Düsseldorf: Bakterien bedrohen Kastanien

Düsseldorf: Bakterien bedrohen Kastanien

Im Herbst Kastanien zu sammeln, kann in manchen Gegenden in Zukunft schwierig werden. Denn ein Bakterium hat viele Rosskastanien im Land befallen, sie verfaulen von innen. Ist ein Baum erkrankt, hilft nur die Kettensäge. Das Holz muss verbrannt werden.

Für vier Kilo Kastanien hat Carlos Rosen auf dem Kastanienfest in Rheinberg gestern im Tausch ein Kilo Äpfel bekommen. Deshalb hat er in der vergangenen Woche am Rheinberger Außenwall fleißig die stacheligen Früchte gesammelt – gemeinsam mit seiner Mutter Sonja, Hund Fixi und Sabrina Fünderich. An der Allee stehen besonders viele Rosskastanien, hier lohnt sich das Sammeln für die Kinder. Die Werbegemeinschaft der Gemeinde veranstaltet die große Tauschaktion schon seit mehreren Jahren und sammelt so Kastanien zur Wildfütterung.

Doch gefräßige Bakterien lassen derzeit in Nordrhein-Westfalen die Kastanienbäume reihenweise sterben. Schon im Sommer sahen viele der Bäume so aus, als hätte bereits der Herbst Einzug gehalten: welke Blätter, lichte Kronen. Die Schädlinge verursachen das Phänomen der blutenden Rosskastanien. Sind die Bäume erst einmal befallen, hilft nur noch die Kettensäge. Eine Möglichkeit, die Erkrankung biologisch oder chemisch zu behandeln, gibt es nicht.

"Es ist erschreckend, wie sich das in diesem Jahr ausgebreitet hat", sagt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW. Deren Pflanzenschutzdienst wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche Schäden gemeldet. Der hohe Befall sei möglicherweise auf das feuchte Frühjahr zurückzuführen, vermutet Rüb: "Bakterien haben es gerne nass." Dabei schlichen sich die Schädlinge durch natürliche Öffnungen in die Rinde und von dort in das Holz ein, erklärte eine Pflanzenschutz-Expertin der Kammer.

Danach ist die Erkrankung eines Baumes an schwarzen oder verkrusteten Stellen an der Rinde des Stammes zu erkennen. Darunter entstehen später Risse. "Die austretende Flüssigkeit ist eine Abwehrreaktion des Baums gegen die Bakterien", erklärt Rüb. Auch helleres Laub oder das Absterben der Kronen deuten auf einen Befall hin. Gegen das Bakterium gibt es kein wirksames Mittel. "Die Bäume faulen von innen heraus und müssen gefällt werden", sagt Rüb. "Wenn der Baum an einer Straße steht, kann man damit nicht warten, bis er auseinanderfällt."

  • Langenfeld/Monheim : Miniermotte schädigt Kastanienbäume

Nach jedem gefällten Baum müssen die Geräte und die Arbeitskleidung desinfiziert und die Bäume verbrannt werden. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind notwendig, um die Übertragung auf andere Bäume zu verhindern. Vermutlich werden die Bakterien in der Blütezeit durch Insekten und durch Arbeiten an Bäumen verbreitet.

Das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi war erstmals 2006 in Nordrhein-Westfalen an Rosskastanien nachgewiesen worden. Es befällt bisher nur die weiß- und rotblühende Kastanie. Wie der Baum selbst ist auch das Bakterium in Deutschland nicht heimisch, sondern eingewandert. Zuvor war es bereits 2002 in den Niederlanden aufgetaucht. Vermutlich ist es von dort durch den Wind nach Nordrhein-Westfalen gekommen. Die eigentliche Heimat des Erregers ist unbekannt, Experten vermuten aber den asiatischen Raum als Herkunft. "Wenn man Pflanzen importiert, kommen die Krankheiten und Schädlinge hinterher", sagt Rüb. In den vergangenen Jahren hatte der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer aber wieder weniger Befall beobachtet. "Ich dachte schon, das wäre erledigt." Auch Bernd Margenburg, Leiter des Fachausschusses Botanik beim Naturschutzbund NRW (Nabu), betont: "Wir müssen darauf achten, wie sich die Bakterien entwickeln." Noch wisse man zu wenig.

Kastanien haben ohnehin mit Feinden wie etwa der Miniermotte zu kämpfen. Die hungrigen Larven sorgen bereits seit mehreren Jahren dafür, dass vor allem die weißblühenden Rosskastanien je nach Befall bereits im Sommer anfangen, ihre Blätter abzuwerfen. Wer verhindern will, dass die Motten sich vermehren, muss das Kastanienlaub schnell zusammenkehren. Denn diejenigen Motten, die den Winter im Laub überlebt haben, legen im Frühjahr ihre Eier auf den jungen Blättern ab. Nach dem Schlüpfen geht es los: Die Raupen bohren sich in die Blätter und legen dort einen Fressgang an, erkennbar als weißer Strich. Werden sie älter, bauen sie ihre Mine fast kreisrund aus, spinnen sich zur Puppe ein und entwickeln sich in zwei Wochen zu einem neuen Schmetterling. Pro Jahr kann es zu drei bis vier Generationen kommen.

(RP)
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