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Bahnstreik NRW: In Nordrhein-Westfalen fuhren trotz des Bahnstreiks viele Züge beim VRR

Familienunternehmer attackieren GDL : In NRW fuhren trotz des Bahnstreiks viele Züge

Der Lokführerausstand traf den Schienenverkehr empfindlich, aber legte ihn nicht lahm. Grund dafür sind vorrangig die Privatbahnen. Aber auch 40 Prozent der Regionalzüge der Deutschen Bahn fuhren. Eine Wirtschaftsvereinigung attackiert die GDL hart.

Obwohl die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) ihre Mitglieder kurzfristig großflächig für den Arbeitskampf  mobilisiert hatte, kam am Mittwoch der Zugverkehr in NRW nicht völlig zum Erliegen. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) erklärt, rund 60 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen seien gefahren, weil sie von Wettbewerbern der Deutschen Bahn (DB) wie Abellio, Keolis, der Regiobahn oder der Nordwestbahn betrieben werden. Und DB Regio erklärte, bundesweit seien von ihre eigenen Regionalzügen rund 40 Prozent unterwegs gewesen. Damit müssten mehr als 70 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen in NRW gefahren sein.

Auf Bundesebene fuhr nach DB-Angaben rund ein Viertel der Fernzüge. In Düsseldorf bestätigte am Mittwochvormittag schon ein flüchtiger Blick auf die Abfahrtsanzeige am Hauptbahnhof, dass viele Züge sehr wohl verkehrten: Zwischen 10.50 und 11.20 Uhr fuhren von 25 angekündigten Zügen immerhin 13, darunter die nach Berlin, München und nach Zevenaar in den Niederlanden. Bei den Regionalbahnen und S-Bahnen bestätigte sich die Erwartung, dass die vielen  Züge, die die Wettbewerber der Bahn wie Abellio, für die Verkehrsverbünde betreiben, fast ohne Probleme unterwegs waren, wogegen die DB im Fernverkehr auf Bundesebene nur einen Notfahrplan aufrechterhalten konnte.

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Im Regionalverkehr im Land fielen zehn Linien der DB Regio sowie zwei S-Bahn-Verbindungen aus, wie das Unternehmen bekanntgab. Der Verkehr sei hier „massiv beeinträchtigt“. Betroffen gewesen seien unter anderem die Linien RE2 von Düsseldorf über das Ruhrgebiet ins Münsterland und RE9 von Aachen über Köln nach Siegen. Zehn weitere Linien fuhren nur mit Einschränkungen, darunter die von Pendlern viel genutzten S-Bahn-Linien S1 und S6 zwischen dem Ruhrgebiet und dem Rheinland und Düsseldorf.

Uneingeschränkt fuhren laut DB aber auch einige ihrer eigenen Züge in NRW – darunter der RE17 von Hagen nach Schwerte, die RB27 von Mönchengladbach nach Koblenz, RB33 von Aachen über Mönchengladbach nach Essen und die S5 von Dortmund nach  Hagen.  Nur stündlich fuhren die S11 (Düsseldorf-Bergisch Gladbach), die S12 (Horrem-Eitorf) und die S19 von Düren nach Hennef.

Der DB-Wettbewerber Abellio erklärte, von dem Arbeitskampf nicht „unmittelbar betroffen“ zu sein. Allerdings kam es am frühen Morgen zum Ausfall von vier Zügen des RE11 von Düsseldorf nach Kassel, weil ein Stellwerk unterbesetzt war. Sehr wichtig für die Region war, dass der RE1 von Aachen über Köln nach Hamm anscheinend  ohne Probleme fuhr, eine der wichtigsten Zugrouten des Landes.

Die Verkehrsverbünde und die Bahn raten Fahrgästen und Pendlern dazu, sich bei der digitalen Fahrplanauskunft zu informieren, welche Züge ausfallen.

Der Verband der Familienunternehmer hat derweil massive Kritik an der Lokführergewerkschaft GDL wegen des Bahn-Streiks und auch an der Bundesregierung geübt. „Der GDL-Streik kommt zur Unzeit. Mitten in der Pandemie, in der viele Unternehmen mit wirtschaftlichen Unsicherheiten zu kämpfen haben und viele Bahnstrecken im Westen durch die Flut nicht nutzbar sind, werden sie durch den Streik ausgebremst“, sagte Verbandspräsident Reinhold von Eben-Worlée unserer Redaktion.„Tausende Pendler und Reisende werden von der Lokführergewerkschaft in ,Geiselhaft´ genommen. Die GDL verlässt den Pfad der Verhältnismäßigkeit. Hier rächt sich, das trotz der Erfahrungen der Vergangenheit, der Gesetzgeber sich bisher nicht zu einer Reform des Streikrechts in der öffentlichen Daseinsvorsorge durchringen konnte“, sagte Eben-Worlée. „Die Aufrechterhaltung der Grundversorgung, eine Ankündigungspflicht des Streiks von mindestens vier Tagen oder dass der Streik erst aufgenommen werden darf, wenn es vorher ein Schlichtungsverfahren gab, sind alles Punkte, die schon lange hätten umgesetzt werden können. Hier ist der Staat nicht nur als Gesetzgeber, sondern auch als Anteilseigner in der Verantwortung, sich nicht von der GDL erpressen zu lassen.“