Baumhoff macht solo weiter

Baumhoff macht solo weiter

Thomas Baumhoff war Songwriter und Gitarrist bei der Düsseldorfer Band Subterfuge. Offiziell weilt die Gruppe im "Urlaub". Kürzlich hat der Designer ein Soloalbum veröffentlicht, in dessen Liedern er Autobiografisches und Fiktives vermischt. Eine Begegnung.

"Wir machen Urlaub", heißt es auf der Webseite der Düsseldorfer Gitarrenband Subterfuge. "Wir liegen auf Eis", könnte es auch heißen, denn seit dem letzten Album "The Legendary Eifel Tapes" sind nun auch schon einige Jahre vergangen. Der 39-jährige Sänger, Gitarrist und Songschreiber Thomas Baumhoff hat allerdings in dieser Zeit keine Ferien gemacht. Er hat weiter Songs aufgenommen. Am Freitag spielt er als Unterstützung von Pohlmann im Treibgut Lieder aus seinem jüngsten Album.

Beim Treffen wirkt er ausgesprochen aufgeräumt, mit dunklen, wachsamen Augen und einem adretten Hemd. Er kommt gerade aus seiner Firma Lobo Design, die er gemeinsam mit Lars Loick betreibt, nach dem Gespräch holt er seinen dreijährigen Sohn aus dem Kindergarten ab. Haben wir da schon die Gründe, warum es mit der Band nicht mehr weitergeht: Familie, Beruf? "Natürlich ist es schwer, diese Dinge miteinander zu vereinbaren. Es war aber vor allem so, dass uns die fehlende Resonanz auf die Eifel Tapes frustriert hat, gerade weil ich es für unser bestes Album halte. Aber wenn man nach all den Jahren vor zwanzig Leuten irgendwo in irgendeiner Stadt spielt, denkt man sich schon: Wofür mache ich das eigentlich?"

Die Enttäuschung hat Baumhoff allerdings nicht davon abgehalten, in den vergangenen fünf Jahren neues Songmaterial aufzunehmen und im Mai unter dem Namen Ponyboy and Lovely Jeannie zu veröffentlichen. Die bezaubernde Jeannie ist musikalischer Partner Thomas Hannes. "Dafür habe ich zunächst mal für mich teilweise neue Musik gehört. Subterfuge sind ja von Bands wie The Cure beeinflusst worden. Danach war es moderne Country Musik wie bei Gram Parsons, die von Rick Rubin produzierten Johnny Cash-Alben, aber auch Randy Newman." Glücklicherweise kann man die Einflüsse nur erahnen, zu eigenständig ist das melodiöse Songwriting, zu prägnant die englischen Texte.

Da muss die eigentlich unsinnige Frage gestattet sein: warum nicht auf Deutsch? "Ich habe beim Texten immer einen ersten Satz, und der kommt einfach auf Englisch, vielleicht, weil ich es so gewohnt bin. Ich achte aber auch sehr darauf, dass die Aussprache und die Grammatik stimmen. Da frage ich auch schon mal nach." So taucht in Songs wie "Winnetou" auch Biografisches auf, das mit Erfundenem vermischt wird. ",Buffalo' beruht auf einem Erlebnis aus meiner Zeit als Zivildienstleistender in Grafenberg. Da war ein alter schwarzer Mann, der nie etwas gesagt hat, außer seinem Namen und dass er aus Buffalo käme. So entstehen bei mir Songs."

Die Lieder wurden mit einer ganzen Reihe von Musikern in verschiedenen Studios aufgenommen, auch in der beeindruckenden Wohnung Baumhoffs. "Wir haben eine alte Dachwohnung um- und ausgebaut, und es fühlt sich an, als würden wir in einem hoch gelegenem Haus wohnen." In den Regalen dieser Wohnung finden sich auch Zeugnisse von Baumhoffs Sammelleidenschaften, von denen eine Langspielplatten sind. "Ich kann mich aber auch trennen, um Ballast abzuwerfen. Bei meinem letzten Umzug habe ich einfach zwei Kisten zum Sperrmüll gestellt." Ein Satz, der Plattensammler erbleichen lässt. Die Reue kam später. "Letzens wollte ich mal wieder ein Bob Mould-Album hören, dann fiel mir ein, das war ja in den Kisten."

(RP)
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