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Extersteine in Ostwestfalen: Die geheimnisvollen Felsen

Tipps für den Urlaub nebenan : Die Externsteine – Deutschlands Stonehenge in Ostwestfalen

Eine bizarre Felsformation mitten im Wald, rätselhafte in den Stein geschlagene Anlagen und ringsherum ein zum Wandern oder Radfahren einladendes Naturschutzgebiet – die riesigen Externsteine in Ostwestfalen bieten sich zu einem Tagesausflug oder gleich zu einem längeren Aufenthalt in der Umgebung an.

Die Externsteine sind ein Ort der Entschleunigung, ein Naturwunder, das den Besucher staunen und auch ein wenig demütig werden lässt: Mit unvorstellbarer Langsamkeit hat sich einst die gigantische Felsformation aus dem Boden gepresst, jeder Millimeter nach oben benötigte dafür rund 650 Jahre. „Damals war hier noch ein Meer, das sich von der Nordsee bis zum Sauerland erstreckte“, berichtet Günter Seeliger. „Zwei tektonische Platten arbeiteten gegeneinander und türmten den Sandstein auf.“ Seeliger arbeitet seit rund zehn Jahren als Gästeführer und Besucherberater des Landesverbandes Lippe, der für das außergewöhnliche Bodendenkmal zuständig ist. Zehn Jahre erläutert er bereits Besuchern die Details und Hintergründe der seltsamen Steinformation, umgerechnet aber weniger als einen Wimpernschlag lang in der nahezu unendlichen Geschichte der Externsteine ...

Vor 130 Millionen Jahren gab es die Menschen noch gar nicht. Doch kaum waren sie da, hinterließen sie ihre Spuren auf und um die Felsen. Nachweisbar sind diese menschlichen Aktivitäten seit etwa 10.000 Jahren: Zunächst waren es Jäger und Sammler, dann wurden die mächtigen Steine religiös genutzt, was manche von einem „deutschen Stonehenge“ sprechen lässt. „Mönche lebten in einer kleinen Höhle und beteten dort“, weiß Seelinger. Auch diese Gänge sind heute zu festgesetzten Zeiten zu besichtigen. Und stolze 850 Jahre alt ist ein großes Steinrelief, das zeigt, wie Jesus vom Kreuz abgenommen wird. „Es ist die größte und besterhaltene Darstellung dieser Art in Europa. Steinmetze sagen, auch mit modernen Werkzeugen ließe sich diese Arbeit kaum exakter ausführen“, informiert der Gästeführer.

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Der Landesverband hat entschieden, dieses Kunstwerk nicht mit einer Abdeckung vor der Witterung zu schützen, sondern im Original zugänglich zu belassen. „Nur noch“ 200 bis 300 Jahre werde es deshalb für die Besucher sichtbar sein, vermutet der Betreuer – die Uhren gehen eben anders rund um die Externsteine. Auch der bedrohlich wirkende „Wackelstein“ auf Fels Nummer drei werde wohl die nächsten Jahrhunderte nicht abstürzen, meint Seeliger. Die lippische Fürstin Pauline hatte ihn trotzdem um das Jahr 1810 herum vorsichtshalber mit Metallbändern und einem Betonsockel sichern lassen. Fünf freistehende Felsen, die – vom angrenzenden Teich gerechnet – bis zu 47 Meter hoch aufragen und die sich über mehrere Hundert Meter hinweg ausdehnen, sind auf den ersten Blick sichtbar. Es gibt jedoch weitere Steintürme im angrenzenden Wald und unter der Erde, Eisbergen im Meer ähnlich, die sich ebenfalls zum Großteil unter der Oberfläche befinden. Die Verschiebungen der Erdkruste vor rund 70 Millionen Jahren schufen den gesamten Gebirgszug Teutoburger Wald, zu dem die Externsteine gehören. Die isolierten Felsen wurden über weitere Millionen Jahre von Quellbächen und Gletschereis ausgespült, nachdem sich das Meer zurückgezogen hatte.

Die Menschen fühlten sich seit jeher angezogen von diesem seltsamen Ort; ein Fürst baute sogar ein kleines Jagdschloss an und errichtete für seine Gäste Treppen und Brücken, damit diese die Felsen gefahrlos erkunden konnten. Dabei ging es nicht immer respektvoll gegenüber diesem Naturwunder zu: Von 1912 bis 1953 fuhr sogar eine Straßenbahn zwischen den Felsen hindurch. Die 25 Kilometer lange Linie, die vor allem Forstarbeiter nutzten, führte von Paderborn bis Horn bei Detmold. Vor 150 Jahren wurde die künstliche Grottenanlage sogar zeitweise zum Gefängnis umfunktioniert, wenn die Zellen in der benachbarten Kleinstadt Horn-Bad Meinberg überfüllt waren. Auch eine Schankwirtschaft gab es an den Steinen und später sogar ein heute nicht mehr existierendes Hotel.

