DVD: Christoph Bantzer in "Heinrich Heine"

DVD: Christoph Bantzer in "Heinrich Heine"

Mancher würde den Film vielleicht "typisch deutsch" nennen. Marcel Reich-Ranicki urteilt scharf und ablehnend: "Das ist Volkshochschule". Der Zweiteiler "Heinrich Heine" von 1977, nach dem Drehbuch von Herbert Knopp und in der Regie von Klaus Emmerich, ist jetzt als DVD in der Pidax-Reihe "Historische Klassiker" erhältlich.

Heine ist einer der schwärmerischsten Romantiker, einer der maliziösesten Literaturkritiker und ein leidenschaftlicher, politisch engagierter Schriftsteller. Er war gefeiert, gefürchtet, gelobt und gehasst. Doch das Dokumentarspiel will nicht den Literaten, sondern den Menschen Heine mit all seinen Schwächen darstellen. Den anfangs selbstbewussten Dichter, dessen Schriften in Deutschland verboten wurden, woraufhin Heine nach Paris ins freiwillige Exil flüchtete: Schließlich den kranken Heine, der in der "Matratzengruft" siecht.

Oft bleibt der an Fakten orientierte Film zäh; das lässt die damalige Zeit biedermeierlich-streng wirken. Einzelne Stationen von Heines Leben werden dagegen umfassend ausgewalzt. Zum Beispiel die Zeit in Hamburg oder das Diktat der Memoiren an Sekretär Karl Hillebrand. Dazwischen fasst ein Erzähler die Biografie ermüdend zusammen.

Doch bei aller Kritik, der Film hat auch beachtenswerte Seiten. Christoph Bantzer in der Hauptrolle besticht durch optische Ähnlichkeit mit Heine. Hervorragend spannt er zudem den Bogen vom schüchternen, schwärmerischen Jüngling zum frechen Querulanten bis hin zum verbitterten, von seiner Krankheit gezeichneten Greis. In weiteren Rollen sind unter anderen Barbara Sukowa als Heines Cousine Amalie, Rosemarie Fendel als Rahel Varnhagen und Ulla Berkéwicz als George Sand zu sehen.

Heine selbst hat als Dichter darauf Wert gelegt, dass ihn keiner auf einen Sockel stellte. Und so schien immer auch der Mensch Heine zu seinen Lesern zu sprechen. Die in Gedichten geschilderten Gefühle waren die seinen, wenngleich Heine es ablehnte, dass seine Leser immerzu Autobiographisches in seinen Schriften vermuteten.

Es bleibt offen, ob der Film seine Zuschauer an Heines Literatur heranführen wird. Dem 1977 produzierten Film merkt man sein Alter an. Das Tempo ist nicht mit dem vergleichbar, was das Auge des zeitgenössischen Zuschauers gewohnt ist. Doch die Langsamkeit hat durchaus etwas Liebenswürdiges.

Fazit: Der Film hat sicher kein Weltklasse-Niveau, bietet aber verlässliche Fakten und beachtliche Schauspieler.

(RP)