Harus Homestory: Viel Holz und 14.000 Platten

Homestories : Harus Homestory: Viel Holz und 14.000 Platten

Ein deckenhohes Holzregal mit über 14.000 Platten in der gemütlichen Küche: Schallplattenaufleger Haru Specks lud uns in seine kleine Wohnung ein.

<p>Ein deckenhohes Holzregal mit über 14.000 Platten in der gemütlichen Küche: Schallplattenaufleger Haru Specks lud uns in seine kleine Wohnung ein.

Schallplattenaufleger Haru Specks lud uns in seine außergewöhnliche Wohnung nach Bilk ein. Viel Holz und kreative Ideen erwarteten uns in seinem Reich.

"Aus Beschränkung kreativ werden": dieses Motto hat sich Haru Specks zu eigen gemacht, als er vor zehn Wochen aus seiner doppelt so großen Wohnung in das kleine Zwei-Zimmer-Appartement im Erdgeschoss zog. Die Kinder sind groß, er braucht für sich nicht viel Platz und einen Vorteil hat die Wohnung: "Man muss nicht mehr die Kisten mit den Platten nach oben schleppen", erzählt er.

Luxus auf reduziertem Platz

Haru Specks genießt die Vorteile des reduzierten Platzes: Sonst stünden in der Wohnung viele Sachen herum, die man nicht braucht. Und so wechselte die Couch beim Umzug für zehn Euro den Besitzer. Vermisst Haru Specks sie? "Nee, da habe ich auch vorher fast nie drauf gesessen".

Nun passt sein Leben in zwei Zimmer. Und bietet sogar Luxus, von dem andere träumen. Denn unter dem Hochbett im Schlafzimmer gibt es genug Platz für einen begehbaren Kleiderschrank. Hier hängen jede Menge Anzüge, seine Berufskleidung. Denn den Schallplattenaufleger kennt man nicht unbedingt in Jeans und T-Shirt. Im Schlafzimmer wurde er auch an anderer Stelle kreativ. Mithilfe einer Tür, die er auf dem Sperrmüll fand, trennte Haru eine Ecke ab und schafft so einen originellen Schrank, hinter dem Dinge verschwinden, die nicht jeder sehen muss.

Herzstück der kleinen Wohnung ist ein deckenhohes Holzregal in der gemütlichen Wohnküche, in dem Haru Specks seine ungefähr 14.000 Schallplatten lagert. Hier können Besucher stöbern und entdecken auf diese Weise vielleicht das ein oder andere Lieblingslied wieder. "Mit Schallplatten hat man noch Bezug zur Musik und kann alte Schätze wiederentdecken. Wenn man aber 50.000 Lieder auf dem Rechner gespeichert hat, weiß man doch selbst nicht mehr, was darauf ist", findet Haru. Das Regal hat er selbst gebaut. Die Baudielen waren ein Geschenk und mit L-Stützen vom Schlosser war es die günstigste Art und Weise, an ein individuell angepasstes Möbelstück in dieser Größe zu kommen.

Möbel mit Geschichte

Die Musik hat Haru schon früh für sich entdeckt. Mit drei Jahren bekam er von seinem Vater eine Musiktruhe geschenkt und mit 17 fing er an, aufzulegen. Mittlerweile bringt er im Sommer die Gäste im KIT regelmäßig zum Träumen und Tanzen. Sein neuestes Projekt ist eine Vinylpredigt. Dabei spricht er über gesellschaftsrelevante Themen und spielt zwischendurch Musik. Damit will er zeigen, dass die Musik viele Probleme aufgreift und die Leute zudem dazu bringen, die Lieder intensiv zu Ende zu hören.

Neben dem großen Plattenregal dominiert das Material Holz die Wohnung. "Ich mag Holz. Wir Menschen haben gelernt, mit Holz umzugehen und es gibt eine warme Atmosphäre", sagt Haru. Die Einrichtung besteht aus Flohmarktstücken, Selbstgebautem und Geschenken mit Geschichte. Der alte Holztisch und gleichzeitig Esstisch war ein Hochzeitsgeschenk und hat schon einiges erlebt. Vorher stand er 40 Jahre in einer Scheune, auf ihm wurden Feste gefeiert und Schweine geschlachtet. Auch die Deckenlampe hat schon viel gesehen. Sie hing viele Jahre in einer Oberkasseler Kneipe, bis Harus Ex-Freundin die Lampe in einem Second-Hand-Laden entdeckte und ihm schenkte.

"IKEA-Einheitsbrei ist das Schlimmste"

Die fünf Holzstühle, die den Tisch ergänzen, sind Haru auf der Straße begegnet. "Die Leute wollten die Stühle zum Sperrmüll geben. Da habe ich sie einfach gefragt, ob ich sie behalten darf", erklärt der Düsseldorfer. Einen Schrank aus Holz mit Glastüren hat er aus einem Abrisshaus gerettet. Der Schallplattenaufleger kauft keine neuen Möbel, wenn er etwas braucht, schaut er sich auf dem Flohmarkt um oder baut es selbst.

Der schlimmste Einrichtungsstil sei der IKEA-Einheitsbrei für ihn, erklärt Haru. "Wenn man keinen eigenen Stil hat, muss man der Mode folgen. Und das hat sich in den letzten Jahren von der Kleidung auf die Möbel übertragen. Nach ein paar Jahren wird die Einrichtung dann weggeschmissen". Ihm sei Nachhaltigkeit wichtiger.

Laufgitter als Topfregal

Sein Aufbewahrungsort für die Kochtöpfe zeugt von seiner Kreativität. Bei einer Bekannten im Keller hat Haru ein altes Laufgitter gefunden und kurzerhand zu einem Regal umfunktioniert. Die Töpfe sind mit Haken daran befestigt. Auf dem Regal stehen seine "IKEA-Sünden": runde Tischleuchten, die ein angenehmes Licht spenden.

Was Haru nicht selbst bauen kann, lässt er von Handwerkern ändern. Die neue trogähnliche Spüle, an die er durch ein Tauschgeschäft gekommen ist, passte nicht zur Armatur. Aus diesem Grund hat ein Installateur kurzerhand den Wasserhahn umgedreht und so umgebaut, dass das Wasser dann doch nach unten und nicht nach oben fließt.

Fertig ist die Wohnung nach zehn Wochen noch nicht. Das Schlafzimmer braucht noch etwas Arbeit und die Haushaltsgeräte in der Küche sollen hinter einer Abdeckung verschwinden. Danach kann sich Haru wieder voll und ganz auf seine Musik konzentrieren.

Haru Specks Vinylpredigten:

Am 8. August gibt es noch einmal die leicht veränderte Vinylpredigt I ("Leiden ist scheiße") im 4Wände Marie und am 22. August folgt die Vinylpredigt II ("Prometheus - die Götter sind gierig") ebenfalls im 4Wände Marie.

Mehr Infos zu Haru Specks gibt es hier.

(RPO)
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