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Köln/Roermond: Ausgesetzte Babys sind Geschwister

Köln/Roermond : Ausgesetzte Babys sind Geschwister

Zwei Findelkinder aus Hürth und Roermond haben sich als Bruder und Schwester erwiesen. Das ergab ein DNA-Test. Die Babys waren von ihrer Mutter ausgesetzt worden – das Mädchen im Oktober 2011, der Junge im Juni dieses Jahres.

Zwei Findelkinder aus Hürth und Roermond haben sich als Bruder und Schwester erwiesen. Das ergab ein DNA-Test. Die Babys waren von ihrer Mutter ausgesetzt worden — das Mädchen im Oktober 2011, der Junge im Juni dieses Jahres.

Die kleine Parkanlage in Roermond ist an diesem Juni-Morgen mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Die Polizei sichert auf einem Grünstreifen Spuren, nimmt Fußabdrücke im Sand, packt eine Stoffdecke in eine Plastiktüte. Eine junge niederländische Polizistin hält ein kleines Baby im Arm, das laut schreit — wahrscheinlich nach seiner Mutter, denn die ist nicht da. Der erst wenige Tage alte Junge wurde dort abgelegt, eingewickelt in eine Decke. Spaziergänger hatten das schreiende Baby entdeckt und die Polizei verständigt. Die Ermittler wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass das gefundene Baby eine Schwester hat, die zwei Jahre zuvor auf einer Raststätte bei Hürth ebenfalls ausgesetzt und gefunden worden war.

Denn erst jetzt ergab ein DNA-Test, dass die beiden Findelkinder Geschwister sind. Nun suchen die Sicherheitsbehörden in NRW und den Niederlanden zusammen nach der Mutter der beiden Kinder. In einer gemeinsamen Pressekonferenz veröffentlichten die Ermittler gestern Fotos der Babys und vom Fundort. Auf deutscher Seite führen Kölner Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. "Es ist eindeutig erwiesen, dass die Kinder dieselbe Mutter haben", erklärt Oberstaatsanwalt Daniel Vollmert. "Das hat ein Abgleich mit den Spuren aus der DNA-Datenbank ergeben." Die gesuchte Frau soll zunächst im Oktober 2011 das Mädchen an einer Autobahnraststätte bei Hürth in der Nähe abgelegt haben. Das Baby war damals einem Rentner von einem Mann an einem Glascontainer übergeben worden. Der Unbekannte, der laut Polizei nur gebrochen Deutsch sprach, soll dem älteren Mann gesagt haben, dass er das Kind im Wald gefunden habe. Dann verschwand er. "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es sich bei dem Mann um den Vater gehandelt hat", sagt Vollmert. Der Abstand zwischen den beiden Fundorten in Hürth und Roermond beträgt rund 100 Kilometer. Beide Babys waren laut Polizei gesund und wohlauf, als sie gefunden wurden. Bislang fehlt von der Mutter jede Spur.

Die deutschen Ermittler suchten seit zwei Jahre vergeblich nach neuen Hinweisen in dem Fall. Doch nach wie vor ist die NRW-Polizei auf Ermittlungsergebnisse ihrer niederländischen Kollegen angewiesen. "Wir hoffen, dass sich an der gefundenen Babydecke möglicherweise noch weitere DNA-Spuren von anderen Personen finden lassen, die wiederum in der polizeilichen Datenbank stehen", erklärt Vollmert. "Aber da müssen wir erst noch auf die Laborergebnisse warten." Die Polizei schließt zudem nicht aus, dass die gesuchte Frau noch w eitere Babys ausgesetzt haben könnte als die zwei bisher gefundenen. Die niederländischen und deutschen Jugendämter überprüfen nun, ob das in Köln entdeckte Mädchen in dieselbe niederländische Ersatzfamilie wie ihr Bruder gegeben werden kann. "Wenn die beiden schon ohne Mutter aufwachsen müssen, dann wäre es doch wenigstens ehr schön, wenn sie zusammen groß werden können", sagte ein Polizeisprecher.

Der gesuchten Mutter drohen bei einer Verurteilung in Deutschland bis zu zehn Jahren Haft. "Das Urteil mildern könnte der Umstand, dass es beiden Babys gut ging, als sie gefunden wurden", erklärt Oberstaatsanwalt Vollmert. Der Bürgermeister von Roermond brachte auf der Pressekonferenz aber auch ein wenig Verständnis für die Mutter auf. Er sagte, dass die Frau und andere Personen, die womöglich an der Aussetzung beteiligt gewesen sein könnten, Hilfe und Schutz benötigten. Die Frau müsse sehr verzweifelt gewesen sein, um so etwas tun zu können. "Eine drohende Strafe kann die Mutter daran hindern, dass sie mit ihren Kindern Kontakt aufnimmt" sagte der Bürgermeister.

(RP)