Düsseldorf: 650 neue Forensik-Plätze im Land

Düsseldorf : 650 neue Forensik-Plätze im Land

Das Betreuungsangebot für psychisch kranke Straftäter reicht in NRW nicht mehr aus. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) will daher bis zum Jahr 2020 rund 650 zusätzliche stationäre Plätze schaffen. Geplant sind fünf neue Standorte. Die regionale Verteilungsgerechtigkeit sei das entscheidende Kriterium für die Suche neuer Unterbringungsmöglichkeiten, hieß es. Steffens hat den Kommunen, die als Standorte infrage kommen, jetzt einen Brief geschrieben, in dem sie um Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Bauplätzen wirbt. Mit dem Dialogangebot will sie Protesten entgegenwirken. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Bürgerinitiativen gegen den Bau von neuen Forensiken gegeben, weil Anlieger den Ausbruch von psychisch kranken Gewalt- und Sexualtätern befürchten. Letztlich entscheidet das Land darüber, wo die zusätzlichen Einrichtungen gebaut werden. Diese sind nötig, weil immer mehr Straftäter von Gutachtern für psychisch krank befunden werden. Sie verbüßen ihre Strafe nicht – wie gesunde Täter – in Haftanstalten, sondern werden im Maßregelvollzug behandelt.

Die Baukosten für einen neuen stationären Platz in einer Forensik liegen bei rund 300 000 Euro. Zu den Kommunen, die als mögliche Standorte infrage kommen, zählen unter anderem Solingen, Remscheid und Teile des Kreises Mettmann (Haan, Erkrath, Mettmann, Wülfrath, Heiligenhaus, Velbert). In NRW sind derzeit rund 2800 Menschen in forensischen Kliniken untergebracht. Zu den größten Standorten zählen Bedburg-Hau, Lippstadt-Eickelborn und Düren. Viele der Täter sind schizophren (36 Prozent), suchtkrank (31 Prozent) oder weisen Persönlichkeitsstörungen auf (elf Prozent).

(RP)
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