Burgplatz-Schlägerei: Prozess eröffnet

Burgplatz-Schlägerei: Prozess eröffnet

Mit zwei Teilgeständnissen und einem schweigenden Angeklagten begann gestern vor dem Landgericht der Prozess wegen versuchten Totschlags gegen drei junge Männer. Sie sollen im Herbst 2011 am Burgplatz einen 33-Jährigen so zusammengetreten haben, dass er wochenlang im Koma lag.

Als ungewollten Gewaltausbruch mit tragischen Folgen stellten zwei der drei Angeklagten gestern beim Landgericht ihre Prügelei mit Partygästen einer Eisdiele dar. Im September 2011 hatte sich das Trio aus Duisburg am Burgplatz spätnachts mit jener Gruppe angelegt. "Da sind viele hingefallen, wieder aufgestanden", nuschelte der mutmaßliche Haupttäter zu Prozessbeginn. Doch einen der damaligen Partygäste hat der 1,97 Meter große 90-Kilogramm-Hüne (18) durch einen Faustschlag fast getötet.

Das 33-jährige Opfer schlug so hart mit dem Kopf aufs Pflaster, dass "hörbar sein Schädelknochen zerbrach", so die Anklage. Und doch soll einer der Mitangeklagten (20) "teilweise mit Anlauf" noch mehrfach auf den Kopf des schwer verletzten Opfers eingetreten haben. Das war laut Anklage ein Tötungsversuch. Altstadtkellner Jorge G. wurde durch die Misshandlungen so massiv verletzt, dass er wochenlang im Koma lag, sich körperlich und geistig nie wieder erholen wird. Als Nebenkläger sitzt der kaum 1,70 Meter große Mann nun mit im Prozess. "Er verspricht sich ein gerechtes Urteil", so sein Anwalt Sebastian Jäger. Doch die Angeklagten würdigten den Mann, der mit schleppendem Schritt mühevoll den Saal betrat, zunächst keines Blickes. Jorge G., der damals den Streit der Gruppen nur schlichten wollte, leidet als Dauerfolge seiner Hirnverletzungen unter Störungen des Gleichgewichts und der Sprache. "Ich möchte mich herzlich dafür entschuldigen, was da passiert ist", wisperte der angeklagte 18-Jährige nach zwei Prozessstunden. Dabei hatte er zuvor seinen Tatbeitrag kleingeredet, die Rolle als Angreifer von sich gewiesen.

Nach einem Treffen des Duisburger Trios mit zwei jungen Frauen nahe der Burgplatztreppe habe es spätnachts Proteste von Partygästen einer Eisdiele gegeben. Eine der Frauen habe nach Martinis und Wodka laut gesungen, dann nur noch gegrölt. "Da kam aus Richtung der Eisdiele eine Flasche geflogen", so der angeklagte Hüne. Die Partygäste hätten den Flaschenwurf abgestritten. Und doch sei es kurz danach zur Prügelei mit einigen Partygästen gekommen. "Das war wie eine Welle, die da auf mich zukam, viele Leute", so der 18-Jährige weiter. "Da hab' ich die Augen zugemacht, draufgeschlagen." Mehrere Männer prügelte der schon mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestrafte 90-Kilo-Angeklagte zu Boden. Über seinen schweigsamen Kumpan (20) sagte er: "Der hat dann einen getreten, der schon am Boden lag - auch gegen den Kopf." Doch dieser schwer belastete Angeklagte will sich erst am nächsten Prozesstag äußern. Ausgesagt hat gestern bereits ein 20-jähriger Mitangeklagter. Er soll die Kumpane erst zum Losprügeln animiert haben, "aber dann habe ich mich distanziert". Als er "das laute Geräusch" hörte, mit dem der Kopf von Jorge G. auf den Boden prallte, "war ich unter Schock, bin weggerannt". Das wertet die Anklage als Beihilfe zum versuchten Totschlag - weil er nicht gegen seine Kumpels einschritt, keinen Notarzt alarmierte. Doch auch seine Kumpane hätten ihm Tage danach in Duisburg Vorwürfe gemacht, sagte er, hätten ihn verprügelt und seien mit dem Auto seines Vaters gegen eine Mauer gefahren. Der Prozess geht am 11. Mai weiter.

(RP)
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