Feuer zerstört Hohes Venn

Ein Fünftel des Naturschutzgebiets Hohes Venn an der deutsch-belgischen Grenze ist durch ein Feuer vernichtet worden. Die Einsatzkräfte sprechen vom schlimmsten Brand seit 60 Jahren. Im Rheinland gab es ebenfalls mehrere Waldbrände. Es gilt weiterhin die zweithöchste Gefahrenstufe.

Eupen/aachen Bei einem verheerenden Waldbrand sind 1000 Hektar eines der größten Hochmoore Europas verwüstet worden. Das Feuer war am Montagabend nahe der Stadt Eupen, etwa 30 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, ausgebrochen. Begünstigt durch die ungewöhnliche Trockenheit und die hohen Temperaturen hatte sich das Feuer rasend schnell im Hohen Venn ausgebreitet und zerstörte eine Fläche, die so groß ist wie 1000 Fußballfelder oder die dreifache Fläche des New Yorker Central Parks.

350 Feuerwehrleute hatten das Feuer zwar bis gestern unter Kontrolle gebracht, trotzdem stehen weiter große Teile des Naturschutzgebiets in Flammen. "Das Feuer hat sich tief in den Untergrund gefressen. Es wird mehrere Wochen dauern bis alle Brände gelöscht sind", sagt Christoph Grüner vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW.

Bei starkem Wind konnten sich die Flammen in der ausgedörrten Vennlandschaft rasch ausbreiten. Die dunklen Rauchsäulen waren weithin zu sehen, zeitweise sogar bis nach Aachen. Besonders schwer getroffen wurde der Bereich um Baraque Michel. Die Gegend war vorsorglich evakuiert worden. Für die Provinz Lüttich wurde der Katastrophenzustand ausgerufen.

Die Behörden schließen Brandstiftung als Ursache nicht aus. Erste Ermittlungen haben nach Angaben des Eupener Feuerwehrkommandants Marchal ergeben, dass Unachtsamkeit vermutlich der Auslöser gewesen ist. Es gebe Anzeichen, dass das Feuer am Rande eines Weges entstanden sei, obwohl das Hohe Venn bereits seit Tagen wegen der akuten Brandgefahr mit roten Fahnen für Wanderer gesperrt ist. Einzelne Quellen gehen von zerbrochenem Glas als Brandherd aus. "Glas wirkt wie ein Brennglas. Es kommt schnell zu einer Entflammung. Bei der jetzigen Wetterlage breitet sich das Feuer zum Waldbrand aus", erklärt Forst-Experte Grüner. Feuerwehrmänner sprachen gestern von dem größten Venn-Brand seit mehr als 60 Jahren.

Für die Einsatzkräfte waren es äußerst schwierige Löscharbeiten. Zwei Feuerwehrleute wurden verletzt. Der Naturpark, der sich über 4500 Hektar auf belgischem, nordrhein-westfälischem und rheinland-pfälzischem Gebiet erstreckt, ist unwegsam. Der ständig drehende Wind erschwerte den Einsatz von Löschhubschraubern. In der Leitstelle stehen 5000-Liter-Tanks bereit, sollte die Bezirksregierung in Köln entscheiden, kurzfristig Bundeswehrhubschrauber aus Rheine einzusetzen, um die aufflackernden Brandnester aus der Luft zu löschen. Wärmebildkameras sollen ebenfalls zum Einsatz kommen.

Auch im Rheinland und am Niederrhein hatten das warme Wetter und die trockene Luft am Wochenende zu mehreren Waldbränden geführt. Im Neusser Süden, in der Nähe des Golfplatzes Hummelbachaue, war am Montag ein Feuer im trockenen Unterholz ausgebrochen. Anderthalb Stunden brauchten die Feuerwehrleute, um die 1000 Quadratmeter große Fläche zu löschen. In Kranenburg brannte eine kleinere Fläche, vermutlich wegen einer noch glimmenden Zigarettenkippe. Die Brandursache in beiden Fällen war vermutlich Unachtsamkeit. "Die Hauptursache für Waldbrände ist in 80 bis 90 Prozent menschliches Fehlverhalten", sagt Grüner.

Die Waldbrandgefahr bleibt in den kommenden Tagen hoch – besonders im Rheinland. Während es in Westfalen heute leicht regnen soll, bleibt es am Niederrhein weiter trocken und damit gefährlich, sagt Wolfgang Reiff, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Essen. Die Gefahrenstufe vier, die zweithöchste Stufe, bleibt bis mindestens morgen bestehen.

Die Bezirksregierung Düsseldorf setzt die Überwachungsflüge, mit denen sie seit Samstag Brandherde in der Region kontrolliert, heute und morgen fort. Die Flugzeuge werden zweimal täglich über den gefährdeten Gebieten kreisen. "Wir werden weitere Einsätze mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes abgleichen", sagt eine Sprecherin. Seit 14 Tagen hat es in NRW nicht mehr geregnet. Im April sind laut Deutschem Wetterdienst erst 20 bis 30 Prozent des langjährigen Mittels gefallen. "Kleine Regenschauern sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Reiff.

Waldbrandgefährdet sind neben torfigen Böden mit Heidekraut wie im Hohen Venn auch die Kiefernwälder am Niederrhein. Sandige Böden trocknen sehr schnell aus, sagt Grüner vom Landesbetrieb Wald und Holz. "Im Frühjahr ist die neue Vegetation noch nicht so entwickelt, damit steigt die Waldbrandgefahr." Im Klever Reichswald und im nördlichen Ruhrgebiet sind deshalb auch die Feuerwachtürme besetzt. Die 24-stündige Rufbereitschaft der Forstamts- und Revierleiter in NRW wird weiter aufrecht erhalten, damit sie schnell mit der Feuerwehr in Kontakt treten können. Grüner: "Bei einem Waldbrand hilft nur schnelles Reagieren."

Internet Bilder vom Brand unter www.rp-online.de/panorama

(RP)