Auswertung der Gebühren So unterschiedlich sind die Kitabeiträge in NRW

Düsseldorf · Die Elternbeiträge für Kindesbetreuung gleichen in Nordrhein-Westfalen einem Flickenteppich. Die Kosten für drei Jahre Vollzeitbetreuung können zwischen null und 25.000 Euro liegen.

Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern. (Symbolfoto)

Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern. (Symbolfoto)

Foto: dpa/Uwe Anspach

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde ursprünglich schon 2023 auf RP ONLINE veröffentlicht. Da er weiter aktuell ist, bieten wir ihn noch einmal zum Lesen an.

Das neue Kita-Jahr beginnt, die Eingewöhnung startet in diesen Tagen bei den meisten „neuen“ Kita-Kindern und für die Eltern fängt ein neuer Lebensabschnitt an: Wer sich bislang um die Betreuung des Kindes gekümmert hat, kann nun wieder arbeiten gehen. Doch lohnt sich das finanziell überhaupt? Die Antwort darauf kann unterschiedlich ausfallen – je nachdem, wo Sie wohnen.

Richtig gelesen. Die Elternbeiträge für Kindesbetreuung gleichen in Nordrhein-Westfalen einem Flickenteppich. Die Höhe der Elternbeiträge für Kitas in NRW kann in den verschiedenen Kommunen unterschiedlich sein, da die Zuständigkeit für die Festlegung der Beitragssätze bei den einzelnen Kommunen liegt. Diese haben die Möglichkeit, ihre eigenen Gebührensatzungen zu erlassen und die Höhe der Beiträge entsprechend ihrer lokalen Bedingungen und finanziellen Situation festzulegen. So zahlen Eltern in Dormagen bis zu einem Einkommen in Höhe von 75.000 Euro überhaupt keine Beiträge für ihre Kinder, im benachbarten Neuss sieht das jedoch ganz anders aus. Da müssen Eltern 168 Euro zahlen, ein paar Orte weiter in Korschenbroich zwischen 408 und 510 Euro.

Welche Betreuungsformen gibt es?

Wer sein Kind tagsüber betreuen lassen möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Die Kindertagesstätte (Kita) ist einigen Lesern vermutlich noch als Kindergarten bekannt. Hier werden Kinder in der Regel im Alter von 2 bis zum Eintritt in die Grundschule betreut. Die Eltern können häufig zwischen 25, 35 und 45 Stunden Betreuung wählen. Die Stunden lassen sich jedoch nicht auf den Betreuungsbedarf verteilen, sondern beziehen sich auf die Öffnungszeiten vormittags, nachmittags oder durchgehend. Eltern, die ihr Kind erst um 9 Uhr morgens bringen möchten und bereits um 14.30 Uhr abholen können, müssen trotzdem 45 Stunden „buchen“, auch wenn das Kind nur 27,5 Stunden in der Kita betreut wird.

Etwas flexiblere Angebote unterbreiten häufig Tagesmütter. Dort werden in kleinen Gruppen mehrere Kinder von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreut - in angemieteten Räumlichkeiten oder bei den Tageseltern zu Hause. Die Bezahlung wird, wie bei den Kitas, von den Eltern direkt ans Jugendamt gerichtet. Eine weitere Alternative sind Großtagesstätten. Auch deren Preise obliegen den Beitragstabellen der Kommunen und unterscheiden sich meist nicht wesentlich von den Beiträgen für Kitas. Hier handelt es sich jedoch um private Tagespflegen, bei denen nicht nur 2-3 Kinder betreut werden, sondern deutlich mehr.

Manche Kommunen finanzieren die Kinderbetreuung vollständig aus Steuermitteln, während andere auf eine Kombination aus Steuermitteln und Elternbeiträgen setzen. Je nachdem, wie hoch der kommunale Anteil an der Finanzierung ist, können die Elternbeiträge entsprechend niedriger oder höher ausfallen. Wir haben uns die verschiedenen Beitragsstufen bei Kitas einmal genauer angesehen.

Wie hoch sind die Kita-Gebühren im Rheinland?

Wer im Rheinland sein Kind Vollzeit (45 Stunden/Woche) in die Kita schicken möchte, der muss mitunter tief in die Tasche greifen. Bis zu 25.000 Euro kann das bei einem Bruttojahresgehalt von 96.000 Euro für drei Jahre kosten. Im Schnitt werden dafür, je nach Gehalt, zwischen 5688 Euro (bei einem Bruttojahresgehalt von 48.000 Euro) und 14.200 Euro (bei 96.000 Euro Gehalt) fällig. In den meisten der 134 von uns betrachteten Gemeinden ist der Zugang zur Kita für Geringverdiener beitragsfrei. Die Grenze dafür liegt in der Regel bei etwa 24.000 Euro.

Die Betreuung in Teilzeit für 35 oder 25 Stunden/Woche ist zwar günstiger, der Unterschied wird aber mit steigendem Gehalt stärker spürbar. So beträgt die Differenz zwischen 25 und 45 Stunden/Woche bei einem Gehalt von 96.000 Euro im Schnitt fast 6000 Euro (8275 Euro zu 14.197 Euro). Wer nur 48.000 Euro im Jahr verdient, spart mit der Teilzeitbetreuung in drei Jahren deutlich weniger: Er muss 3235 Euro statt 5688 Euro zahlen.

Wo sind die Elternbeiträge am höchsten?

Die höchsten Elternbeiträge für eine 45-Stunden/Woche-Betreuung (ausgehend von einem Jahresbruttogehalt von 72.000 Euro) müssen Familien im Rhein-Sieg-Kreis, in Leverkusen, Ratingen und Bornheim zahlen. Familien mit nur 48.000 Euro im Jahr werden in Erkrath, Bornheim und Nettetal am stärksten zur Kasse gebeten. Prozentual müssen sie zwischen 6,28 und 6,72 Prozent ihres Bruttogehaltes für die Betreuung einkalkulieren.

Wer 96.000 Euro Bruttojahresgehalt bekommt, muss ebenfalls im Rhein-Sieg-Kreis, in Grevenbroich, Elsdorf und Rheinberg am meisten zahlen. Diese Einkommen müssen bis zu 8,65 Prozent ihres Bruttoeinkommens für die Kita-Betreuung aufwenden. Kleine Einkommen von 24.000 Euro werden in Meckenheim, Bedburg und Nettetal mit jeweils knapp unter 3.000 Euro für drei Jahre Vollzeitbetreuung belastet. Insgesamt fordern 41 der 134 betrachteten Gemeinden auch von Familien mit 24.000 Euro Gehalt noch Elternbeiträge.

Wo sind die Elternbeiträge am niedrigsten?

Eltern im Kreis Düren, in Velbert und Monheim sind, egal wie viel sie verdienen, komplett von den Beiträgen zur Kitabetreuung befreit. In Dormagen müssen Familien erst ab einem Jahresbruttogehalt von 85.000 Euro Elternbeiträge zahlen. Günstig kommen Familien auch in Düsseldorf noch weg: Dort sind, je nach Gehalt, zwischen 2400 Euro (bei 48.000 Euro Gehalt) und 8400 Euro (bei 96.000 Euro Gehalt) für die komplette Zeit von drei Jahren und einer Betreuung von 45 Stunden/Woche fällig. Familien werden in Düsseldorf dementsprechend nur mit höchstens 3,38 Prozent ihres Bruttogehaltes belastet.

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