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Haan: Bauern: Schlechteste Ernte seit 2003

Haan : Bauern: Schlechteste Ernte seit 2003

Das heiß-trockene Frühjahr und der verregnete Sommer haben den Landwirten die Ernte verdorben: Das Getreide-Ergebnis werde bis zu zwölf Prozent unter dem des Vorjahres liegen, schätzt der Deutsche Bauernverband. Die Nahrungsmittelpreise könnten leicht steigen.

Das neun Hektar große Weizenfeld von Gerhard Rosendahl ist bis auf den letzten Halm abgemäht. "Endlich ist die Ernte eingebracht", sagt der Landwirt aus Haan erleichtert. Hinter ihm liegt eine schwierige Saison. Jeden einigermaßen trockenen Tag in diesem verregneten Sommer hat der 49-Jährige genutzt, um sein Getreide zu dreschen. Rund 90 Tonnen Weizen lagern jetzt in seinem Getreidespeicher – was sich viel anhört, aber vergleichsweise wenig ist: "Obwohl ich in diesem Jahr den Weizen auf meinem besten Feld angebaut habe, rechne ich mit einem Ernteverlust von etwa zehn Prozent", sagt Rosendahl. So geht es vielen seiner Kollegen.

Laut Deutschem Bauernverband stellen sich die Landwirte auf die schlechteste Ernte seit acht Jahren ein: Bundesweit werden sie 2011 voraussichtlich nur etwa 39 Millionen Tonnen Getreide einfahren. Das sind zwölf Prozent weniger als im Vorjahr, heißt es in einer gestern veröffentlichten Schätzung des Bauernverbandes. Im Rheinland, wo in diesem Jahr etwa 2,2 Millionen Tonnen Winterweizen geerntet werden, rechnen die Bauern mit einem Ertrag von 79 Doppelzentnern pro Hektar – zwei Doppelzentner weniger als im langjährigen Durchschnitt, wie es beim Rheinischem Landwirtschaftsverband (RLV) heißt. "Das ungewöhnlich heiße, trockene Frühjahr und der verregnete Sommer lassen uns auf das Niveau des Hitzejahres 2003 fallen", sagt RLV-Sprecher Stefan Sallen.

Für etwas Entspannung bei den Landwirten sorgen zwar die Erzeugerpreise, die seit Beginn der Erntesaison leicht angezogen haben: Erhielten die Bauern bis vor kurzem 185 Euro pro Tonne Brotweizen, sind es jetzt 192 Euro. Für Brotroggen, von dem allerdings deutlich weniger produziert wird, bekommen sie laut Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft mehr als 200 Euro pro Tonne – 40 Euro mehr als im August vergangenen Jahres.

Von den Preisen profitieren die Landwirte jedoch nur in dem Rahmen, in dem sie ihre Kunden tatsächlich beliefern können: "Vielen Bauern bereitet es schon größte Mühe, geschlossene Vorverträge einhalten zu können", berichtet Klaus Kliem vom Deutschen Bauernverband. Zudem erhalten sie die Preise nur für hochwertiges Getreide, das zur Lebensmittelproduktion verwendet werden kann.

Normalerweise gilt das für etwa die Hälfte des Winterweizens, der in Nordrhein-Westfalen auf 290 000 Hektar angebaut wird: 1,45 Milliarden Brote könnten daraus theoretisch gebacken werden. In diesem Jahr werden es wohl deutlich weniger sein. Die Frühjahrshitze und der Sommerregen haben dem Getreide geschadet: Zum Ende der Saison war der Weizen zwar reif, aber zu feucht, um geerntet zu werden – und stand wochenlang auf dem Feld.

Gerhard Rosendahl wird in den nächsten Tagen erfahren, ob sein Getreide für die Brotherstellung taugt oder verfüttert werden muss. Ein Gutachter der Genossenschaft überprüft dann unter anderem den Eiweißgehalt, der beim Brotweizen mindestens zwölf Prozent ausmachen muss. Für den Landwirt bedeutet das Urteil des Prüfers einen großen finanziellen Unterschied: Momentan bekommt er für jeden Doppelzentner einen Euro mehr, wenn sein Korn als Brotweizen verkauft wird.

Der Anstieg der Nahrungsmittelpreise, den der Deutsche Bauernverband im Zusammenhang mit der schlechten Ernte-Prognose ankündigt, lässt sich auf die bescheidene Saison-Bilanz allerdings nicht zurückführen. Der Verband geht von einem "Anstieg der Preise im Rahmen der allgemeinen Inflationsrate" aus, wie es heißt. Pro Brötchen entfalle aber gerade ein "Getreide-Cent" auf den Bauern, betont RLV-Sprecher Stefan Sallen. Der Erzeugerpreis müsste um fast 100 Prozent auf 360 Euro pro Tonne steigen, um eine Erhöhung des Brötchenpreises um einen Cent zu rechtfertigen, erklärt der Fachmann. Die gestiegenen Kosten für Düngemittel und Energie seien es, die die Preise für Getreideprodukte nach oben treiben.

(RP)