Die närrische Kunst des Werner Lehmann

Die närrische Kunst des Werner Lehmann

Aufrecht stehend halten sie mit ernster Miene Ausschau: der Harlekin, die Vollbusige, der Weißclown, der Tätowierte. Das Grüppchen balanciert dicht aneinandergedrängt auf dem schwankenden Schiff. Die Phantasie des Betrachters bekommt Flügel: Wohin die Reise wohl gehen mag? Eine Auswahl seiner aus Ton geformten Boote, bepackt mit skurrilen Gestalten, zeigt Werner Lehmann derzeit in der Düsseldorfer Galerie Janzen.

Mit "Carne Vale" ist der Titel der Ausstellung trefflich gewählt. "Das sind natürlich alles Narrenschiffe", erklärt der Künstler. Bei seinen stark typisierten Figuren feilt er an jedem Detail. "Ich bemühe mich, jedem Köpfchen Leben zu geben. So lange, bis mir der gewünschte Ausdruck gelingt."

Manchmal widersetzen sich die Schöpfungen ihrem Meister. So wie neulich, als sich ein bestimmter Blick partout nicht einstellen wollte. Also beschloss er: "Der schaut so herrlich bescheuert, der bleibt!" Lehmanns Skulpturen verbindet etwas Theatralisches. Je länger man sie betrachtet, desto doppelbödiger und rätselhafter wirken sie. Die Figuren spiegeln das pralle Leben, sind eitel, lüstern, grell, grotesk. Am Anfang aber steht pures Handwerk. Zunächst formt und stabilisiert der Künstler den Schiffsrumpf. Er hält ihn unter Plastiktüten feucht, bis alle Passagiere erschaffen und platziert sind. Schnell noch irgendwo an neckischer Stelle seinen Schriftzug hingesetzt – und ab in den Brennofen. So entstehen außer den Booten mit der Anmutung kleiner Bühnen auch heitere Szenen aus der Zirkuswelt.

Manchmal bekommt Werner Lehmann Lust, seine Geschöpfe in Schaukästen zu stecken oder sie in den Bus zu setzen. Aber immer werden daraus dem Leben abgelauschte Gesellschafts-Satiren, frech und oft genug mit einer kräftigen Prise Erotik. Gleich bei der Vernissage von "Carne Vale" fanden etliche der 27 Arbeiten verschiedener Genres (Objekte, Collagen, Bilder, Zeichnungen) Liebhaber.

Werner Lehmann, Jahrgang 1949, erhielt seine Ausbildung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Zudem studierte er Germanistik. Er wohnt und arbeitet im schwäbischen Ludwigsburg.

Galeristin Martina Janzen entdeckte den Künstler bei der Kunstmesse in Karlsruhe. "Er passt perfekt in meine kleinen Räume", sagt sie. "Vor allem aber schätze ich seine Art von Humor. Ein Künstler muss mich neugierig machen. Nach 17 Jahren als Galeristin werden die Kicks weniger, da ist man schnell zu langweilen."

Im Kolkmannhaus in Wuppertal führt Martina Janzen eine weitaus geräumigere Galerie. In die nur 20 Quadratmeter große Düsseldorfer Dependance verliebte sie sich auf der Suche nach einer Parklücke in der Carlstadt. "Wir Galeristen denken ja gern in musealen Dimensionen", sagt sie. "Aber so geht es eben auch. Man muss sich nur die Mühe machen, die passende Kunst zu finden."

Bastionstraße 5, bis 25. Februar; Mittwoch bis Freitag 15–18 Uhr, Samstag 12–15 Uhr und nach Vereinbarung www.janzen-galerie.de

(RP)
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