Zu Gast beim Grafen Eltz

Ein Ausflug an die Mosel : Zu Gast beim Grafen Eltz

Die Burg Eltz ist eine der schönsten Burgen im Land. Viele Besucher kommen immer wieder in das stille Seitental der Mosel – der besondere Geist lockt sie dorthin.

Denkt man an eine mittelalterliche Burg, so kommen einem Zugbrücken, Schießscharten, dunkle Gewölbe und kalte und zugige Räume in den Sinn – das typische Bild, das uns Film und Fernsehen gern vermitteln. Jeder, der Burg Eltz kennt, weiß, dass es hier ein wenig anders ist: Betritt man das Innere, wirkt es fast so, als lebten die Eigentümer zwischen den alten Mauern. Und weil die Burg noch immer im Familienbesitz ist, ist es so, als würde Graf Eltz seinen Besuchern persönlich die Haustür öffnen.

Einer, der das genau weiß und in den vergangenen fünf Jahren als Burgführer schon vielen Besuchern dieses Gefühl nähergebracht hat, ist Christopher Kaluza. Der 27-Jährige hat in Mainz und Caen studiert, jetzt lebt er im rund 40 Kilometer entfernten Weißenthurm am Rhein. Was die Burg so besonders macht und warum ein Besuch lohnt, verrät er an einem Freitagnachmittag bei einer Tour durch jene Gemäuer, die 30 Jahre lang den 500-Mark-Schein zierten.

„Allein die Lage ist schon bemerkenswert. Das überrascht die Leute“, sagt Kaluza – denn Burg Eltz liegt unten im Tal, statt auf einem Berg zu thronen. Wer sich aus Richtung Wierschem vom Parkplatz aus zu Fuß auf den Weg macht – und das tun die meisten Gäste –, genießt den ersten Blick vom Aussichtspunkt auf das Gemäuer. Kaum einer, der da nicht die Kamera oder das Handy zückt.

Romanik, Gotik, Renaissance: Der Innenhof von Burg Eltz ist eine Mischung aus vielen verschiedenen Baustilen. Foto: Jens Weber/Foto: Jens Weber

Perspektivwechsel: Von der Mosel aus führen schmale Pfade in das Elztal. Nähert man sich der Burg aus dieser Richtung, wirkt sie gänzlich anders. Man sieht sie auf ihrem Schieferfelsen majestätisch vor sich aufragen und freut sich über ein nicht minder tolles Fotomotiv.

Was Burg Eltz neben ihrer Lage noch besonders macht? Zum Beispiel die Tatsache, dass es sie überhaupt noch gibt! Vom 12. bis zum 17. Jahrhundert wurde sie erbaut – und nie zerstört. Während anderswo nur noch Ruinen die einstige Pracht und Wehrhaftigkeit von Burgen und Schlössern erahnen lassen, blieb Burg Eltz in den vergangenen Jahrhunderten von Kriegen verschont. Gute Verbindungen und kluge Diplomatie haben dazu beigetragen, dass sie bis heute zum Besitz der Familie Eltz gehört – mittlerweile in der 33. Generation.

Zwar leben die Grafen nicht mehr auf ihrem ehrwürdigen Stammsitz, doch kommen sie regelmäßig zur Burg und kümmern sich um deren Belange. Ganz egal, ob es um teure Erhaltungsmaßnahmen geht oder um vermeintliche Kleinigkeiten. So wundern sich die Gäste bei jeder Führung, dass die Räume stets mit frischen Blumensträußen geschmückt sind – ein Wunsch der Familie Eltz, der es sehr am Herzen liegt, ihren Besuchern eine wohnliche Atmosphäre zu vermitteln.

Christopher Kaluza (27) führt bereits im fünften Jahr durch die Burg Eltz. Foto: Jens Weber/Foto: Jens Weber

Der Geist der Burgherren soll zu spüren sein. „Es wirkt auf die Menschen immer so, als sei gerade eben jemand zur Tür raus. Es macht die Räume sehr viel angenehmer“, beschreibt Kaluza die Situation, wenn er mit einer Gruppe Besucher einen Raum voller Blumen betritt. „Andere Schlösser und Burgen, die ich kenne, bieten das nicht“, sagt der 27-Jährige mit etwas Stolz in der Stimme.

