Wuppertal: Currywurst im Stehen günstiger

Wuppertal : Currywurst im Stehen günstiger

Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs dürfen Imbissbuden ihre Speisen zu einem günstigeren Mehrwertsteuersatz anbieten, wenn der Gast im Stehen speist. Das Urteil bringe kein Licht ins Steuerwirrwarr der Gastronomie, klagt die Dehoga, und fordert einheitlich niedrige Steuersätze.

Iris Saglam verkauft Grillhähnchen in Wuppertal und hat viel zu tun. Die Imbissbuden-Betreiberin profitiert von einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH), das gestern veröffentlicht wurde. Der BFH hat entschieden, dass Imbissbuden, die nur über "behelfsmäßige Verzehrvorrichtungen (wie zum Beispiel Theken oder Ablagebretter)" verfügen, so dass die Speisen nur stehend eingenommen werden können, generell sieben Prozent Mehrwertsteuer abführen müssen. Bisher waren es, wenn der Gast an der Bude auch gegessen hat, immer 19 Prozent. Sieben Prozent fielen nur dann an, wenn der Gast das Essen mitnahm.

"Für mich ist die neue Regelung eine Erleichterung", sagt Saglam. So brauche sie keine separaten Listen mehr zu führen. Billiger würde das Hähnchen dadurch aber nicht. "Vorher habe ich niedrigere Margen in Kauf genommen", erklärt die Unternehmerin. Während Imbiss-Betreibern wie Saglam die Entscheidung des BFH das Leben vereinfacht, ändert sich am grundsätzlichen Steuer-Wirrwarr in der Gastronomie wenig. Jürgen Benad, Justiziar des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), beklagt die Entscheidung als zu sehr auf den Einzelfall bedacht. "Wir brauchen einen einheitlich reduzierten Mehrwertsteuersatz für alle Speisen, um den steuerlichen Irrwitz zu beenden", fordert Benad.

Bislang wird in der Gastronomie zwischen Dienst- und Restaurationsleistung unterschieden. In der Praxis heißt das: Wer Essen nur liefert oder zur Mitnahme verkauft, führt den niedrigeren Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent ab. Wer seine Gäste an Tischen bewirtet oder, bei Caterern, Personal und Geschirr stellt, muss 19 Prozent an den Fiskus überweisen. Fastfood-Ketten wie McDonald's oder Burger King, die über einen Drive-in-Schalter und ein Restaurant verfügen, lösen das über eine Mischkalkulation. Sie drücken je nach Wahl auf die Sieben-Prozent- oder die 19-Prozent-Taste der Kasse. Der Kunde zahlt den selben Preis. "Das Urteil des Bundesfinanzhofs hat für uns also keine Auswirkungen", erklärte ein McDonald's-Sprecher. Burger King zeigt sich – aus diesem Grund – vom Urteil des BFH enttäuscht. "Wir würden eine einheitliche, verbraucherfreundliche Regelung begrüßen, die nicht zwischen dem Verzehr der Produkte im Restaurant oder der Mitnahme unterscheidet", so das Unternehmen.

"Für den Kunden sind die aktuellen Steuerregelungen doch überhaupt nicht mehr nachvollziehbar", findet auch Bäckermeister Christian Heicks aus Kleve. Er betreut elf Filialen im Kreis Kleve, beschäftigt 180 Mitarbeiter. Statt mit einer Mischkalkulation zu arbeiten, berechnet Heicks – wie die meisten Bäcker – einen Aufschlag, wenn der Kunde sein Brötchen an einem der (Steh-)Tische verzehrt. "Wir fragen vor dem Verkauf jeden Kunden und kassieren dann den entsprechenden Betrag", erklärt der Bäckermeister. Die einheitliche Versteuerung von sieben Prozent auf alle Lebensmittel wäre eine Erleichterung für die Verkäufer und würde mehr Klarheit für den Kunden schaffen, ist Heicks überzeugt.

Alexandra Koch erleichtert das Urteil immerhin einen Teil ihrer Arbeit. Ihre Familie betreibt eine Imbisskette mit vier Filialen in Duisburg: in einer können bis zu 20 Kunden Platz nehmen, an drei Ständen wird die Currywurst für drei Euro "abverkauft". "Wenn sich dort jemand eine Wurst mit Pommes und Mayo zum Mitnehmen holt, sie aber dann doch gleich an der Bude isst, mussten wir bisher den Mehrwertsteuersatz von sieben auf 19 Prozent umbuchen", erklärt Alexandra Koch. Mehr Arbeit, die weniger Einnahmen bedeutete.

Nur in der Niederlassung mit Tischen und Stühlen verlangen die Kochs für die gleiche Currywurst mit Pommes und Mayo 3,50 Euro. Hier lasse sich die Mehrwertsteuer auf den Kunden umlegen. Der höhere Preis komme aber auch dadurch zustande, dass Miete und Personal den Betrieb ohnehin teurer machen.

Selbst aus Sicht des BFH ist die Steuer-Situation in der Gastronomie auch nach dem Urteil noch eine Baustelle. Geklärt sei jetzt gerade mal die strittige Frage, so Referent Michael Wendt, dass das Essen einer Bratwurst auf dem Imbisstresen keine Restaurationsleistung sei. Die nächsten Urteile des Bundesfinanzhofs befassen sich mit der Besteuerung von Party-Services und Popcornverkauf im Kino.

(RP)
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