1. NRW

Düsseldorf/Karlsruhe: Der BGH stärkt die Rechte von Fahrradfahrern

Düsseldorf/Karlsruhe : Der BGH stärkt die Rechte von Fahrradfahrern

Urteil im Helmstreit zugunsten von Radlerin entschieden. ADFC und Verkehrsminister begrüßen dies.

Auf dieses Urteil haben Radfahrer in Deutschland gespannt gewartet - und dieses Ergebnis hatten sie sich erhofft. Bei unverschuldeten Unfällen haben Fahrradfahrer auch dann vollen Anspruch auf Schadenersatz, wenn sie ohne Helm unterwegs waren. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) gestern entschieden. Die Richter gaben damit einer Radfahrerin aus Glücksburg recht, die schwer am Kopf verletzt worden war, als eine Autofahrerin am Straßenrand die Tür ihres Autos öffnete und es zum Zusammenstoß kam. Zunächst hatte das Oberlandesgericht Schleswig der Physiotherapeutin eine 20-prozentige Mitschuld angelastet, weil sie keinen Schutzhelm getragen hatte. Dementsprechend weniger Schadenersatz sollte sie erhalten. Dieses Urteil hob der BGH nun auf.

"Das Urteil ist ganz in unserem Sinne", sagt Ulrich Kalle, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) NRW. "Es kann nicht sein, dass eine Radfahrerin, die sich vollkommen korrekt verhalten hat, keinen vollen Anspruch auf Schadenersatz haben sollte." Denn eine gesetzliche Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht - und ist vom ADFC auch nicht gewünscht: "Radfahren ist keine gefährliche Tätigkeit, wenn man es nicht sportlich betreibt", sagt Kalle. Wichtiger als die Einführung einer Helmpflicht findet er den Ausbau der Infrastruktur. "Man darf nicht nur versuchen, die Folgen von Unfällen zu vermeiden, man muss auch die Ursachen bekämpfen." Dazu gehöre das bessere Miteinander zwischen Rad- und Autofahrern. "Gefährlich sind zum Beispiel Unfälle mit Lkw, wenn die Radler im toten Winkel sind - da hilft dann auch kein Helm mehr", sagt Kalle.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hingegen ruft dazu auf, freiwillig Schutzhelme zu tragen: "Wir werben an Schulen, an vielen Stellen immer wieder dafür, dass der Helm schwere Schäden verhindern kann. Aber wir glauben, dass die Freiwilligkeit der richtige Weg ist." Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass eine Helmpflicht zu einem Rückgang des Radverkehrs führe und es zu einer Verlagerung zum Auto komme.

(RP)