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Nicoles Homestory: Lofts mit Diskokugeln

Homestories : Nicoles Homestory: Lofts mit Diskokugeln

Die beiden Loft-Wohnungen bestechen durch ausgesuchte Accessoires, einen gelungenen Möbelmix und den Charme des alten Industriegebäudes.

<p>Die beiden Loft-Wohnungen bestechen durch ausgesuchte Accessoires, einen gelungenen Möbelmix und den Charme des alten Industriegebäudes.

Die beiden Loft-Wohnungen bestechen durch ausgesuchte Accessoires, einen gelungenen Möbelmix und den Charme des alten Industriegebäudes.

Über eine steile Metalltreppe kämpft sich der Besucher in den ersten Stock eines Industriegebäudes in Mönchengladbach. Hat man das geschafft, ist der erste Gedanke, der in den Kopf kommt, wenn man Nicoles Wohnung betritt: Wow. Das helle Loft bietet Platz, hat große Fenster und einen ungewöhnlichen Boden und wirkt dennoch nicht ungemütlich.

Nicole wohnt seit acht Jahren hier, hatte sich aber schon vorher in die Räume verliebt. "Früher war das ein Atelier von Künstlern, die ich kannte. Jedes Mal wenn ich bei ihnen zu Besuch war, dachte ich, hier zu wohnen wäre der absolute Traum", erzählt sie. Einige Zeit später gaben die Künstler das Atelier auf und der Traum wurde wahr. Zunächst in einer WG mit einer Freundin wurden die beiden Lofts zu einer Wohnung zusammengefasst, als Nicole mit ihrem Freund Kai zusammenzog.

Ein Möbelmix mit ungewöhnlichen Stühlen

Weil es zwei Lofts sind, konnten sie auch als kleine Familie, Sohn Quin ist zwei Jahre alt, weiterhin dort wohnen. In der unteren Wohnung befindet sich Küche, Ess- und Wohnzimmer während das obere Loft Platz für Arbeitszimmer, Schlaf- und Kinderzimmer bietet. "Das ist sehr praktisch, wenn einer von uns länger arbeiten muss, kann er sich im anderen Stockwerk aufhalten, in nur einem Loft wäre das sicher schwieriger", sagt Nicole. Den einzigen abgetrennten Raum neben den Bädern hat Söhnchen Quin bekommen. "Mir war es wichtig, dass er einen eigenen Bereich hat", erzählt sie.

Die Möbel sind ausgesucht und eine Mischung aus alt und neu, diesen Mix mag Nicole. So ist der große Kunststoff-Esstisch von Schaffrath und wird von unterschiedlichen alten und neuen Stühlen umrahmt. "Zwei der Stühle haben wir im Keller eines Cafés gefunden, das mein Freund mal betrieben hat", sagt Nicole. Und im Schuppen von Kais Eltern wurden zwei weitere Schätze geborgen. "Die weißen Gitterstühle haben früher zur Einrichtung der Eltern gehört. Als dann neue Möbel angeschafft wurden, haben sie sie Gott sei Dank nicht weggeworfen", erzählt die Mönchengladbacherin.

  • Fotos : Möbelmix und Industrie-Charme in Nicoles Wohnung
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Nur einige ausgewählte Accessoires zieren die Möbel im Wohn- und Essbereich. "Ich mag es nicht, wenn Wohnungen sehr vollgestellt sind. Ich liebe freie Fläche und versuche nur dezent zu dekorieren", erzählt Nicole. Viele Dekoartikel könnten Geschichten über die 70er Jahre erzählen. So steht ein ausrangierter kleiner Fernseher auf einer Kommode ("er ist nur noch Deko und funktioniert nicht mehr") oder eine altes Musikregal, das einen Plattenspieler beherbergt, steht im Kontrast zum modernen Mischpult auf einem Tisch nebenan.

Kleine und große Diskokugeln

Inspirationen findet Nicole in Cafés oder anderen Städten. Auf dem Esszimmertisch hat sie viele Kerzen in verschiedenen Farben und Größen auf einem Tablett arrangiert. "Das habe ich mal in einem Café in Renesse in Holland gesehen. Das fand ich so toll, das ich es zu Hause nachgemacht habe." Eine ganz eigene Kreation hängt in der Raummitte: der Themenast. Da die kleine Familie in der restlichen Wohnung wenig Wert auf typische Jahreszeiten-Dekorationen legt, wird das an diesem Zweig nachgeholt. Dort hängen zu Ostern Eier oder an Weihnachten Kugeln. Ergänzt werden die Accessoires mit einem Foto-Ständer.

Direkt neben dem Themenast hängt eine große Disko-Kugel. Es wird nicht die letzte bei unserem Rundgang bleiben, überall entdeckt man kleine und große Variationen. "Mein Freund und ich lieben diese Diskokugeln", lächelt Nicole. "Ich finde es schön, wenn Licht darauf fällt und die Kugel viele kleine Punkte an die Wand wirft."