Trotz aller menschlichen Eingriffe sind die Externsteine bis heute auch ein mystischer Ort geblieben, um den sich einige Geheimnisse ranken. „Am frühen Morgen kann man Menschen beobachten, die die Felsen minutenlang mit beiden Händen berühren. Oder sie nutzen ein in Stein gehauenes Becken, angeblich ein frühes Taufbecken, am Fuß der Felsen als Kraftort.“ Im umgebenden Wald sind magische Steinkreise ausgelegt, einige Sonderlinge campieren dort. „Das will ich nicht lächerlich machen“, betont Günter Seeliger. „Ich selbst kann das zwar nicht nachvollziehen. Aber diese Esoteriker spüren das wohl wirklich.“ Die Steinformation hatte auch die Nationalsozialisten in ihren Bann gezogen. Heinrich Himmler, einer der engsten Gefolgsleute von Adolf Hitler, versuchte 1934 und 1935 mit Ausgrabungen die Existenz einer frühen germanischen „Herrenrasse“ nachzuweisen – trotz Fälschungsversuchen letztlich vergeblich. Wissenschaftler gehen heute mehrheitlich davon aus, dass hier im 16. Jahrhundert ein heidnisches Heiligtum in eine christliche Stätte umgewandelt worden ist – unter anderem die Nachbildung der heiligen Stätten Jerusalems in den Felsen mit dem Grab Christi, die Kreuzauffindungsgruppe und dem Felsen Golgatha lassen sie darauf schließen.

An diese Jahrtausende währende religiöse Nutzung erinnert heute an warmen Sommertagen nichts mehr. Menschen winken fröhlich von der Aussichtsplattform in 38 Meter Höhe herab, Familien und Wandergruppen bevölkern die große Wiese vor den Steinen – eine eindrucksvollere Kulisse für ein Picknick kann es wohl kaum geben. Oder sie kehren beim Felsenwirt am Eingang ein, die Kinder toben währenddessen auf dem nahen Spielplatz. Rund 500.000 Menschen besuchen die Externsteine jährlich, was die Fürsten seinerzeit gegraust hätte: Sie sahen fremde Besucher nicht gern, weil sie ihr Jagdwild verscheuchten. Auch die Einsiedler von einst hätte der heutige Andrang wohl zutiefst erschrocken. Wer diesen Trubel scheut, sollte die Externsteine deshalb lieber an Wochentagen bewundern. Morgens bis elf Uhr ist es grundsätzlich ruhiger, dann wieder nachmittags ab 15 Uhr.

Woher haben die Externsteine eigentlich ihren Namen? Auch darauf hat Günter Seelinger natürlich eine Antwort bereit: „Es gibt zwei Erklärungen. Früher nisteten dort Elstern, die im ostwestfälischen Dialekt Eckstern genannt wurden. Eine andere Deutung geht vom Wort Egerstein aus, wobei Egge damals für scharfkantig stand.“ Beweisen ließe sich das allerdings nicht.

Abwechslung und Natur pur bieten die ebenen und gut ausgebauten Wege von 1,5 bis sechs Kilometer Länge rund um das Denkmal, zeitgemäß „Naturerlebnispfade“ genannt. Kombinieren lässt sich ein Besuch mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Region – wie das nur zehn Kilometer entfernte Hermannsdenkmal, das an die Varus-Schlacht erinnert, die Altstadt Detmolds, die Adlerwarte Berlebeck, ein Freilichtmuseum oder ein Vogelpark. Für den, der länger bleiben möchte, empfehlen sich kleinere Tagesausflüge, zum Beispiel in die „Rattenfängerstadt“ Hameln oder in das malerische Vlotho. Oder man überprüft ein weiteres Mysterium dieser Region: Das 31 Kilometer Luftlinie entfernte Bielefeld soll es ja Verschwörungstheoretikern zufolge gar nicht geben, weil noch niemand jemals da gewesen sei.

Tipps - mit Bus und Rad zu 14 Sehenswürdigkeiten

Die Externsteine sind rund um die Uhr frei zugänglich. Wer die Felsen besteigen will, kann das zwischen April und Oktober von 10 bis 18 Uhr gegen eine Gebühr von vier Euro tun. Führungen mit Besichtigungen der Grotte sind jeden Samstag, Sonntag und Feiertag ab 11 Uhr möglich (Normaltarif neun Euro), Treffpunkt ist das Infozentrum am Eingang. Es werden auch Nachtwanderungen, Märchentouren und wissenschaftliche Führungen angeboten. Hunde dürfen nicht auf die Felsen.

Anfahrt Der Parkplatz Externsteine ist per Navi über die Adresse „Externsteiner Straße 33, 32805 Horn-Bad Meinberg“ zu erreichen. Das ganztägige Parken kostet vier Euro.

Bus und Rad In der Sommersaison fährt samstags, sonntags und feiertags im Stundentakt von Detmold aus die Touristiklinie 792. Der Bus mit Fahrradanhänger steuert nacheinander 14 Sehenswürdigkeiten im Naturpark Teutoburger Wald bis nach Bad Pyrmont an.

Weitere Infos unter www.externsteine-info.de

und zur Touristik-Linie unter www.lippemobil.de

Kontakt: Infozentrum Externsteine, Tel. 05234/2029796, Mail: info@externsteine.de

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Hier geht es zur Bilderstrecke: Ausflug zu den Externsteinen in Ostwestfalen