Europa-Universität: NRW soll eine neue Hochschule bekommen

Gemeinschaftsprojekt : Initiative für neue Europa-Universität in NRW

Die EU-Kommission fördert die Gründung von Europa-Universitäten. CDU und FDP schlagen eine neue Hochschule zwischen Venlo und Nettetal vor.

Die Regierungsparteien im nordrhein-westfälischen Landtag treiben die Gründung einer Europa-Universität auf der deutsch-niederländischen Grenze zwischen Venlo und Nettetal voran. Das bestätigten die Fraktionen auf Anfrage unserer Redaktion. Im Umfeld der Landesregierung hieß es gestern, das Konzept werde Gegenstand einer gemeinsamen Kabinettssitzung der niederländischen und der nordrhein-westfälischen Regierung am 19. November in Düsseldorf sein.

Die Europäische Kommission will die Gründung von 20 Europa-Universitäten bis zum Jahr 2024 fördern. Sechs davon sollen im Rahmen eines Pilotprojekts schon im kommenden Jahr angeschoben werden. Für dieses erste Pilotprojekt „Erasmus Plus“ stehen 30 Millionen Euro Fördergeld bereit. Die soeben angelaufene Bewerbungsfrist endet am 28. Februar 2019.

CDU-Politiker Marcus Optendrenk, Vorsitzender der deutsch-niederländischen Parlamentariergruppe, bestätigte: „CDU und FDP haben der NRW-Landesregierung vorgeschlagen, sich gemeinsam mit den Niederlanden um die Gründung einer Europauniversität auf der Staatsgrenze zwischen Venlo und Nettetal zu bewerben.“ FDP-Landtagsparlamentarier Dietmar Brockes sagte mit Blick auf das EU-Förderprogramm: „Armin Laschet muss diese Gelegenheit nutzen um gemeinsam mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte eine Europa-Universität für Nachhaltigkeit auf der deutsch-niederländischen Staatsgrenze zwischen Venlo und Nettetal zu gründen.“

Die Düsseldorfer Staatskanzlei zeigt sich aufgeschlossen. Eine Sprecherin der NRW-Landesregierung erklärte gestern: „Der Ministerpräsident steht Vorschlägen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen grundsätzlich positiv gegenüber.“ Viel mehr als Sympathie hat die Landesregierung für das Projekt bislang aber noch nicht zu bieten: „Zur Idee einer deutsch-niederländischen Europa-Universität hat die Landesregierung noch keinen Beschluss gefasst“, so die Sprecherin. Bei der deutsch-niederländischen Kabinettssitzung am 19. November sei zwar mit einer Erörterung des Themas zu rechnen, aber noch nicht mit einem Beschluss, heißt es im NRW-Regierungsumfeld.

Andere Bundesländer sind schneller: Eine Sprecherin der saarländischen Staatskanzlei bestätigte gestern, dass die Universitäten der dortigen Großregion bereits eine konkrete Bewerbung vorbereiten. Eine Sprecherin des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums berichtete von gleich mehreren Bewerbungsvorhaben in ihrem Bundesland. Beate Körner, Erasmus-Referatsleiterin beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn, geht „von sehr vielen europaweiten Bewerbungen in den kommenden Monaten“ aus. Eine Informationsveranstaltung des DAAD zum EU-Projekt „Europa-Universitäten“ hätten im Oktober allein 100 Interessenten aus Deutschland besucht.

Die Idee geht zurück auf eine Rede von Emmanuel Macron im September 2017 an der Pariser Sorbonne. Dem französischen Staatspräsidenten schwebt ein Gegenmodell zu den us-amerikanischen Eliteuniversitäten in Stanford und Harvard vor. Die Europa-Universitäten sollen Orte didaktischer Innovationen, der Forschung und der Exzellenz werden, so beschrieb Macron seine Vision.

(tor)
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