Die Burg birgt unbezahlbare Kunstschätze – nicht nur in der Rüst- und Schatzkammer. „Es fängt schon im zweiten Raum an, wenn die Leute das Bild von Lucas Cranach dem Älteren sehen“, erklärt Kaluza. Viele Gäste fragen an dieser Stelle erstaunt, ob die „Madonna mit Kind und Weintraube“ wirklich das Original des berühmten Renaissancekünstlers ist, und sind beeindruckt, dass der Burgführer das mit einem deutlichen „Ja“ beantworten kann.

Für viele Besucher überraschend: Vom Aussichtspunkt aus liegt die jahrhundertealte Burg Eltz unten im Tal. Dennoch thront sie dort auf einem hohen Schieferfelsen. Foto: Jens Weber/Foto: Jens Weber

Natürlich darf man auch auf der Eltz die alten und teils zerbrechlichen Gegenstände nicht anfassen und in der Waffenkammer keinen Schaukampf mit den Hellebarden veranstalten, aber besonders in der Ferienzeit achten die Burgführer darauf, auf die jüngeren Besucher einzugehen. Spannend für die Kleinen ist unter anderem das Suchen und Finden der Tiere auf den Wandteppichen – auch wenn der Leguan im Gegensatz zum Vogel Strauß schwer zu erkennen ist: Er sieht nämlich aus wie ein Drache. Oder die Hocker im Kurfürstenzimmer, die von Kindern – aber auch von Erwachsenen – wegen der Tragegriffe immer für Spardosen gehalten werden. Auf Burg Eltz gibt es viele Überraschungen und Rätselhaftes für Groß und Klein. Und: Sich individuell auf die Besuchergruppen und ihre Interessen einzustellen, ist eine Stärke der Burgführer auf der Eltz. Keine Führung ist wie die andere.

So hat jeder Kollege auch seine Lieblingsecke: Christopher Kaluza beispielsweise schätzt den Kapellenerker im Rübenacher Haus am meisten. Die Buntglasfenster faszinieren nicht nur ihn, sie überraschen auch die Besucher immer wieder. „Die sind aus der Erbauungszeit, also sind wir dann im 15. und 16. Jahrhundert. Da bekommen die Gäste oft große Augen – und man hört wirklich das ein oder andere ‚Wow‘“, erzählt Kaluza.

Besucher aus aller Welt kommen jedes Jahr ins Elztal, um sich das versteckte Juwel anzuschauen und faszinierende Ein- und Ausblicke zu erleben: Ob aus Japan, Brasilien oder Ägypten – das Publikum auf der Eltz ist international. Auch prominente Gäste lockt es hierher: Die amerikanischen Präsidentengattinnen „Lady Bird“ Johnson und Rosalynn Carter sowie die Bundespräsidenten Carl Carstens, Horst Köhler und Christian Wulff waren unter anderem bei der Familie Eltz zu Gast.

Und Adel verpflichtet: Das schwedische Königspaar verband einen Urlaub in Deutschland kurzerhand mit einem entspannten Besuch auf Burg Eltz. König Carl Gustaf und Königin Silvia wollten sich die Burg wegen ihres besonderen Flairs unbedingt einmal ansehen. Empfangen wurden sie von Karl Graf zu Eltz und Gräfin Sophie.

Es gibt auch Neues auf der Eltz: Der Rittersaal wurde 2018 aufwendig restauriert. Nun sind die bunten Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert für die Gäste deutlich sichtbar – zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten. „Der Rittersaal ist für viele ohnehin der Höhepunkt der Führung“, weiß Kaluza aus Erfahrung – vor allem für Schulklassen. Die Kleinen haben eben ein besonders Faible für die eisernen Rüstungen.

Ein Dutzend Räume darf man besichtigen – ein Streifzug durch die Jahrhunderte, der knapp 40 Minuten dauert. Und am Ende hat man das ein oder andere dazugelernt, Wissen, das hängen bleibt. Etwa, dass der Kaffee durch die Belagerung Wiens durch die Türken nach Europa kam. Das Gute: Große und kleine Gäste werden nicht mit Jahreszahlen erschlagen, sondern bekommen Geschichte durch Geschichten lebendig vermittelt – und dazu hat der Besuch ein besonderes Flair. Man ist gleichzeitig in einem Museum und zu Besuch bei der Familie Eltz.

