Upcycling-Trend: spannende Ideen von Kreativen weltweit

Wohntrends: Wie macht ihr das? Upcycling-Designer und ihre Ideen

Upcycling, das raffinierte Aufarbeiten von vermeintlichen Abfallprodukten, ist einer unserer Lieblingswohntrends. Antonia Edwards – Profi in Sachen Upcyceln – stellt uns Kreative vor, die nutzlos gewordenem Kram besonders gekonnt neues Leben einhauchen.

<p>Upcycling, das raffinierte Aufarbeiten von vermeintlichen Abfallprodukten, ist einer unserer Lieblingswohntrends. Antonia Edwards — Profi in Sachen Upcyceln — stellt uns Kreative vor, die nutzlos gewordenem Kram besonders gekonnt neues Leben einhauchen.

Michael Bom entwürft Lampen aus alten Büchern und Stadtplänen. Foto: Upcyclist / Prestel

Was vorher als Abfall galt, speist nun die Vorstellungskraft der Designer und gibt uns eine neue Freude am Selbermachen. Deshalb hat sich Buchautorin Antonia Edwards für ihren preisgekrönten Blog und ihr neues Buch „Upcyclist“ ganz intensiv mit dem Trend zum kreativen Recyceln beschäftigt. Auf der ganzen Welt hat sie sich nach Menschen umgesehen, die spannende Ideen zum Wiederverwenden entwickeln.

„Ich nehme das Material aus seinem gewohnten Umfeld heraus“ – Michael Bom

So wie Michael Bom aus Rotterdam, der Lampen aus alten Büchern und Stadtplänen entwürft. „Ich halte meine Designs immer einfach und pur“, erzählt er. „Und ich lasse auch immer die Konstruktion sichtbar bleiben.“ Das Material findet er in Second-Hand-Läden oder auf dem Sperrmüll. „Ich nehme es aus seinem gewohnten Umfeld heraus, schaue mir seine Eigenschaften an und setze es in ungewöhnlicher Weise zusammen.“

Michael, der in Kapstadt aufwuchs und nun seit 25 Jahren in den Niederlanden lebt, hat immer schon gerne Sachen wiederverwertet. Während seines Studiums an der „Willem de Kooning Academie“ in Rotterdam sammelte er sich seine Möbel von der Straße zusammen. Dazu gehörte auch ein Badezimmerregal aus einer alten Kühlschranktür. „Mein Vater war ein toller Lehrer, der aus den einfachsten Materialien wunderschöne Dinge schuf“, erinnert er sich. „In den 60er Jahren baute er seine eigenen Möbel aus altem Schiffsholz.“

Michael liebt die Schönheit der Patina von benutzten Dingen. „Ein Kratzer, eine Verfärbung oder ein Knick im Papier geben einem Objekt Ausdruck. Sie sind ein Zeichen dafür, dass es gelebt hat.

Sophie Crichton ist Illustratorin und liebt es bunt. Foto: Upcyclist / Prestel

„Das Unperfekte gibt den Charakter“ – Sophie Crichton

Sophie Crichton ist eigentlich Illustratorin von Kinderbüchern. Mit dem Thema Upcycling kann sie erstmals in Berührung, als sie vor einiger Zeit ein Geschenk für ihren Vater suchte. Damals fand die Engländerin in der Nähe ihrer Wohnung in Kilburn einen herrenlosen Stuhl auf dem Bürgersteig. Sie nahm in mit, bemalte ihn mit einem singenden Mexikaner, Kakteen und Sonnenschein. Fertig war der „Padre Chair“. Seitdem verwandelt Sophie mit ihrer Leidenschaft für Farben Second-Hand-Möbel in ungewöhnliche Kunstobjekte.

  • Fotos : Upcycling - Stilvolle Möbel in Used-Optik

Über Online-Tutorials hat sich Sophie Crichton neue Fingerfertigkeiten und Ideen in Sachen Upcycling angeeignet. Aber zu perfekt sollen ihren Sachen gar nicht sein. „Das Unperfekte gibt den Charakter“, findet sie und umgibt sich selbst am liebsten mit solchen Charakterstücken. „Ich mag es, wenn das Haus etwas über die Person aussagt, die darin lebt. Leute sagen über mein Zuhause, dass alles meine Handschrift trägt.“

„Ich liebes es, die Vorgeschichte der Materialien zu recherchieren“ – Roque Castro

Aus alten chinesischen Alltagsgegenständen zaubert Jonas Merian raffinierte Neue. Foto: Upcyclist / Prestel

Hauptberuflich arbeitet Roque Castro Salesbereich einer Softwarefirma, aber in seiner Freizeit kommt er gerne richtig ins Schwitzen. Dann durchstöbert der US-Amerikaner aus Virginia alte Schrottplätze nach weggeworfenen Arbeitsgeräten von den Farmen der Umgebung. Daraus entsteht seine Produktlinie „Yesterday Reclaimed“. Den rauen Stahlteilen gibt er mit dem Holz abgerissener Scheunen mehr Wärme.

Foto: Upcyclist / Prestel

Roque startete sein Upcycling-Unternehmen als körperlich anspruchsvolle „Therapie“ für seinen stressigen Job im Finanzsektor. Heute fühlt er sich vor allem von dem Nostalgie-Aspekt angezogen. „Ich bin ein Geschichtsfan. Ich liebes es, die Vorgeschichte der Materialien zu recherchieren, die uns in die Hände fallen“, sagt er. Die Nostalgie und der umweltfreundliche Aspekt des Upcycling würden ihn gleichermaßen motivieren.

Foto: Upcyclist / Prestel

„Ich begann Einrichtungsstücke aus allem zu machen, was ich finden konnte“ – Jonas Merian

Der „Padre Chair“ war ihr erstes Werk. Foto: Upcyclist / Prestel

Im Jahr 2009 gönnte sich Orthopädiemechaniker Jonas Merian eine berufliche Auszeit. Der Schweizer baute eine alte Fabrik in Shanghai in ein Designstudio für seine Möbelentwürfe um. Dort konzentriert er sich heute auf recycelte Produkte aus Shanghais Vergangenheit: alte chinesische Alltagsgegenstände und Möbel kombiniert mit antikem Holz aus der Altstadt der chinesischen Metropole.

Foto: Upcyclist / Prestel

Ursprünglich startete Jonas mit dem Upcycling, um Geld zu sparen. „Wir brauchten dringend Möbel für unser Designstudio. Also begann ich Einrichtungsstücke aus allem zu machen, was ich finden konnte“, erzählt er. Auch heute noch zaubert er für sein Label "Jonas' Design" Lampen aus Bierflaschen oder Teekannen, Lautsprecher aus Keksdosen und Schränke aus alten Koffern. Noch sei der Upcylingtrend in China nicht so verbreitet wie in den westlichen Ländern. „Aber ich rechne damit, dass sich das bald ändern wird. Weil immer mehr Menschen bei Anschaffungen ökologische Entscheidungen treffen, wird uns diese Bewegung in die Zukunft begleiten,“ prognostiziert Jonas.

Foto: Upcyclist / Prestel
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