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Cees Nooteboom über Poseidon

Cees Nooteboom über Poseidon

Was ist eigentlich heute aus den antiken Göttern geworden? Sitzen sie noch immer auf dem Olymp und langweilen sich? Oder sind sie eifersüchtig auf den modernen christlichen Gott, der sie in Arbeitslosigkeit gestürzt hat? Vor allem: Verfolgt Poseidon – der Herrscher des Meeres und immerhin Bruder des Zeus – noch das menschliche Tun?

Der niederländische und hierzulande seit Jahrzehnten erfolgreiche Schriftsteller Cees Nooteboom las jetzt in der Literaturhandlung Müller & Böhm aus seinem neuen Buch "Briefe an Poseidon". Doch er stutzte zu Beginn jeden übertriebenen Pathos zurecht. So erzählte er, dass die Idee zu seinem Buch beim Essen in einem kleinen Restaurant entstand, das ganz zufällig "Poseidon" hieß.

Der Schriftsteller freute sich sichtlich über das immense Interesse an seinem Werk und begann äußerst konzentriert und souverän, seine Idee des unmöglichen Dialoges mit einem Gott zu erläutern. Die "Briefe an Poseidon" – kürzlich im Suhrkamp Verlag erschienen – spielen bewusst mit dem Paradoxon der Unmöglichkeit einer Antwort.

77 Essays beschäftigen sich mit Nootebooms täglichen Beobachtungen, seinen Gedanken über Götter und deren möglichen Eigenschaften und Leidenschaften. So verbindet er beispielsweise die kuriose Überlegung, ob es eine Hierarchie unter den Toten gäbe, so dass früher Verstorbene in der Rangordnung aufstiegen, mit einem Exkurs über die politischen Ereignisse und Aufstände in Kairo: allerdings aus Sicht einer Mumie im dortigen Nationalmuseum.

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Natürlich war das Heine Haus ausverkauft; wie in einer Arena ließ sich das Publikum auch auf den Treppen nieder und war hörbar gebannt vom unprätentiösen Vortrag. Auch der niederländische Konsul van Beuningen, Beat Wismer vom Museum Kunstpalast und Nootebooms Frau, die Fotografin Simone Sassen waren gekommen und lauschten.

Nach begeistertem Schlussapplaus stimmte Nootebooms letzter Satz wunderbar heiter und nachdenklich: "Was aber ist, wenn ich morgen auf dem Felsen einen Dreizack finde?"

(RP)