Immer mehr private Sicherheitsdienste: Einbrecher - Bürger schützen sich selbst

Immer mehr private Sicherheitsdienste : Einbrecher - Bürger schützen sich selbst

Nachbarschaften beauftragen zunehmend private Sicherheitsdienste, um ihre Häuser vor Einbrechern zu sichern. Die Polizei kritisiert dieses Vorgehen. Am Montag startete eine landesweite Aktionswoche zum Thema Einbruchschutz.

Max Voormann fühlt sich sicher in seinem Haus in Essen-Kettwig. Angst vor Einbrechern hat der 79-jährige nicht mehr, seit in seiner Nachbarschaft ein privater Sicherheitsdienst patroulliert. "Die Polizei kann uns ja leider nicht ständig schützen", sagt er. "Deswegen helfen wir uns selbst." Für die Security zahlt der Rentner jeden Monat 62 Euro. Rund 70 seiner Nachbarn tun das ebenfalls. Dafür laufen die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes täglich, aber immer zu verschiedenen Tageszeiten, Streife in dem Viertel, in dem überwiegend ältere Menschen in Einfamilienhäusern leben. "Seitdem gibt es bei uns keine Einbrüche mehr", sagt Voormann.

Nicht nur in Essen, sondern auch in anderen Städten in Nordrhein-Westfalen nehmen Anwohner zunehmend Dienste privater Sicherheitsfirmen in Anspruch, um sich vor Einbrechern zu schützen. In Mönchengladbach zum Beispiel haben sich mehrere Bürger zusammengetan, nachdem es in ihren Siedlungen eine Serie von Einbrüchen gegeben hatte. Auch dort soll seitdem die Zahl der Einbrüche stark rückläufig sein.

Polizei sieht Entwicklung mit Sorge

Die Polizei verfolgt diese Entwicklung mit Sorge. "Wir nehmen es mit Befremden zur Kenntnis, dass Bürger zum Schutz ihrer Häuser verstärkt private Sicherheitsdienste beauftragen", sagt Arnold Plickert, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft (GdP). Denn das sei Kernaufgabe des Staates. Aber auch Plickert räumt ein, dass die Polizei aus personellen Gründen nicht überall sein kann. Doch die Beauftragung privater Sicherheitsunternehmen sei nicht die Lösung. "Dadurch besteht die Gefahr einer Art Zwei-Klassen-Sicherheit, denn nicht jeder kann sich solche Dienste leisten."

Die Sorge der Bürger ist nicht unbegründet. Seit Jahren bekommt die Polizei das Einbruchproblem nicht in den Griff. In NRW verzeichnete die Polizei im ersten Halbjahr 2013 rund 30 500 Einbrüche. Das sind vier Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Fast alle Städte und Gemeinden seien betroffen, heißt es beim Innenministerium. Damit diese Zahl wieder sinkt, hat die Polizei am Montag unter dem Motto "Riegel vor! Sicher ist sicherer" eine landesweite Aktionswoche zum Thema Einbruchschutz gestartet.

Weniger Einbrüche in Düsseldorf

"Jeder kann etwas tun, damit Einbrecher nicht in seine Privatsphäre eindringen", betont NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Bis Freitag werden in fast allen Kommunen Polizisten in den Innenstädten und auf Wochenmärkten unterwegs sein, um den Menschen zu erklären, wie sie ihre vier Wände besser gegen Einbrecher sichern können. Die Polizei in Düsseldorf geht zum Beispiel mit Kräften der Einsatzhundertschaft in sogenannte Brennpunktviertel, verteilt Flyer mit Präventionstipps in Straßen- und U-Bahnen und führt verstärkte Verkehrskontrollen durch. Entgegen dem Landestrend ist die Zahl der Einbrüche in Düsseldorf stark rückläufig — im ersten Halbjahr 2013 gingen die Delikte um 13,5 Prozent zurück. Was macht die Düsseldorfer Polizei besser oder anders als die in anderen Städten? "Wir haben uns einfach personell verstärkt und ein gutes Team zusammengestellt, das sich auf Einbruchsbekämpfung spezialisiert hat", sagt Kriminaldirektor Frank Kubicki.

Doch es gibt auch Kritik an der Kampagne der NRW-Polizei. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Theo Kruse, bezeichnet die Aktion als "weiteren überflüssigen PR-Gag" des Innenministers. "Dadurch wird sich die massiv ansteigende Zahl von Einbrüchen nicht senken lassen", betont Kruse. Der innenpolitische Sprecher der FDP, Robert Orth, kritisiert: "Gut ausgebildete Polizisten sind zum Verteilen von Flyern zu teuer." Der Essener Max Voormann wünscht sich mehr Kooperationsbereitschaft seitens der Polizei. "Eine Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsdiensten und Polizei würde sicher wirkungsvoll sein."

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(RP)
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