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Essen: Kind stirbt an Hitzeschock – Vater schweigt im Mordprozess

Landgericht Essen : Kind stirbt an Hitzeschock – Vater schweigt im Mordprozess

Der Hitzetod eines zweijährigen Jungen in Essen beschäftigt seit Donnerstag das Essener Schwurgericht. Die Staatsanwaltschaft hat den Vater des Kindes wegen Mordes angeklagt.

Luis wurde nur zwei Jahre alt. Der Junge starb qualvoll im Juli 2019 in seinem Kinderzimmer im Dachgeschoss eines Essener Mietshauses. An einem der heißesten Tage des Jahres soll Luis von seinem Vater eingesperrt worden sein. Ohne frische Luft, ohne Flüssigkeit, ohne Möglichkeit zu entkommen. Am nächsten Vormittag war Luis tot. Seit Donnerstag muss sich sein Vater wegen Mordes vor dem Essener Schwurgericht verantworten.

Der 32-jährige Deutsche will sich zu den Vorwürfen selbst nicht äußern. Sein Verteidiger Bernd Kachur stellte aber gleich zu Beginn des Prozesses klar: „Mein Mandant ist nicht nur ein Angeklagter. Er ist auch ein Vater, der auf tragische Weise sein eigenes Kind verloren hat.“ Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft nannte der Rechtsanwalt „höchst spekulativ“. Fest stehe allerdings jetzt schon: „Sowohl der Angeklagte als auch die Mutter des Kindes waren mit der Erziehung vollkommen überfordert.“

Luis wurde im November 2016 geboren, als zweites Kind seiner Eltern. Ein Jahr später kam noch ein weiteres Mädchen zur Welt. „Ich habe mich immer um meine Kinder gekümmert“, sagte die Mutter am Donnerstag als Zeugin aus. „Ich habe immer geguckt, dass sie gute Klamotten und genug Nahrung haben.“ Die 23-jährige Essenerin war nicht zu Hause, als Luis starb. Sie hatte sich schon Wochen vorher von dem Angeklagten getrennt und kurz darauf einen anderen Mann kennengelernt. Mit dem war sie zusammen, als ihr Sohn in seinem Kinderzimmer eingesperrt worden sein soll.

Die Zeugin bestätigte den Richtern, dass der Angeklagte die innere Türklinke schon einige Zeit zuvor abmontiert hatte, um Luis daran zu hindern, nachts aus seinem Zimmer zu kommen. Sie selbst habe das nicht gewollt, sagte die 23-Jährige. „Aber was sollte ich machen? Ich hatte Angst vor ihm.“ Der Angeklagte schüttelte bei diesen Worten heftig den Kopf. Er soll im Ermittlungsverfahren zu einer Psychiaterin gesagt haben, nicht er, sondern die Frau habe darauf bestanden, die Klinke abzubauen. Sie habe Angst gehabt, dass der Junge in die Küche gehen und sich an einem Messer verletzen könnte.

Als der Junge nach vielen Stunden in dem heißen Zimmer gefunden wurde, konnten die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen. Bei der Obduktion der Leiche fanden die Rechtsmediziner deutliche Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels. Als Todesursache wird Kreislaufversagen infolge eines Hitzeschocks angenommen. Die Mutter des Angeklagten hat offenbar schon früher moniert, dass alle drei Kinder von den Eltern zu wenig an die frische Luft gelassen wurden. „Das ist gruselig“, hat die Frau einmal in einer Kurznachricht an die 23-jährige Kindsmutter geschrieben. „Die leben schlimmer als Tiere.“

Das Jugendamt hat die beiden Töchter des Paares inzwischen an Pflegefamilien vermittelt. Die 23-jährige Mutter will das jedoch nicht hinnehmen. „Ich hole sie mir zurück“, sagte sie den Richtern.

(hsr/dpa)