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Düsseldorf: Deutscher Schäferhund – ausgemustert

Düsseldorf : Deutscher Schäferhund – ausgemustert

Beim Landesamt für Ausbildung und Fortbildung der Polizei werden nur noch belgische Schäferhunde (Malinois) gezüchtet. Ein Test hat ergeben, dass die Rasse für den Polizeidienst geeigneter ist als ihre deutsche Verwandtschaft. Woran liegt das? Wir haben nachgefragt.

Die Hündin Maike ist trächtig. Die Züchter des Landesamts für Ausbildung und Fortbildung der Polizei (LAFP) haben ausgerechnet, dass sie am 5. September werfen wird. Maike ist, wie alle Vierbeiner in der Hundeschule, eine belgische Schäferhündin. "Ein langjähriger Test hat ergeben, dass der Einsatz von Malinois besonders wirtschaftlich ist", sagt Günther Bonke, der als Fachkoordinator für das Diensthundewesen beim LAFP in Schloss Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh) zuständig ist.

Bei der NRW-Polizei sind derzeit 351 Diensthunde im Einsatz. Sie schützen die Beamten, stellen Flüchtende, spüren Drogen und Sprengstoff auf. Derzeit sind nur noch 26 Vierbeiner im Polizeidienst deutsche Schäferhunde. Maja, die letzte Zuchthündin dieser Rasse, wurde nach einer Grundsatzentscheidung ausgesondert. Seitdem gilt der deutsche Schäferhund bei der NRW-Polizei (züchtet seit 1988 selbst Hunde) als Auslaufmodell.

"Kommissar Rex" muss in Rente – eine Entscheidung, die bei vielen Hundefreunden für Emotionen sorgt. Wieso ziehen die Behörden den belgischen Bruder vor? Ist der deutsche Schäferhund nicht mehr fit gut genug für den Dienst an Rhein und Ruhr?

Im NRW-Innenministerium sieht man die Angelegenheit sachlich. Es gehe "nicht nach der Rasse, sondern nach der Fähigkeit des Tieres", sagte ein Sprecher des Hauses, das von dem Duisburger SPD-Politiker Ralf Jäger geleitet wird. Ein mehrjähriger Versuch der Polizei-Züchter war zum Nachteil der deutschen Exemplare ausgefallen. Von den belgischen Welpen waren 13 Prozent mehr für den Polizeidienst geeignet als bei den deutschen Jungtieren. Zudem lag die Anzahl der Welpen pro Wurf stets über der Quote der heimischen Konkurrenz. Die Belgier seien wegen ihrer hohen "Spiel- und Beutemotivation" zudem häufiger nicht nur als Schutzhunde, sondern auch als Spürhunde einsetzbar, sagt Fachkoordinator Bonke.

Malinois sind kleiner, leichter und wendiger als deutsche Schäferhunde. Experten sehen aber noch einen anderen, schwerwiegenden Nachteil bei den deutschen Schnüfflern. "Sie leiden häufiger an einer Fehlentwicklung des Hüftgelenks", erklärt Hubert Luhmann, Dezernatsleiter beim Landesamt für Ausbildung und Fortbildung. Diese sogenannte Hüftdysplasie sei das Resultat einer überzogenen "schönheitsorientierten" Züchtung. "Durch die abfallende Wirbelsäule wirken die Tiere dynamischer", sagt Luhmann. "Aber viele deutsche Schäferhunde, die an Hüftdysplasie leiden, haben schon als junge Tiere heftige Schmerzen."

Die belgischen Schäferhunde gelten hingen als sehr gesund. Fehlstellungen der Wirbelsäule kommen bei den Malinois nur selten vor, bestätigen Züchterkreise. Die Tiere, die eine Lebenserwartung von bis zu 16 Jahren haben, stehen in dem Ruf, ausdauernd, mutig und besonders belastbar zu sein.

In Schloss Holte-Stuckenbrock werden neben der Hündin Maike derzeit noch sechs weitere Malinois zu Zuchtzwecken gehalten. Die Deckrüden werden zum Teil von der niederländischen Polizei, die ebenfalls Malinois einsetzt, ausgeliehen. Pro Jahr gibt es rund 70 Welpen, von denen allerdings nur jedes zweite Jungtier für den Polizeidienst taugt.

Früher haben die Hundeführer in den Polizeibehörden häufig darauf geschworen, den vierbeinigen Nachwuchs für die Polizeiarbeit selbst zu züchten – deshalb sind in NRW auch Boxer und Schnauzer im Einsatz. Doch immer mehr Beamte vertrauen auf die Belgischen Schäferhunde aus Ostwestfalen. Mittlerweile kommen 65 Prozent aller Diensthunde aus Schloss Holte-Stuckenbrock.

Dort werden auch die Spezialspürhunde ausgebildet, die bei der Suche nach Vermissten oder Leichen eingesetzt werden. Die "Maintrailer" (meist Schweißhunde) sind in der Lage, den Geruch von Hautzellen sogar noch nach mehreren Tagen wahrzunehmen. Flüchtige Straftäter können so unabhängig vom Untergrund verfolgt und – im Idealfall – festgenommen werden. Selbst modernste Technik kann die feine Nase der Tiere nicht annähernd ersetzen. Auch bei der Suche nach Beweismitteln und der Rekonstruktion von Fluchtwegen helfen die Hunde.

Die vierbeinigen Spezialisten der NRW-Polizei haben sich mittlerweile einen exzellenten Ruf erworben. Die Bundespolizei greift in letzter Zeit verstärkt auf die belgische Rasse zurück. Bei der Spürhundeausbildung machen sich die Experten den ausgeprägten Spiel- und Beutetrieb der Vierbeiner zunutze. Sprengstoffspürhunde zeigen durch Hinsetzen oder Ablegen einen Fund an, damit kein Zünder ausgelöst wird.

Die Züchter der Diensthundeschule berichten stolz, dass die Malinois bereits an die Polizei in Baden-Württemberg und an die Behörden der Russischen Föderation abgegeben wurden.

Auch Privatleute können die talentierten Welpen aus Schloss Holte-Stuckenbrock erstehen. Der Preis liegt zwischen 300 und 350 Euro.

(RP)