Trotz der vielen außergewöhnlichen Stühle in den Lofts sitzt Nicole am liebsten im Wohnzimmer auf dem Teppich. "Dort mache ich es mir bequem, deswegen war der Teppich auch sehr wichtig. Er macht den Raum gemütlich und ist mit seiner dunkelroten Farbe ein schöner Kontrast zu dem grauen Boden".

Greta und Claus, Märkte der schönen Dinge

Im Flur hängt eine Garderobe, die aus einem Skateboard gemacht wurde, ein Mitbringsel vom Greta-Markt. "Die wollte ich schon immer haben und beim letzten Greta-Markt habe ich sie mir einfach gekauft", erzählt Nicole. Greta und Claus, die ungewöhnlichen Märkte der schönen Dinge in Mönchengladbach liegen ihr am Herzen, gemeinsam mit Myriam Topel organisiert Nicole sie seit sechs Jahren. "Mittlerweile sind wir das ganze Jahr damit beschäftigt, aber es macht immernoch Spaß".

Sie ist stolz, dass sich die Märkte zu einer festen Institution entwickelt haben und viele Leute sich die Termine freihalten. "Ich finde es toll, dass wir es bisher immer geschafft haben, sehr ausgefallene Aussteller zu gewinnen und wir uns mit Claus von den üblichen Weihnachtsmärkten unterscheiden". Derzeit sind die Bewerbungen für den alternativen Weihnachtsmarkt abgeschlossen und buchhalterische Arbeiten wie Rechnungen schreiben oder Behördengänge stehen an. "Aber es ist leichter geworden, weil die Ämter uns kennen und uns keine Steine in den Weg legen", erzählt die Veranstalterin.

Wir haben mittlerweile im zweiten Stock das zweite Loft und damit den zweiten Wow-Moment erreicht. Im gesamten Arbeits- und Schlafbereich liegen schwarz-weiße Linoleum-Platten im Schachbrettmuster. "Ich fand den Boden schon immer so cool und außerdem liebe ich das Licht in diesem Raum. Bis zum Abend scheint hier die Sonne hinein", erzählt Nicole.

Bis vor einiger Zeit perfekte Arbeitsbedingungen für ihr kleines Label Kleiderwerkstatt. Schaufensterpuppe, Schneidetisch, Kleiderständer und Stoffbahnen zeugen noch von der Modevergangenheit. "Früher habe ich Kleider entworfen und Kleinserien im Onlineshop verkauft", erzählt Nicole, die auch eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht hat. Durch Kind, Greta und Claus und neuem Job ist die Kleiderwerkstatt allerdings eingeschlafen. "Ich nähe noch ab und zu etwas für mich, aber für mehr reicht die Zeit im Moment nicht", sagt sie.

Theaterstühle im Arbeitszimmer

Greta und Claus sind auch der Grund für weitere ungewöhnliche Sitzmöbel, die wir in dem Arbeitsbereich entdecken. Eine Dreier-Reihe von Theaterstühlen zum Herunterklappen steht an der Wand. "Als das Stadttheater abgerissen wurde, hat Myriam gefragt, ob wir nicht einige Stühle für unsere Märkte haben dürfen. Und so können wir im Sommer am Greta-Markt Stuhlreihen vor die Bühne stellen", erzählt Nicole. Nur die, laut Schild, dritte Reihe ("Drei ist meine Lieblingszahl, deswegen habe ich mir das Schild mitgenommen") hat in Nicoles Wohnung ein Zuhause gefunden.

Ihre Lieblingsstühle stehen allerdings gegenüber. Die "geschnürten" Stühle hat sie von engen Freunden geschenkt bekommen, die wussten, dass sie gerne alte Sitzmöbel mag. Und obwohl sie schon ein wenig kaputt sind, will Nicole sie nicht mehr hergeben. Die Stühle stehen neben einem ungewöhnlich geformten Möbel, ein wie eine Acht geformter Schranktisch. "Der wurde für einen Messestand konzipiert", erzählt sie. "Freunde von mir sind Architekten und haben solche Möbel entworfen. Als es nicht mehr gebraucht wurde, haben sie es mir geschenkt. Was es genau ist, weiß ich allerdings auch nicht, es lässt sich weder öffnen noch weiß ich, wofür die Löcher darin sind", lacht Nicole. Bei ihr hat es als Tisch seinen Platz gefunden.

Obwohl sich die kleine Familie sehr wohl in ihrer Zwei-Lofts-Wohnung fühlt, sind sie auf der Suche nach einem kleinen Häuschen. "Hier gibt es leider keinen Garten und durch den Lieferverkehr kann man ein Kleinkind nicht einfach laufen lassen", sagt Nicole. Gefunden haben sie aber bisher noch nichts. Vielleicht, weil sie doch zu sehr am Charme ihrer Industrie-Loft-Wohnung hängen.

Hier geht es zur Homepage und Facebook-Seite vom Greta- und Claus-Markt.

(RPO)