreativ sein. Auch als Bäcker oder Facharbeiter.

Wer nun eine Ausstellung mit Trash-Art oder Bad Paintings ("Schlechte Gemälde") erwartet, der wird womöglich enttäuscht. Die drei Künstler, die Hafner unter seinen Konzept-Schirm stellt, zeichnen sich nämlich alle durch eine exzellente Beherrschung der jeweiligen Technik aus. Die Hängung der drei Positionen ist bunt gemischt und folgt dem "Memory"-Prinzip. Was hier zusammengehört, muss der Besucher allein herausfinden. Die Lichtbilder kann man dabei leicht dem Fotografen Martin Zellerhof zuordnen. Er bewegt sich souverän auf dem Gebiet der verschiedenen fotografischen Genres, stellt Agenturaufnahmen oder Werbefotos neben autobiografisch gefärbte Bilder.

Auch die polnische Künstlerin Paulina Olowska überwindet die Genregrenzen, indem sie Motive aus der angewandten Kunst, aus alten Modemagazinen oder Designobjekten in ihre Arbeiten einfließen lässt.

  • Düsseldorf : Endlich wieder Kunst im Kunstverein

Vincent Vulsma aus den Niederlanden hat an seiner delikaten Technik der Bildherstellung lange gefeilt. Die Frage nach Könnerschaft oder Dilettantismus erübrigt sich auch hier. Für den Villa-Romana-Preisträger Vulsma sind die Eigenwertigkeit und die Historie des ausgewählten Materials genauso bedeutsam wie das aus ihnen entstehende Werk. Die raffiniert geknüpften Bildtafeln, die er in die Räume des Kunstvereins gehängt hat, sehen von weitem wie unscharfe oder grob gepixelte Fotoausschnitte aus. Erst aus der Nähe wird das banale Material erkennbar und der Augenschwindel fliegt auf.

Man merkt: Selbstverständlich gibt es Qualitätsmerkmale in der zeitgenössischen Kunst. Gute Kunst sollte innovativ sein, ausdrucksstark, authentisch und möglichst in der zur Idee passenden Technik realisiert worden sein. Ja, auch die Technik ist bedeutsam. 30 Jahre nach Punk sollte man dem Prinzip des Dilettantismus nicht mehr nachweinen. Nichtskönner bringen uns bestimmt nicht weiter – weder in der Kunst noch in der Backstube.

Kunstverein Grabbeplatz 4, bis 9. September.

(RP)
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