Butoh-Tanz im Con-Sum

Butoh-Tanz im Con-Sum

So eine Fabrik, die keine mehr ist, hat Charme als Haus der Wandlung. Die ehemalige Backfabrik an der Ronsdorfer Straße, bekannt als Con-Sum, wird ein Ort der Kunst. Passend widmet die Inhaberin, die neue Hans-Peter-Zimmer-Stiftung, die erste große Veranstaltung dort dem Butoh. Diese nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan entwickelte Tanzform setzt den Körper und seine inneren Regungen in Verbindung mit seiner Umgebung, mit Natur, beschwört das Wachsen und Vergehen: Verwandlung.

"Ghost. Deep soul. Death bears life" heißt der Parcours durchs Gebäude ohne Scheu vor Pathos. Der Vorstandssprecher der Stiftung, Wolfgang Schäfer, konzipierte fünf Stationen, lud sieben Künstler aus Tokio, Berlin, Düsseldorf ein, wählte Musik aus, ließ Filme drehen, die bei einigen der Performances an die Wände projiziert werden: Wasser, in dessen Wellen sich Bäume spiegeln, Detailaufnahmen der Räume selber, Flecken im Putz, Bemalungen der ehemaligen Biker-Bar.

Nicht jede Raumbetanzung vor den vielen aufmerksamen Zuschauern auf Bierbänken erreichte eine zwingende Spannung. Vier Tänzer in einer langen Halle verfransten sich in Betriebsamkeit. Doch dem jungen Seiji Tanaka hätte man stundenlang zusehen können. Barfuß, mit weiß getünchter Haut, schien er im Hinterhof der Fabrik eine andere Zeit zu betreten, jener "Geist" des Titels: mit langsamen Füßen, entrücktem Blick, in die Luft wachsenden Armen. Doch immer wieder fällt er, tritt gegen schepperndes Metall, rupft Efeu aus einer Nische – wie ein enttäuschter, verzweifelter Mensch. MELANIE SUCHY

(RP)
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