Fortuna: Rot-Weiß gegen Blau-Weiß

Fortuna: Rot-Weiß gegen Blau-Weiß

Normalerweise ist in Düsseldorf von karnevalistischen Prinzengarden die Rede, wenn diese Farbkombinationen auftauchen. Aber heute geht es um die Top-Begegnung Fortuna-Düsseldorf gegen Schalke 04. Polizei rechnet mit 7000 Fans aus dem Revier und einem "Risikospiel".

"Drei Punkte!" Wer Andreas Czogalla, den Sprecher der Polizei, nach dem Spiel gegen Schalke fragt, bekommt diese Antwort – wie aus der Pistole geschossen. "Drei Punkte!" - für wen? Natürlich für Fortuna! So viel zur privaten Meinung des Polizisten zum Spiel heute Abend. Beruflich sieht er das Ganze kühler. Und keineswegs euphorisch. Denn aus der Erfahrung vieler Spiele wissen er und seine Kollegen um die weniger schönen Begleitumstände, die so ein Rhein-Revier-Derby mit sich bringen kann. Die Schalke-Fans gelten in Düsseldorf als "problematisch", man ordnet sie in C- und B-Klasse: Dahinter steckt die Einschätzung einer durchaus auf Krawall gebürsteten Klientel. Vor allem, wenn sie den Aufsteiger vom Rhein (dem die Süddeutsche Zeitung die härteste Abwehr Europas bescheinigte) nicht besiegen können oder mit einer Niederlage zurück müssen.

7000 von ihnen werden erwartet – und bei halbwegs gutem Wetter (womit zu rechnen ist) wird ein erheblicher Teil von denen nach dem Spiel in die Altstadt gehen, um zu feiern oder die Katastrophe in Alkohol zu ertränken. So oder so werden sie dort auf reichlich Polizei treffen: Wie immer bei solchen Begegnungen stehen im Hintergrund mehrere Einsatzhundertschaften bereit, und nur ein Teil dieser Kräfte wird Präsenz zeigen.

Für die Düsseldorfer Fußball-Fans ist das Spiel vor allem ein Grund zum Feiern, schließlich handelt es sich um das erste Nicht-Teil-Geisterspiel in der 1. Liga. "Es ist schön, dass nun alle Fans wieder ins Stadion dürfen", meint Ingo Krausen vom Fan-Dachverband SCD. Zudem seien die Fans wegen der guten Ergebnisse in euphorischer Stimmung – selbst, wenn heute doch mal ein Gegentor fallen sollte. Sorgen macht sich der Fan-Sprecher nur darum, dass die Schalke-Fans im Stadion lauter ihre Mannschaft anfeuern als die Düsseldorfer. "Da müssen wir gegenhalten."

Gemischte Gefühle haben heute die Schalke-Fans in der Stadt – auch die gibt es. Einer von ihnen ist Deutsche-Bank-Firmenkundenchef Thomas Buschmann. Schon bei seiner Amtseinführung hatte Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen in Düsseldorf gesagt: "Er ist ein guter Mann, aber leider ist er Schalke-Fan." Buschmann selbst zum Spiel: "Fortuna ist ein ganz toller Start gelungen, den man so nicht erwartet hätte. Aber ich bin seit meiner Kindheit Schalke-Fan und deswegen habe ich gemischte Gefühle. Ich hoffe auf ein salomonisches Unentschieden." Auch Stadtsprecherin Natalia Fedossenko, eigentlich Schalke-Fan, ist diplomatisch: "Um einen niederländischen Trainer zu zitieren: ,Die Null muss stehen.' Und das wird sie, weil Fortuna gerade die beste Abwehr Europas hat!" Rainer Mellis, Vorstandschef der Volksbank Düsseldorf-Neuss, geht ins Stadion, der Sohn des Ruhrgebiets ist für Schalke: "Ich werde mein weiß-blaues Trikot tragen. Dennoch wird es schwer. Ich werde für beide Seiten jubeln", sagt der Banker. Eines sei sicher: "Die Serie von Fortuna-Spielen ohne Gegentore wird definitiv enden."

(RP)