Info

Auf dem Wanderweg zur Burg

Burg Die Burg ist bis zum 3. November täglich von 9.30-17.30 Uhr (Start der letzten Führung) geöffnet. Eine Besichtigung der Innenräume ist nur mit einer Burgführung möglich. Diese starten etwa alle
10 bis 15 Minuten. Es werden auch Führungen in englischer Sprache angeboten. Der Eintrittspreis beträgt 10 Euro für Erwachsene und 6,50 Euro für Kinder, Studenten und Behinderte. Familien haben die Möglichkeit, für 28 Euro eine Familienkarte zu erwerben. Inbegriffen ist ein Besuch der Schatzkammer mit mehr als 500 Exponaten. Weitere Infos hier, Kontakt: Gräflich Eltz’sche Kastellanei, Tel. 02672 950500, E-Mail burg@eltz.de.

Anreise Wer mit dem Auto zur Burg Eltz will, kommt über die Orte Münstermaifeld und Wierschem am nächsten an das alte Bauwerk heran. Der burgeigene Parkplatz an der Antoniuskapelle kostet 2 Euro Parkgebühr. Zu Fuß oder mit einem Pendelbus
(2 Euro pro Person und Fahrt) kommt man ins Elztal. Weitere Parkmöglichkeiten sind – von der Mosel aus kommend – die Ringelsteiner Mühle bei Moselkern oder der Wanderparkplatz am Österhof bei Müden. Zugreisende steigen am besten am Bahnhof Moselkern aus und wandern den restlichen Weg zur Burg Eltz (etwa fünf Kilometer) – oder bestellen ein Taxi, das sie an den burgeigenen Parkplatz bringt.

Einkehr Die Burg verfügt über zwei Selbstbedienungsgaststätten (die Ober- und die Unterschänke). Wer nach seinem Besuch in der Umgebung ein Lokal sucht, wird in der nahe gelegenen Stadt Münstermaifeld fündig: Mitten im Ort – am Münsterplatz – gibt es mit der Pizzeria Vulcana eine gute Einkehrmöglichkeit. Wessen Weg in Richtung Mosel führt, der kommt im Schlosshotel Petry in Treis-Karden auf seine Kosten.

Gutwetterprogramm Wenn man nach dem Besuch der Eltz noch nicht genug von Burgen und Geschichte hat, empfiehlt sich eine Stippvisite in Cochem. Über dem Moselstädtchen thront die Reichsburg, das Wahrzeichen der Stadt, in der – ähnlich wie auf der Eltz – täglich Führungen angeboten werden. Außerdem bieten sich ein Bummel oder Schiffstouren auf der Mosel an.

Mit Kind und Kegel Wenn man mit Kindern unterwegs ist, kann ein wenig Kontrastprogramm zu den Museen nicht schaden. In Klotten, unweit von Cochem, gibt es einen bekannten Freizeitpark. Ob Achterbahn, Wildwasserrutsche oder Streichelzoo – auf dem Plateau oberhalb der Mosel ist für nahezu jeden Geschmack etwas dabei.

Für Wanderer Wanderfreunde können einen Besuch auf Burg Eltz mit dem Traumpfad Eltzer Burgpanorama verbinden. Auf dem 12,7 Kilometer langen Rundweg gilt es, insgesamt 397 Höhenmeter zu überwinden. Start- und Zielpunkt ist das Dorfgemeinschaftshaus in Wierschem.

Der nützliche Tipp Wer die Ruhe im Elztal genießen will, kommt am besten unter der Woche und außerhalb der Ferienzeit. Sollte man an Ferienzeiten und Wochenenden gebunden sein, empfiehlt sich ein Besuch vor 11 oder nach 15 Uhr, um die Stoßzeiten um den Mittag zu umgehen. Der klassische Fotostandort ist übrigens der Aussichtspunkt zwischen dem Parkplatz an der Antoniuskapelle und Burg Eltz.

Weitere Ausflugstipps aus unserer Serie „Landpartie“ finden Sie hier.