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Asyl-Skandal in NRW: Das Flüchtlingselend als Geschäftsmodell

Asyl-Skandal in NRW : Das Flüchtlingselend als Geschäftsmodell

Geht es bei Flüchtlingshilfe überwiegend um Menschlichkeit oder eher um ein hartes Geschäft? Adam Lisek, langjähriger Mitarbeiter der im Zwielicht stehenden Firma "European Homecare", weiß von beiden Seiten zu berichten.

"Auf regionaler Ebene verdrängen uns andere Anbieter mit Dumpingpreisen vom Markt", sagt er. Dass es dem Unternehmen trotzdem nicht ganz so schlecht geht, zeigt der repräsentative Firmensitz in einer hellen Villa im Essener Süden. Und gleichzeitig berichtet Lisek von der Stimmung im Unternehmen mit 350 Mitarbeitern: "Viele von uns sind ja selber Immigranten oder - so wie ich - ein Kind von Aussiedlern. Darum schockt uns die Diskussion über die Misshandlungen."

Das Geschäft mit der Flüchtlingsbetreuung zieht kräftig an. Überregional treten unter anderem das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Malteserhilfsdienst und European Homecare als Betreiber von Flüchtlingsheimen an. Rund 1000 Euro pro betreutem Flüchtling gäbe es pro Monat, berichtet die "Bild"-Zeitung. Aus Kreisen der Hilfsunternehmen ist aber zu hören, dass eher rund 500 Euro im Monat zusammenkommen. "

Ob wir am Ende des Jahres Gewinne oder Verluste machen, ist schwer im Voraus abzuschätzen", sagt Hans-Jürgen Hecker, Prokurist der DRK Betreuungsdienste GmbH. Das Unternehmen wurde vor zwei Jahren gegründet und betreut für das Land knapp 1500 Flüchtlinge an den vier Standorten Unna (600), Bad Berleburg (450), Kerken am Niederrhein und Bad Salzuflen (beide rund 260).

Besonders viel Zuwendung bekommen die Zugewanderten nicht: 100 Mitarbeiter kümmern sich neben dem Sicherheitspersonal um die 1500 Flüchtlinge - doch das DRK sucht nach weiteren Kräften, so Hecker: "Wir brauchen Leute mit guten Fremdsprachenkenntnissen und mehr Personal in den Küchen." Jedoch sei zu beachten, dass die Flüchtlinge in den Einrichtungen des Landes meist nur für eine Übergangszeit leben - dann wechseln sie in Einrichtungen der Kommunen.

Um die zu entlasten, fordert Gerd Landsberg, Präsident des Städte- und Gemeindebundes, dass der Bund Einrichtungen für Flüchtlinge selbst betreibt: "Durch zusätzliche zentrale Aufnahmeeinrichtungen könnte sichergestellt werden, dass die Kommunen nicht zu kurzfristig große Zahlen von Flüchtlingen aufnehmen müssen, sondern ausreichende Vorbereitungszeit haben."

Auch bei der gesundheitlichen Versorgung der Flüchtlinge fordert Landsberg zentrale Unterstützung. "Die Städte und Gemeinden sind durch die teilweise extrem hohen Krankenkosten der Flüchtlinge erheblich belastet." Die oft erlittenen Verletzungen und Traumatisierungen erforderten eine andauernde, oft sehr kostspielige medizinische Versorgung. "Dies sollte über einen Gesundheitsfonds organisiert und abgewickelt werden."

(qua)