Bach-Messe in Johanneskirche

Bach-Messe in Johanneskirche

Johann Sebastian Bachs h-moll-Messe gilt manchen als größtes musikalisches Kunstwerk überhaupt. Tatsächlich sprengt Bachs Komposition jeden Rahmen und stellt insbesondere für Chöre eine Ehrfrucht gebietende Herausforderung dar.

Denn kaum ein zentrales Werk der geistlichen Musik stellt den Chor derart in den Mittelpunkt des Geschehens und fordert mehr Beweglichkeit, schwindelfreie Höhen und Kondition. Kein Wunder also, dass der Kölner Kammerchor Consono sich zum zehnten Geburtstag ausgerechnet die h-moll-Messe vornahm, obwohl das Ensemble sich sonst eher auf selten zu hörende a-cappella-Werke spezialisiert hat. Diese Erfahrung kommt Bach natürlich zugute, gerade die heiklen, aus dem Nichts zu bewerkstelligenden freien Einsätze im "Et incarnatus"-Chor, aber auch die mystische, quasi a-cappella-Passage im "Confiteor", in der innerhalb von 24 Takten 24 Tonarten durchschritten werden, gelangen daher makellos. Beeindruckend insgesamt die lupenreine Ansatzkultur, die sicher gehaltene Intonation bei gänzlich unforcierter Stimmgebung, die schlackenlosen, sauber zeichnenden Koloraturen und das runde, doch schwebend transparente Gesamtklangbild dieses Edel-Chors.

Ein bisschen schade war es da schon, dass die nur unten gut gefüllte Johanneskirche durch die beinahe unbesetzten Emporen einen zu halligen Klangraum bot, der die musikalische Feinarbeit der Ensembles häufig ins Diffuse verwischte. Höchst differenziert auch das Rheinische Kammerorchester mit alten Instrumenten, das mit exzellenten Soli und musikantischer Emphase bestach. Ohne Fehl und Tadel das bestens austarierte Solistenensemble mit Meike Leluschko (Sopran), Franz Vitzthum (Altus), Ulrich Cordes (Tenor) und Lucas Singer (Bass). Harald Jers am Dirigentenpult frappierte durch sparsamste, fast lapidare Zeichengebung. Da hätte man sich an mancher Stelle doch ein bisschen mehr Expression gewünscht.

(RP)