Bedburg Hau: Priester soll unangemessene SMS verschickt haben

Gemeinde in Bedburg-Hau : Priester soll Messdienern unangemessene SMS geschickt haben

Ein Pfarrer aus Bedburg-Hau ist von seinem Amt entpflichtet worden. Grund für seine Freistellung sollen zahlreiche SMS-Nachrichten sein, die er unter anderem auch an einen Minderjährigen verschickt haben soll. Der Mann soll die Taten eingeräumt haben.

Die katholische Kirchengemeinde Heiliger Johannes der Täufer in Bedburg-Hau ist eine Vorzeigepfarrei. Ein Seelsorgeteam mit einer Pastoralreferentin und vier Pastoren, bemerkenswerte 257 Messdiener, stets genug Freiwillige, um die Gremien zu besetzen und sieben schöne Gotteshäuser. Bis vergangene Woche. Am Sonntag, 9. Dezember, las ein Pfarrer noch die Messe. Einen Tag später war er nicht mehr da. Der Bischof von Münster, Felix Genn, hatte den Geistlichen von allen priesterlichen Ämtern freigestellt.

Die Nachricht traf die Gläubigen wie aus heiterem Himmel. Kurzfristig wurde am selben Tag eine Sitzung des Pfarreirats und des Kirchenvorstands einberufen. An der nahmen überraschend auch der Xantener Weihbischof Rolf Lohmann und der Generalvikar des Bistums, Klaus Winterkamp, teil. Den Gremien wurde vage mitgeteilt, warum der ehemalige Pfarrer freigestellt wurde. Details wollte das Bistum nicht preisgeben, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Um 10 Uhr war der Pfarrer entpflichtet worden, um 11 Uhr hatte er seine Sachen gepackt und die Kirchengemeinde verlassen. Bis heute ist von der Diözese nichts offiziell zu dem Vorfall veröffentlicht worden.

Wieder soll es um Kurznachrichten gehen, die ein Geistlicher per Handy versandt haben soll. Erst im Januar war in der Nachbargemeinde Kleve-Materborn ein Pfarrer entpflichtet worden, weil er fast zwei Jahre lang tausende Whatsapp-Nachrichten mit einem Minderjährigen ausgetauscht hatte. Damals stufte das Bistum den Vorfall als „unangemessenes Kommunikationsverhalten“ ein. Vor etwa zwei Monaten sagte Bischof Genn auf einer Fachtagung: „Allzu oft, so die Befürchtung, geht psychischer und geistlicher Missbrauch dem sexuellen Missbrauch voraus.“ Seine Befürchtung hat sich anscheinend wieder bewahrheitet.

In dem aktuellen Fall, der zu der Freistellung des Klerikers führte, sollen es SMS-Nachrichten sein, die er an einen Fast-Volljährigen und zwei 19-Jährige gesendet haben soll. Die Betroffenen sind alle Messdiener in der Pfarrei und waren dem Geistlichen dadurch nah. Nach den Sommerferien soll er stetig mehr Nachrichten verschickt haben, teilweise bis tief in die Nacht. Beantwortet wurden diese nahezu alle nicht, denn der Inhalt wurde offenbar immer schamloser. Zunächst sollen es Anreden wie „mein Prinz“ oder „mein Schatz“ gewesen sein, irgendwann seien sexuelle Aufforderungen dazugekommen. Die Aufforderungen seien bis hin zum Verlangen nach körperlichem Kontakt gegangen.

Nachdem von dem Pastor über Monate hinweg Mitteilungen verschickt worden waren, hielt es einer der 19-Jährigen nicht mehr aus. Er offenbarte sich dem zweiten Priester, der einen guten Kontakt zu den Jugendlichen hat und auch die Messdienergruppen leitet. Dieser informierte das Bistum, das mit der Entpflichtung reagierte. Erst nachdem der Priester die Gemeinde verlassen hatte, meldeten sich die beiden anderen Opfer. Ob es unter den 257 Messdienern der Gemeinde noch weitere Betroffene gibt, ist unklar.

Die Eltern eines 19-Jährigen haben bereits Strafanzeige bei der Klever Staatsanwaltschaft gestellt. Den Eingang bestätigte Oberstaatsanwalt Günter Neifer. Auch das Bistum hat eine Anzeige „wegen möglicher Delikte“ erstattet, und zwar bei bei der Oberstaatsanwaltschaft Münster. „Bei sexuellem Missbrauch gibt es unterschiedliche Schweregrade und Formen des Vergehens. Was passiert ist, soll die Staatsanwaltschaft prüfen und entscheiden, in welche Richtung ermittelt werden kann“, sagt der Sprecher des Bistums. Man habe den Strafverfolgern Informationen zur Verfügung gestellt, auch in den zwei weiteren Fällen würden Erkenntnisse an die Behörde weitergeleitet, so der Sprecher. Offenbar rechnet das Bistum nicht damit, dass es bei den drei bekannten Fällen bleibt. „Wer noch betroffen ist, der soll sich melden und sich entweder an die Kirche wenden oder erst an die Staatsanwaltschaft.“ Auch die Eltern des Minderjährigen werden eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Kleve einreichen.

Der jetzt freigestellte Seelsorger wirkte vor seiner Stelle in Bedburg-Hau in mehreren anderen Pfarreien. Nach Informationen unserer Redaktion soll es dort einen ähnlichen Fall gegeben haben. Ein mögliches derartiges Vergehen wollte der Sprecher des Bistums weder bestätigen noch dementieren. Der Priester darf sein Amt nicht mehr ausüben und keine priesterliche Kleidung tragen. Für eine Stellungnahme war er nicht erreichbar.

Am Sonntagnachmittag traf sich die Gemeinde in dem Hauer Gotteshaus. Dort wurde konkreter über die Vorkommnisse informiert. So habe der entpflichtete Geistliche die Vorwürfe zugegeben. Zum Abschluss der Versammlung erklärte ein Kollege des entpflichteten Priesters: „Die Masche hatte krankhafte Züge. Es ist gut, dass die Jungs sich wehren und stabil sind.“

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