Dortmund: 27 Verletzte bei Unfall mit Hochbahn

Dortmund: 27 Verletzte bei Unfall mit Hochbahn

Ein Waggon einer Kabinenbahn ist gestern Morgen in Dortmund mit dem Müllcontainer eines Lastwagens zusammengeprallt. Bei dem Unglück sind mindestens 26 Insassen und der Fahrer des Lasters verletzt worden. Der Lkw-Fahrer soll hauptverantwortlich für die Kollision gewesen sein.

Bei einem Unfall einer mit 33 Fahrgästen voll besetzten Schwebebahn sind auf dem Gelände der Technischen Universität Dortmund mindestens 26 Insassen verletzt worden, sieben von ihnen schwer. Die vollautomatische Hochbahn war nach Angaben der Polizei gestern Morgen kurz nach 8 Uhr während der Fahrt mit einem mit Bauschutt beladenen Container eines Lastwagen zusammengeprallt. Durch die Wucht der Kollision verkeilte sich die Bahn mit dem Lkw und schleifte ihn noch mehrere Meter mit, ehe sie zum Stillstand kam.

Der Fahrer des Lasters erlitt schwere Prellungen an der Schulter und an den Beinen. "Er macht sich schwere Vorwürfe, weil es ganz klar auch seine Schuld war", sagte sein Chef Peter Bogdanski, dessen Unternehmen in der Nähe der Unfallstelle seit sechs Wochen Abbrucharbeiten durchführt. Auch für die Polizei ist der Fahrer nach ersten Erkenntnissen der Hauptverantwortliche für den Unfall. "Momentan deutet alles auf menschliches Versagen hin", sagte ein Polizeisprecher.

Der Fahrer hatte wenige Minuten vor der Kollision den Container auf einem Parkplatz unterhalb der Schienen abgestellt. In dem Moment, als die Bahn kam, lud er ihn mit einem Hebearm wieder auf seinen Anhänger. Während dieses Vorgangs wird der Container auf eine Höhe von 4,60 Meter angehoben. Die Schwebebahn fährt 4,50 Meter über der Erde. "Er hat das sonst nie gemacht. Er kann sich nicht erklären, warum er gestern so fahrlässig gehandelt hat", sagte Bogdanski, der jedoch auch eine Mitschuld beim Betreiber der Hochbahn sieht. "Es hat in der führerlosen Bahn keinen Sensor gegeben, der bei einem Hindernis auf der Strecke automatisch anhält", so Bogdanski. "Ansonsten wäre es vermutlich nicht zu dem Unfall gekommen." Das Unternehmen "H-Bahn21" wies die Vorwürfe zurück. "Die Bahn ist seit 1984 in Betrieb, und es hat noch nie einen solchen Zwischenfall gegeben", sagte ein Sprecher und betonte: "Die alleinige Schuld für das Unglück liegt beim Lastwagenfahrer." Die Fahrgäste hätten jedoch die Möglichkeit gehabt, vor dem Aufprall eine Notbremse zu ziehen – das taten sie aber aus noch unbekannten Gründen nicht. Die Bahn soll nach Einschätzungen von Experten mit 40 Stundenkilometern auf den Container geprallt sein. Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen zum näheren Unfallhergang auf. Ein Sachverständiger wurde hinzugezogen.

Als die Einsatzkräfte an der Unglücksstelle eintrafen, befanden sich die Fahrgäste, die meisten von ihnen Studenten, noch in der Gondel. Zunächst wurden die sieben Schwerverletzten mit einer Drehleiter aus der Bahn befreit. Sie erlitten Knochenbrüche, Schürfwunden und Quetschungen. Die anderen Insassen mussten in eine Rettungsgondel umsteigen, mit der sie zum Campus Süd der TU gefahren wurden, wo die Rettungskräfte ein Zelt für die Erstversorgung aufgebaut hatten. 22 Insassen wurden notärztlich versorgt und mit Rettungswagen in die umliegenden Krankenhäuser gefahren. Die meisten von ihnen konnten die Kliniken bereits nach einigen Stunden wieder verlassen. Der Sachschaden wird von der Polizei auf mehr als 100 000 Euro geschätzt. Die Hochbahntrasse blieb bis in die Abendstunden hinein komplett gesperrt. Als Ersatz wurden Busse eingesetzt.

(RP)
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